Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus

Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus

Der Götterlauf 12 n. Hal




25. Travia 12 n. Hal



Den einsamen Ritt gen Süden genoss ich regelrecht, es tat gut mal alleine zu sein, um seine Gedanken zu ordnen und Ruhe zu finden. Wobei ich auch zugeben muss, dass es schon merkwürdig war gar keinen meiner Freunde und Gefährten um mich zu haben, war dies in den letzten drei Götterlaufen nun das erste Mal....
In Arivor angekommen, der Stätte an der Geron der Einhändige das legendäre Schwert Siebenstreich erhielt, überfiel mich eine wahrhaft göttliche, tiefe Ehrfurcht. Mein erstes Ziel war der Rondratempel, wo ich der Herrin Rondra ein Opfer darbrachte und ihr für den Beistand und erfahrenen Segen in den jüngst überstandenen Gefahren dankte. Ich suchte natürlich alle, dem Rondragläubigen bedeutenden Stätten auf, so auch das Theater, wurde hier doch der Orden vom Theater einstmal gegründet. Eben jener Orden, der im Kampf gegen die Praiosschergen in der Schlacht in der Drachenspalte bei Braunenklamm vernichtet und wo auch mein Vorfahr im glorreichen Kampf wohl gefallen ist und “Drachenglut“ das Familienschwert verloren ging.
Nach einigen Tagen der Andacht und Einkehr, trat ich wieder die Rückreise nach Grangor an.

5. Boron 12 n. Hal


In Grangor traf ich mich wie vereinbart wieder mit Hasrolf, der sich entschlossen hatte mein Angebot mit mir nach Weiden in ein hoffentlich besseres Leben zu gehen angenommen hatte. Es würde keinesfalls ein einfaches Leben werden, das Klima ist rau und der einfache Bauer arbeitet hart für sein Brot, aber es ist ein ehrliches, aufrichtiges und gutes Leben. Ich gedachte mich bei unserem Lehensherrn, Baron Stertz für ihn zu verwenden und ihn dann möglichst mit nach Drachenfels zu nehmen. Dort hatte die schreckliche Ogerschlacht an der Trollpforte so manche empfindliche Lücke geschlagen, die ein junger und kräftiger Mann wie Hasrolf schließen konnte.

7 –21. Boron 12 n. Hal


Wir brachen umgehend auf, nachdem ich mich auch von der jungen Händlerin Adaque verabschiedet hatte, auf. Ich bedauerte es sehr, musste ich doch annehmen diese anmutige und schöne Maid nicht mehr wieder zu sehen. Auf dem Weg in die Heimat kamen wir auch nach Gareth, wo ich mich auch noch einmal mit Yasine traf. Es war sehr schön, ein so vertrautes Gesicht wieder zu sehen und wir verbrachten so manche gemeinsame Stunde. Weiter war es sehr wohltuend mit ihr noch einmal über die Dinge zu sprechen, die wir in letzter Zeit erlebt hatten. Wir waren uns einig, dass sich unsere Wege wohl auch in Zukunft wieder kreuzen würden, dies bestimmt nicht die letzten Abenteuer gewesen waren. Auch wenn uns beiden im Moment nicht so sehr der Sinn nach weiteren Gefahren stand.

23. Boron 12 n. Hal


Nach drei Praiosläufen schließlich musste ich mich schweren Herzens auch wieder von Yasine verabschieden und wir zogen weiter gen Mitternacht, dem Weidnischen zu. Auf der Reichstrasse in Weiden, zwischen Baliho und Trallop trafen wir meine Schwester Farline, die mir voller Ungeduld entgegengeritten war. Als wir uns freudig, wohl eher überschwänglich und ungestüm begrüßt hatten, begann sie sogleich zu erzählen. Als meine Gefährten und ich kaum eine Woche Burg Drachenfels verlassen hatten, erreichte eine wahrlich aufregende Kunde unsere Familie. Giselwulf, unserer jüngerer Bruder, wollte und war wohl auch für würdig befunden worden am nächsten Donnersturmrennen teilzunehmen!
Jenes legendäre, nur alle 25 Götterläufe stattfindende Rennen zu Ehren der Frauen Rondra!!
Es würde, so hieß es und verlange die Tradition, im nächsten Götterlauf in Winhall, der Heimat des letztmaligen Siegers und jetzigen Ausrichters, dem großen Raidri Conchobair starten. Doch der Kunde nicht genug, wie verlautet wurde, würde es ein Rennen der sogenannten Königsklasse sein, das hieß ein Fahrer mit Bedeckung in einem zweiachsigen Wagen. Am aufgeregtem, übermütigem Glänzen in Farlines Augen war unschwer zu erkennen, was es geschlagen hatte... sie selbst war wohl schon als Teil dieser Bedeckung auserkoren worden!
Dies bestätigte sie sogleich, nun nicht mehr an sich halten könnend, nun sie würde tatsächlich auch am Donnersturmrennen teilnehmen. Ja nun, konnte ich meinen Bruder Giselwulf und meine liebe Zwillingsschwester Farline wirklich alleine da mitfahren lassen? Die Antwort auf diese Frage war klar und eindeutig: Nein, natürlich würde ich mitkommen, so ein Abenteuer konnte ich mir nicht entgehen lassen!
Doch als ich genau dies äußerte, verdüsterte sich Farlines Gesichtsausdruck, erschrocken hielt ich inne...
Da erzählte sie mir auch schon, dass dies wohl nicht gehen würde, auch wenn sie beide sich nichts sehnlicher wünschen würden... sie hatte zwar gehofft und auch gewusst, dass ich ebenso würde mitfahren wollen, aber zugleich mit der Kunde von Giselwulfs Teilnahme war auch eine Nachricht von Raidri Conchobair, den man allerorts auch den Schwertkönig nennt, eingetroffen. In dieser Nachricht sprach er die Bitte aus, ob meine Gefährten und meine Wenigkeit ihm bei der Vorbereitung und Durchführung des Donnersturmrennens behilflich sein könnten. Er bräuchte noch, so hieß es, ein paar vertrauenswürdige und tapfere Recken zur Unterstützung und dabei habe er an uns gedacht. Als Farline geendet hatte, sah sie mich schon fast bewundernd an und fragte mich wann und wo ich diesen großen, berühmten Helden getroffen und kennen gelernt hatte, dass er ausgerechnet uns mit solch einer ehrenvoller Aufgabe betrauen wollte. Als ob es im ganzen Land keine anderen gäbe... dies ließ sie allerdings unausgesprochen. Auf dem Weg gen Beonspfort also erzählte ich meiner Schwester von der Ogerschlacht und wie ich an seiner Seite in den Kampf gezogen war. Sie selbst war ja auch dort im Kampf gewesen, aber an der Seite von Yppolita und ihrer Amazonen. Natürlich stellte ich ihr auch Hasrolf vor und sagte ihre, dass ich zunächst den Baron, unseren Lehnsherrn aufsuchen wolle und bat sie uns zu begleiten.

12. Hesinde 12 n. Hal


Einige Tage später erreichten wir dann Beonspfort, wo wir beim Baron Stertz vorsprachen. Als ich die Geschichte beendet hatte, ließ er seinen Schreiber kommen. Wie sich herausstellte war das väterliche Gut schon längere Zeit in den Händen einer anderen Familie, schließlich konnte man ein solches Anwesen nicht lange unbewirtschaftet lassen. Aber es lebte noch ein Bruder von Hasrolfs Vater, also sein Onkel. Dieser hatte vor vielen Jahren den Gasthof zu Drachenfels übernommen und führte ihn seither mit seiner Gattin. Den wiederum kannte ich recht gut, wer würde nicht Linnart den Wirt vom beliebten “Drachenhort“ kennen! Jetzt fiel mir auch wieder, wo ich früher Hasrolf schon getroffen hatte, dort im Gasthof musste es gewesen sein! Wie ich wusste war eben Linnart der Gastwirt einer jener, deren Erben auf dem Schlachtfeld an der Trollpforte geblieben waren. Seither bewirtschaftete er nun allein mit seiner Gattin Martissa den Gasthof und das zugehörige Stück Land.
In seiner Güte und Weisheit verfügte also der Baron Stertz, dass unser Hasrolf von nun an dort leben und den Wirtsleuten zur Hand gehen sollte. Eines Tages dann solle er, sofern er sich bewähre und als redlich erweise, dieses Gut übernehmen und weiterführen. Von einer Bestrafung wegen unerlaubter Landflucht sah er ganz ab, da seinerzeit Hasrolf noch ein unmündiger Knabe gewesen war und lediglich seiner mittlerweile verstorbenen Mutter gefolgt war.
Da nun alles so trefflich geregelt war, nahmen wir alsbald Abschied und zogen weiter gen Drachenfels.

16. Hesinde 12 n. Hal


Daheim war die Wiedersehensfreude groß, war ich doch schon wieder gut drei Monde unterwegs gewesen. Auch wenn es auf den ersten Blick nicht ganz so auffiel, so waren doch manche Änderungen eingetreten, was wohl bewies, dass sich meine Schwägerin schon recht gut eingelebt hatte. Als wir dann des abends beim Trunke im trauten Kreise der Familie zusammensaßen, musste ich natürlich von meiner Reise erzählen.
Noch während ich von Adaque, der Salzhändlerin von Grangor sprach, fiel mir auf, dass alle innehielten und sich kurz verstohlen anblickten, bevor sie wieder mit ganzer Aufmerksamkeit zuhörten. Nachdem ich geendet hatte, wurde ich mit Fragen über den Salzabbau und -handel und auch über Adaque regelgerecht gelöchert. Natürlich stieß auch die Geschichte mit Hasrolf auf großes Interesse und mein Vater verkündete anschließend, dass er gleich am nächsten Morgen mit Hasrolf in den Drachenhort gehen wolle. Er bat mich ihn zu begleiten, da er mir dann noch etwas anderes zeigen wolle, dabei tat er ganz geheimnisvoll...
Was ging hier vor?
So sehr ich mich auch bemühte, ich bekam nichts mehr raus, sogar meine mir seelenverwandte Schwester Farline schwieg eisern. Selbst die mir sonst nie etwas verschwiegen hatte, jedes Geheimnis mit mir geteilt hatte, wollte mir nichts mehr dazu sagen. Mir blieb nichts anderes übrig als mich bis zum nächsten Morgen zu gedulden.

17. Hesinde 12 n. Hal


Früh wollte ich schon aufbrechen, doch mein Vater spannte mich unnötig lang auf die Folter, gut Ding will Weile haben, meinte er nur und so war der Morgen schon recht weit fortgeschritten bis wir endlich aufbrachen. So langten wir erst gegen Mittag im Wirtshaus zu Drachenfels an, wo sich mein Vater erst gemächlich niederließ und für uns alle einen kühlen Trunk bestellte. Als der Wirt Linnart die Krüge zu unserem Tisch brachte, forderte mein Vater ihn auf sich zu setzen und mitzutrinken. Erst dann stellte er Linnart den jungen Mann an unserer Seite vor. Im ehrwürdigen “Drachenhort herrschte sogleich eitel Freude, als der alte Linnart seinen schon lange tot geglaubten Neffen Hasrolf in die Arme schließen konnte. Auch seine herbeigeeilte Gattin Martissa war außer sich vor Freude. Nachdem wir also sichergestellte hatten, dass Hasrolf gut untergebracht war, überließen wir sie alsbald ihrem Glück und brachen wieder auf.
Wir verließen den Weiler in Richtung Zollhaus, Farline, die sich uns angeschlossen hatte, ritt voraus. Sie führte uns den Weg entlang, bis ein schmaler Pfad abzweigte, dem sie dann folgte. Dieser führte zu den Minen, in denen ein Teil der Bewohner des Ortes arbeitete, um sich ein Zubrot zu verdienen. Als wir einen kleinen Seitenstollen erreichte stiegen wir ab und betraten den dunklen Stollen. Gleich am Eingang standen zwei Fässer in denen große, helle Klumpen lagerten.
Nun endlich brach mein Vater sein Schweigen und teilte mir mit, dass die Arbeiter vor ungefähr einen Mond auf ein offensichtlich reiches Salzvorkommen gestoßen waren. Man wisse allerdings noch nicht so recht, wie man es am besten abbauen, bearbeiten und schließlich, zu guter Letzt, in den Handel bringen könne. Der Baron war zwar schon vor einiger Zeit benachrichtigt worden, aber man habe bislang noch keine Antwort erhalten. Nun aber hatte sich neues ergeben, vielleicht könne man meine Kontakte zu den Zwergen, wie auch jene zu Adaque entsprechend nutzen. Die Zwerge galt es nun für den richtigen Abbau des Salzes zu gewinnen und jene Händlerin müsse man erneut aufsuchen, um Verhandlungen über den Verkauf desselben zu führen. Wir beschlossen in den nächsten Praiosläufen gemeinsam gen Beonspfort zu reisen um persönlich mit dem Baron zu sprechen.
Das waren allerdings interessante und wirklich gute Neuigkeiten und versprachen einiges für die Zukunft.

23. Hesinde 12 n. Hal


Heuer brachen mein Vater Wolfhelm, Farline meine liebe Schwester und ich gen Beonspfort auf, nicht jedoch ohne im “Drachenhort“ vorbei zu schauen, um nach dem Rechten zu sehen. Es war augenscheinlich, dass Hasrolf in seiner neuen Heimat und Arbeit sichtlich aufblühte. Er schien wirklich zufrieden zu sein mit dem Los welches die Götter ihm zugedacht hatten. Auch Linnart und seine Frau Martissa waren sichtlich stolz und glücklich nun zu wissen, dass ihr Gut eines Tages von einem würdigen Erben und Verwandten weiter geführt werden würde.

25. Hesinde 12 n. Hal


Bei Baron Stertz wurden wir wohlwollend aufgenommen und Travias Gesetzen wurde treulich gefolgt. Als die Gelegenheit dann gekommen war, vertraulich mit dem Baron zu sprechen, schilderten wir ihm die ganze Angelegenheit mitsamt den neuen Möglichkeiten, die sich nun durch meine Verbindungen ergeben hatten. Baron Stertz war davon sehr angetan, zumal er bis dato selbst noch keine Lösung der Abbau- und Absatzprobleme des Salzvorkommens gefunden hatte. Großzügig bot er unserer Familie jetzt den dritten Teil aller Erträge des neuen Salzabbaus an, wenn ich alles Notwendige in die Wege leiten würde um das Salz nutzbar zu machen. Selbstverständlich gehörten der Schutz und Unterhalt der künftigen Mine, wie auch bei den anderen Minen und Steinbrüche zu unseren Aufgaben. Da dies für unsere Familie zu großem Vorteil gereichen würde, nahm ich dieses Angebot sofort dankend an. Ich versprach alsbald meine zwergischen Freunde im Ambossgebirge aufzusuchen, diese konnten uns in den Fragen des Abbaus sicherlich behilflich sein.
Anschließend würde ich zunächst nach Gareth reisen, meine Freundin und Gefährtin Yasine, eine Rechtsgelehrte aufsuchen. Sie wollte ich bitten, mir bei den Verhandlungen in Grangor mit der Familie Sandfort behilflich zu sein. Um der Sitte zu entsprechen, bat ich den Herrn Baron um Erlaubnis, zuvorderst nach Donnerbach reisen zu dürfen, wollte ich doch meinen Bruder Giselwulf, den künftigen Teilnehmer am Donnersturmrennen noch einmal sehen. Diese Erlaubnis gab er mir gerne, denn wie er sagte, sei er sehr stolz, dass einer seiner Lehnsleute an dem legendären Rennen teilnehmen durfte. Überhaupt sagte er uns, und vor allem meinem Bruder seine Unterstützung zu. Schließlich sei es sein Wunsch, dass unser “Held“ in unser aller Interesse ein gutes Rennen fahren könnte. Ja, er würde keine Kosten und Mühen scheuen. Mit einem schelmischen Grinsen, teilte er uns nun sogar mit, dass er schon die besten Handwerker der Umgebung mit dem Bau eines würdigen und tauglichen Wagens beauftragt hatte. Diese Nachricht solle ich meinem Bruder übermitteln. Wir dankten ihm für seine Großzügigkeit und versprachen unsererseits alles Notwendige zu tun oder zu veranlassen. Nach diesen erfreulichen Ergebnissen und Ereignissen begossen wir das vereinbarte zünftig. Da noch einige Einzelheiten zu klären galt, blieben wir noch zwei Praiosläufe auf der Burg des Barons, bevor wir nach Drachenfels zurückkehrten.
Wie es schien hatte es das Schicksal mir nicht bestimmt mal für längere Zeit zur Ruhe zu kommen und für eine Weile müßig auf Drachenfels zu bleiben. Trotzdem war ich glücklich doch wieder ein Ziel und eine Aufgabe vor Augen zu haben und vor allem würde Farline mich begleiten!
Das war das was wir uns in unseren gemeinsamen Jugendtagen auf Drachenfels schon und später auch auf der Kriegerschule erhofft und geschworen hatten: Zusammen auf Deres Boden hinaus zu reiten um Abenteuer zu bestehen. Auf Drachenfels angekommen, begannen wir umgehend mit den Vorbereitungen für unsere Reise. Zwei Praiosläufe später brachen Farline und ich schließlich auf, um gen Donnerbach zu reisen.

1. Firun 12 n. Hal


Obwohl die kalte Jahreszeit ein Reisen selbst für echte Weidener wie wir, recht mühselig werden lässt, brachen wir heuer auf, um unsere Rosse zunächst gen Donnerbach zu lenken. Kaum auf der Strasse gen Mitternacht, holten wir einen kleinen Händlerzug ein, der sich ebenfalls erdreistete dem grimmigen Firun die Stirne zu bieten und sich noch nach Donnerbach aufgemacht hatte. Der Händler stammte aus Trallop und obwohl er und seine zwei Fuhrknechte nicht gerade zimperlich und wehrlos aussahen, bat er uns sie zu begleiten. Gerade hier auf den bisweilen doch recht unsicheren Strassen konnte man immer zwei zusätzliche Schwerthände gebrauchen. Kaum eine Tagesreise, nachdem wir das Städtchen Rathila verlassen hatten, trafen wir auf eine ganze Bande Wegelagerer, die sich zusammengerottet hatte, um die wenigen Reisenden, die jetzt noch unterwegs und ein leichteres Ziel waren, zu überfallen.
Wie es schien hatten sie uns schon eine ganze Weile beobachtet, denn für den Überfall wählten sie einen Zeitpunkt, als Farline und ich ein Stück vorausgeritten waren, um einen geeigneten Lagerplatz zu suchen. Den Göttern sei Dank, waren wir recht schnell fündig geworden und kehrten schon nach kurzer Zeit zurück. Auf dem Weg zu unserem Wagenzug, befiel Farline ein merkwürdig ungutes Gefühl, was uns die Pferde zu schnellerer Gangart antreiben ließ. Ihre weibliche Intuition hatte nicht getrogen, noch bevor wir an eine letzte Wegbiegung kamen, vernahmen wir heftiges Waffengeklirr, lautes Rufen und schmerzerfülltes Geschrei.
Als wir dann den Kampfplatz überblicken konnten, sahen wir den Händler und seinen beiden Knechten mit den Rücken an den Wagen stehend kämpfen. Wären wir noch eine kleine Weile später gekommen und sie wären trotz ihrer hartnäckigen Gegenwehr von der Übermacht überwältigt worden. So jedoch fuhren wir wie Sturmwind über die Wegelagerer hinweg und brachen auf diese Weise schnell ihren Kampfeswillen. Ihre Überraschung, die schnell in blankes Entsetzen überging trug sehr dazu bei....
Die wenigen Überlebenden ergriffen alsbald die Flucht, hatten sie wohl nicht mit so heftigem Widerstand gerechnet. Als nach wenigen Minuten der Kampfeslärm ebenso abrupt wie er begonnen hatte wieder verebbte, schritt ich, mein blutiges Schwert an einem Stofffetzen abwischend zwischen den reglos am Boden liegenden Leibern umher, um nach Überlebenden zu schauen. Unter denen, die sie sterbend zurückgelassen hatten, meinte ich doch tatsächlich einen wieder zu erkennen. Ich kniete mich neben den von den Hufen zerschlagenen Körper und blickte in das wettergegerbte und verschmutzte Gesicht. War das nicht einer von jenen die uns, meine Gefährten und mich, schon einmal hier in dieser Gegend überfallen hatten?
Damals waren wir auf dem Weg in die grüne Ebene gewesen, auf der Verfolgung des ruchlosen Dieners des Namenlosen Sephirim und auf dem zum Traviatempel von Mutter Herdgard. Während ich noch in das verhärmte Gesicht schaute, schlug er unvermutet die Augen auf, ein Erkennen huschte über seine Züge: “Ihr wieder“, brachte er mühsam und stockend hervor, die Augen fielen ihm wieder zu, während sich ein mattes Lächeln abzuzeichnen begann. Abermals schlug er die Augen, mit brechender Stimme sprach er weiter: “Verzeiht mir... “ seine nur noch krächzende Stimme erstarb,..... nun endgültig.
Jetzt also hatte sein nichtsnutziges Leben ein Ende...
Er hatte mit seinem Leben dafür bezahlt, dass er entgegen unserer Belehrungen seinen Lebenswandel nicht geändert hatte. Hatten wir ihm nicht damals eigens dafür das Leben geschenkt?
Hatte er nicht versprochen sich zu ändern?
Mögen die Götter trotzdem versuchen seiner Seele gnädig zu sein, vielleicht konnten sie doch noch Gutes an ihm finden, ... etwas das ich nicht im Stande war zu sehen.
Notdürftig bestatteten wir die Gefallenen göttergefällig. Leider war auch einer der Fuhrknechte seinen schweren Wunden erlegen, sodass der Händler nun selbst auf einem Kutschbock Platz nehmen musste.
Der Rest der Reise verlief ohne weitere größere Vorkommnisse. Farline und ich waren von nun an noch vorsichtiger, denn obwohl es ein wahrhaftig erhebendes Gefühl war, mit ihr an meiner Seite zu kämpfen, war es trotzdem besser unnötiges kämpfen zu vermeiden. Schließlich waren allein die Wetterverhältnisse beschwerlich genug, wobei ich den Eindruck hatte, als hätten die Götter, ihnen voran der grimmige Firun, ein Einsehen mit uns und verschonten uns gnädig. So erreichten wir wohlbehalten Donnerbach, wo uns der Händler großzügig entlohnte, da er sehr zufrieden war mit unserem Einsatz.


20. Firun 12 n. Hal


Am 20.Firun im zwölften Jahr von Kaiser Hals Regierung langten wir also in Donnerbach an. Die Wiedersehensfreude mit unserem Bruder Giselwulf war natürlich groß, auch ohne die guten Neuigkeiten die wir ihm zu überbringen hatten. Als er schließlich vernahm, wie großzügig sich der hochverehrte Baron zeigen wollte, verschlug es ihm schier die Sprache. Im gleichen Moment war er sich aber auch der zusätzlichen Verantwortung bewusst, die nun durch diese Gabe und der damit verbundenen Hoffnungen auf ihm lag. Wie er uns eröffnete, war nämlich genau dies seine größte Sorge der letzten Wochen gewesen. Als er uns dann sein Gespann zeigte, mit welchem er jede freie Zeit verbrachte, die ihm seinen zahlreichen Verpflichtungen des Tempeldienstes noch ließen, konnte ich seine Sorge gut verstehen. Auch wenn das Gespann an sich bestimmt einmal eines der besseren gewesen war, so hatte es seine besten Tage fraglos schon hinter sich. Es war schon fraglich ob es, vor allem der Wagen, ein so hartes und vielleicht auch längeres Rennen überhaupt überstehen würde.
Eigentlich gedachten Farline und ich schon nach wenigen Praiosläufen wieder aufzubrechen, da wir noch einen langen Weg vor uns hatten. Schließlich musste ich alle meine Gefährten aufsuchen und benachrichtigen. Aber als wir erfuhren, dass in einem halben Mond Giselwulfs Weihung zum Novizen anstand, beschlossen wir noch so lang zu verweilen. So konnten wir ihm nahe sein, wenn er diesen wichtigen Schritt in seinem noch jungen Leben wagen würde. Das waren wir ihm als sein Geschwister und vor allem als sein Freunde schuldig und wollten wir auch gerne miterleben. Dann könnten wir dann bei unserer Rückkehr nach Drachenfels auch unserem Herrn Vater getreulich berichten. Giselwulf war hocherfreut, dass wir noch eine Weile bleiben würden. Dazu kam allerdings auch, dass Gevatter Firun Dere in seinen unerbittlichen festen Griff genommen hatte und so ein Reisen fast unmöglich geworden war.
Die freie Zeit, die uns Beiden bis dahin blieb, nutzten wir zu unserem eigenem rondragefälligem Dienst und immer wenn Giselwulf mit dem Gespann übte begleiteten wir ihn. Es war eine schöne Zeit, wir drei jüngsten Drachenfelser, die wir uns durch ein unsichtbares Band einander besonders verbunden fühlten. Schließlich war der Praioslauf von Giselwulfs Weihung gekommen.

Weihe wem Weihe gebührt!

10. Tsa 12 n. Hal


Nun also sollte mein lieber Bruder, nach Jahren der entbehrungsreichen, harten Ausbildung im ehrenhaften Kampf, sowie der Schulung in den Umgangsformen und den spirituellen Dingen der Rondrakirche die feierliche Weihung zum Löwenritter, wie man den Rondrapriester zu nennen pflegt erhalten.
Der eigentlichen Zeremonie waren mehrere Nächte vorausgegangen, in denen Giselwulf im Tempel wachen musste, dabei hatte er verschiedene Prüfungen des Körpers und Geistes bestehen müssen. Jetzt sollte er gemeinsam mit seinem Schwerte, einem edlen Rondrakamm, geweiht werden. Wie ich erfahren hatte würde nun Schwert und Priester mit der feierlichen Verkündung des gemeinsamen Schwertnamens vereint. Diesen Namen hatte die Göttin selbst, wohl in den vorangegangenen Nächten der Nähe und Andacht dem Anwärter und künftigem Diener offenbart. Künftig würde Giselwulf dieser Namen in den Belangen der heiligen Kirche seinem Vornamen nachgestellt werden.
Am Abend zuvor hatte Giselwulf in bußfertigem Schweigen das abendliche Mahl auftragen müssen, dabei keinen einzigen Bissen zu sich nehmen dürfen, ehe er noch eine letzte Nacht vor Rodras Altar kniend und betend, lediglich in ein einfaches Untergewand gehüllt, hatte verbringen müssen. Seine Schwertmutter, die Hochgeweihte Aldare VIII Donnerhall von Donnerbach selbst hatte derweil die Aufgabe über ihn zu wachen übernommen.
Bei Sonnenaufgang nahm er das traditionelle reinigende Bad vor, mit dem, so heißt es, der Staub des Knappentums abgewaschen wird. Dann erst wurde ihm ein Kettenhemd angelegt, sodass er vor seine Schwertmutter treten konnte. Die traditionellen Sätze sprechend nahm sie alsdann die Gürtung vor, um dann vor die versammelte Geweihtenschaft zu treten. Sie verkündete nun den Schwertnamen, der da lautet
...Gwyddor Faidwen....

Eine lange feierliche Stille folgte, lag es an dem vielleicht etwas außergewöhnlichen Namens, oder war dies so üblich?
Wie auch immer, er würde also als Giselwulf Gwyddor Faidwen von Donnerbach in den offiziellen Kirchenbüchern geführt werden.
Nach eine Weile andächtiger Stille traten zwei jüngere Novizen, Pagen der Göttin, vor und zogen zur Vervollständigung seines rondrianischen Ornats ihm einen weißen Wappenrock, der mit roten Wappenbildern verziert war über. Dann legten sie ihm eine Halskette aus polierten Silberscheiben, auf denen sich Löwinnenkopfgravuren befanden um. Zu guter Letzt wurde ihm Arm- und Beinschienen angelegt und ein leichter Helm mit einem prächtigen rotem Busch aus Federn aufgesetzt. Abschließend grüßte Giselwulf seine Schwertmutter mit der Schwertfaust, die den Gruß erwiderte und so seine Anerkennung als Löwenritter bezeugte.
Gerne hätte ich jetzt meinem Bruder zu seinen neuen Ehren gratuliert, aber er wurde ganz von der restlichen Geweihtenschaft mit Beschlag belegt und würde wohl auch einige Dienste im Tempel verrichten müssen, bis er Zeit für Farline und mich finden würde.
So verließen wir die Stätte und ergingen uns in wilden Spekulationen über seien neuen Namen und dessen mutmaßliche Bedeutung. In einem waren wir uns zumindest einig, irgendwann hatten wir den Namen Gwyddor schon mal vernommen. Wir waren sicher, dass Giselwulf selbst uns schon vor längerer Zeit eine Sage oder Legende dazu erzählt hatte, denn anders als wir, hatte er sich neben dem rondrianischen Handwerk auch viel mit alten Schriften beschäftigt.
Tatsächlich, des abends als wir beim gemütlichen Trunke saßen gesellte sich unser Bruder zu uns, den wir gleich mit unseren drängenden Fragen bestürmten, freilich ohne zu vergessen ihn zu seinen neuen Ehren zu beglückwünschen. Wir hatten recht gehabt, Gwyddor war, einer alten Mär zufolge der Name eines Königs riesenhafter Löwen die einst weit gen Mittag in einer schier unendlichen Wüste lebten.
Als der weise Löwe Gwyddor alt wurde geschah was kommen musste, er wurde von einem jüngeren Rivalen verdrängt und begab sich auf Wanderschaft nach Norden. Schließlich der Wanderschaft müde geworden setzte er sich hin um zu sterben.
Doch die Götter, die den einstigen weisen und mächtigen Herrscher der Tiere liebten, wollten nicht, dass er starb und verging. So versteinerten sie den riesigen Löwen und so kann man noch heute, wenn auch durch zahlreiche Stürme und Unwetter zerschliffen und verwittert den mächtigen Löwenherrscher in dem grauschwarzem Findling erahnen. Dieser Findling findet sich unweit der Feste Rhodenstein im weidener Land in der Grafschaft Bärwalde und so mancher hat schon in seinem Schatten Schutz vor Unwetter und anderen Unbilden gefunden.
Was den weiteren Namen und seine Bedeutung betrifft, da schieden sich die Geister der Gelehrten und Mystiker so sagte uns Giselwulf, die sich eifrigst auf die vollständige und genaue Deutung dieses von Rondra gegebenen Namens gestürzt hatten. Die einen meinten einfach nur, dass Faidwen ein Wort aus alter elfischer Sprache sei und soviel wie Freiheit bedeute. Andere wiederum behaupteten, herausgefunden zu haben, dass in seinem Schwertnamen genauso auch Dor Faidwen zu lesen sei, was Land der Erlösung bedeuten solle. Es gab auch noch weitere Gedanken, die teils nur noch abstruser wurden. Wir waren uns einig, dass es ein guter, starker und kraftvoller Namen ist, den man wenn, ganz frei ins Garethi auch mit „Löwenfrei“ übersetzen konnte, was ja doch sehr rondragefällig klang!

Tsa 12 n. Hal


Einige Praiosläufe nach Giselwulfs Weihung mussten Farline und ich nun aber doch aufbrechen, um unseren Verpflichtungen nachzugehen. Blieb nur zu hoffen, dass uns das sich erst noch vorsichtig ankündende Frühjahr ein möglichst zügiges Reisen ermöglichen würde und Firuns Atem für diesen Götterlauf endgültig gebrochen war. Giselwulf gab uns noch Briefe für Baron Stertz und auch für Vater mit, die wir, so versprachen wir gleich zuerst besorgen wollten.

3. Phex 12 n. Hal


Wieder empfing uns der Baron herzlich und traviafreundlich. Wir übergaben ihm Giselwulfs Brief und berichteten von seinen Fortschritten und seinem Eifer. Denn das muss man wirklich sagen, mit der für die den Weidener bekannten Beharrlichkeit arbeitete er auf dieses eine Ziel hin: Das große Donnersturmrennen!
Der Baron vernahm dies, wie auch die Nachricht seiner Weihung zum Page der Göttin mit großer Zufriedenheit. Schließlich zeigte er uns, wie weit die Arbeiten an Giselwulfs Wagen gediehen waren. Es war ein vierspänniger, vierachsiger Wagen von relativ schlichter und doch recht robuster Ausführung. Wie uns der Baron erklärte war es gewiss kein Wagen für hohe Geschwindigkeiten, die ja aber auch nicht so sehr gefragt war, sondern eher einer, der für längere Ausdauerrennen gebaut war. Soweit ich sehen konnte war der Wagen schon so gut wie fertig, es fehlten nur noch einige abschließende Arbeiten und die Fertigung einiger Ersatzteile, die wohl bei großen Belastungen zuerst brechen würden, wie Räder, Achsen und Deichsel. Auch waren einige Vorrichtungen und Werkzeuge, die eine Reparatur auf offener Strasse möglich machen sollten noch nicht ganz vollendet. Trotzdem sollte der Wagen schon in den nächsten Tagen nach Donnerbach überführt werden, damit Giselwulf noch genug Zeit blieb sich mit diesem Fahrzeug vertraut zu machen. Auch konnten dann noch auftretende Schwächen oder Mängel behoben werden.

5. Phex 12 n. Hal


Zwei Praiosläufe später nahmen wir wieder Abschied, um nun auch noch die heimatliche Burg heimzusuchen und natürlich um auch dort Giselwulfs Brief abzugeben.

6. Phex 12 n. Hal


Endlich wieder daheim angekommen, waren vor allem mein Vater, aber auch mein Bruder mit seiner Angetrauten recht begierig unsere Neuigkeiten von Giselwulf zu hören, hatte man hier doch schon lange nichts mehr von ihm vernommen. Mit besonderem Stolz hörte mein Herr Vater von Giselwulfs Weihung. Er wurde nicht müde sich alle Einzelheiten der Zeremonie erzählen zu lassen, zumindest soweit wir hatten dabei sein dürfen. Schlussendlich berichteten wir auch von seinem Wagen, dem alten, mit dem er fleißig übte, aber auch von den Fortschritten des neuen Wagens. Über diesen wusste Vater Wolfhelm jedoch recht gut Bescheid, war er doch selbst schon vor Ort in der Beonspforter Werkstatt gewesen.
Ja er hatte teilweise selbst schon mit Hand angelegt und dabei von seinen Erfahrungsschatz einfließen lassen können. Das größere Problem stellten die Rosse dar, aber auch dafür würde sich noch eine Lösung finden lassen, die Rosse zu Drachenfels waren meist als Reittiere ausgebildet...
So gern ich auch noch eine Weile bei meiner Familie geblieben wäre, so war es uns nicht vergönnt all zu lang zu verweilen. Zum einen musste ich in den Amboss zu meinen zwergischen Gefährten, um noch einige Fragen bezüglich des Salzabbaus zu klären und vor allem sie auch fragen, ob sie mir helfen wollten bei Raidri Conchobairs großem Vorhaben. Weiter wurde es auch wieder Zeit für Farline nach Kurkum zurück zu gehen. Auch wenn also die Zeit recht knapp bemessen war, so konnten wir doch mit meinem Herrn Vater zusammen die ein oder andere Stunde dem rondragefälligem Handwerk widmen und auch wieder einiges von ihm lernen.

10. Phex 12 n. Hal


Schweren Herzens reisten Farline und ich schließlich einige Praiosläufe später wieder ab. Unser erstes Ziel war Anbalsaith, wo wir Baron Valgor aufsuchen wollten. Ihn wollten wir bitten eine Nachricht zu Samianas Sippe in den Bärnwald zu schicken, danach würde uns unsere Reise gen Süden führen.

20. Phex 12 n. Hal


Am 20. Phex kamen wir in Balsaith an und ritten umgehend zu seiner Feste Anbalsaith, wo ihn antrafen. Er hieß uns willkommen und teilte uns mit, nachdem wir ihm von unserem Anliegen berichtet hatten, dass unsere Gefährtin Samiana vor nicht all zu langer Zeit hier gewesen war. Soweit er sich noch erinnern konnte, war sie auf der Durchreise nach Norden und in Begleitung einer etwas älteren Dame gewesen. Dabei, so vermutete ich, konnte es sich eigentlich nur um unsere gute Ada vom Weißquell handeln. Diese zu hören erfreute mich, denn so bestand Hoffnung, dass auch sie mitkommen würde. Auf jeden Fall versprach der Baron unsere Nachricht Samianas Sippe zukommen zu lassen, diese würde dann wohl schon Mittel und Wege finden oder wissen Samiana selbst zu erreichen. Abschließend bat ich ihn noch Samianas Bruder Leandro und vor allem ihrer bewundernswerten Mutter Renara einen herzlichen Gruß, sowie ein kleine Gabe, die ich zuvor in Trallop erstanden hatte, überbringen zu lassen.

21. Phex 12 n. Hal


Da wir noch einen weiten Weg vor uns hatten und noch einiges zu regeln hatten, hielten wir uns nicht länger auf als unbedingt nötig und brachen gleich am nächsten Praioslauf wieder auf. Auch wollten wir die Gastfreundschaft des Baron Valgor nicht länger als es die Höflichkeit gebot in Anspruch nehmen. Auch wenn es noch häufig recht kühl und regnerisch war, so ließ es sich recht gut reisen, zumal ich meine teure und wackere Schwester Farline an meiner Seite wusste.


Unser nächstes Ziel war nun das Ambossgebirge, das wir bald zu erreichen suchten. Wir hofften, dass die Wege, durch das mit immer mehr Kraft durchbrechende Frühjahr, schon soweit passierbar sein würden. Wir ließen Gareth linker Hand liegen, ein Wiedersehen mit Yasine musste also noch etwas warten. Die vielen Stunden, die Farline und ich gemeinsam auf der Reise verbrachten verwendete ich, wie zuvor schon bei Yasine in ähnlicher Art, meiner Schwester möglichst viel meiner Rogolankenntnisse weiterzugeben. Wir kamen recht gut voran, vor allem getrieben von Farlines Neugier die zwergischen Festungen und Stollen möglichst bald zu sehen zu bekommen. So erreichten wir Mitte Peraine das Ambossgebirge.

19. Peraine 12 n. Hal


Wie zu Erwarten war, wurde auch dieses Wiedersehen mit Balums und Korgrimms Sippe mit einem zünftigen Festchen gefeiert. Die Zwerge, fiel mir auf, waren recht angetan von meiner Schwester Farline. Eine solche stattliche, wehrhafte Amazonenkriegerin sah man im Ambossgebirge schon sehr selten, oder sollte ich eher sagen hatte man noch nie gesehen? Vor allem beeindruckte, dass sie beim Trinken nicht so zimperlich war wie meine letztmaligen weiblichen Begleiterinnen. Nach einigen Humpen der Gewöhnung begann ihr das Zwergenbier genauso gut zu munden wie mir!
Über all dies vergaßen wir aber nicht den eigentlichen Zweck unserer Reise. Was die Geschichte mit dem Donnersturmrennen betraf, waren Balum und Korgrimm, wie kaum anders erwartet, gleich überzeugt und boten dementsprechend sofort ihre Hilfe an. Vor allem Korgrimm war kaum zu bremsen und rief sogar, als er vernommen hatte, dass Farline mit Giselwulf fahren würde, dass auch er unbedingt mitfahren wolle. Dies war gar nicht so abwegig befanden Farline und ich übereinstimmend, es war bestimmt von Vorteil ein weiteren kampferprobten Krieger dabei zu haben. Aber diesbezüglich müsse letztendlich Giselwulf die Entscheidung treffen, wobei ich mir ziemlich sicher war, dass er sehr erfreut sein würde...
Wie auch immer, sie würden auf jeden Fall frühzeitig losreisen, um möglichst zeitig in Winhall anzukommen, sodass es noch genug Gelegenheit gab mit Giselwulf selbst zu sprechen. Etwas schwieriger gestaltete sich die Sache mit dem Salzabbau. Dabei war das Problem nicht, dass man nicht über das entsprechende Wissen verfügte, sondern eher wie man das nun praktisch umsetzen konnte, es führte kein Weg daran vorbei, als dass einer oder mehrere darauf spezialisierten Zwerge in den Norden reisen musste, um sich vor Ort ein Bild von der Lage zu machen.
Nur wegen einem möglichen Salzabbau, irgendwo in der Roten Sichel, würde sich aber kein Zwerg auf die gefahrvolle Reise in den fernen Norden begeben. Aber wie gut, dass es in meiner Heimat auch noch reichlich Erz gibt, deswegen ist es ja auch keine Seltenheit bei uns auf Zwerge zu treffen. Als ich davon berichtete, stieg merklich das Interesse der Zwerge und schließlich fanden sich zwei wackere Zwerge aus Balums Sippe, die genügend Erfahrung im Bergbau besaßen und bereit waren, sich sobald wie möglich auf den weiten Weg zu machen. Ich schrieb noch zwei Briefe, die sie mitnehmen sollten, einer davon war an den ehrwürdigen Baron gerichtet. In diesem empfahl ich die beiden sowohl als Bergleute bezüglich des Salzabbaus, wie auch als mögliche Kunden für das hiesige Erz.
Der zweite Brief war für meinen Vater bestimmt, darin schrieb ich ihm noch zusätzlich die Bitte, meinem Bruder mitzuteilen, dass auch Korgrimm gerne am Rennen teilnehmen wollte. Ich schilderte ihm, dass Korgrimm, kurz hatten sie ihn ja schon mal kennen gelernt, zum einen ein guter, wagemutiger Kämpfer ist, aber auch etwas von Mechanik verstand, was, wenn der Wagen mal Schaden nehmen würde durchaus hilfreich sein konnte. Weiter solle Giselwulf möglichst bald Nachricht geben, wie seine Entscheidung ausgefallen war.
Somit hatten Farline und ich unseren Auftrag bei den Zwergen erfolgreich erfüllt, nicht zuletzt dank Farlines diplomatischen Geschicks. Zuerst hatte ich schon befürchtet hier zu scheitern und eben meine liebe Freundin und Gefährtin Yasine schmerzlich vermisst und sehr herbei gewünscht. In solchen Dingen konnte sie, wie ich schon des öfteren erlebt hatte wahre Wunder vollbringen, wobei die Zwerge wohl auch für sie eine harte Nuss gewesen wären. Aber wie schon erwähnt, auch Farline konnte ihre weibliche Ausstrahlung geschickt in die Waage werfen. Sie hatte doch sogar noch den Vorteil eine gute Kämpferin und auch Mittrinkerin zu sein und somit war es ihr gelungen schon einiges an Achtung und Respekt bei den Zwergen zu erwerben. Diesen Erfolg genossen wir nach Zwergenart, aber nicht nur das...
Meine zwergischen Freunde hatten einiges zu tun, um unseren, dabei vor allem auch Farlines Wissensdurst zu stillen. Wir ließen uns die Stollen zeigen, in denen Erz abgebaut wurde, verbrachten einige Zeit mit Balums Vater Balin in dessen Schmiede und auch die alltäglichen Kampfesübungen kamen nicht zu kurz. So verflog die Zeit rasend schnell und schließlich mussten wir doch Abschied nehmen, obwohl wir gerne noch länger geblieben wären. Bleibt nur die Hoffnung, dass es das Schicksal uns beiden es noch einmal vergönnt, wenn möglich gemeinsam noch einmal für längere Zeit hierher zu kommen.

25. Peraine 12 n. Hal


So schwer mir der Abschied von den Zwergen auch fiel, so mischte sich in diesen Abschiedsschmerz doch eine gehöriges Stück Vorfreude. Schließlich würde ich nun bald wieder in den Gassen des stolzen Gareth wandeln und vor allem würde ich bald meine liebe, teure, tulamidische Gefährtin wiedersehen. Wie würde sie meine Bitte, mir bei meinen Verhandlungen mit Adaque zu helfen, aufnehmen? Vor allem würde sie mit uns nach Winhall ziehen, um uns bei Raidris Auftrag zu helfen?
Obwohl das Frühjahr schon recht weit vorgeschritten war, ist es hier im Gebirge immer noch recht kühl, Firuns Atem weicht hier nur langsam und widerwillig. Als wir aber die Ausläufer des Gebirges erreichten, ging unsere Reise dann zügiger voran und so kamen wir schon Anfang Ingerimm in Gareth an.

2. Ingerimm 12 n. Hal


Ich führte Farline in jenes Gasthaus, in dem Yasine und ich, später auch Samiana und Ada, uns eingemietet hatten, als wir so knapp den Hinrichtungsfeuern der Bannstrahler entkommen waren. Noch am gleichen Tag suchten wir den Phextempel auf, wo sich jene Freundin Yasines aufhielt, die sie uns benannt hatte. Wir hinterließen bei ihr eine Nachricht für Yasine, mit dem Inhalt, dass wir nun für einige Tage in Gareth, in eben jenem Gasthaus verweilten, ganz so wie Yasine uns es empfohlen hatte. Wir baten sie uns doch so bald als möglich aufzusuchen, da wir gerne sehr wichtige Dinge mit ihr zu besprechen hatten und natürlich uns über uns ein baldiges Wiedersehen mit ihr freuen würden. Danach suchten wir wieder unsere Herberge auf, um uns zu stärken und zu erholen, in der Hoffnung, dass Yasine bald die Zeit und Muße finden würde sich zu uns zu gesellen.

3. Ingerimm 12 n. Hal


Gleich am nächsten Praioslauf, gegen die Mittagszeit, klopfte es an unsere Zimmertüre und als ich öffnete stand tatsächlich, wie erhofft unsere Yasine vor mir. Nach herzlicher Begrüßung bat ich sie in die Kammer, schließlich gab es viel zu erzählen. Leider hatte sie jetzt nicht viel Zeit, sie war nur gekommen, um sich mit uns für den Abend zum gemeinsamen Essen zu verabreden. Ich bedauerte sehr, noch länger warten zu müssen, doch blieb mir wohl nichts anderes übrig als mich noch etwas zu gedulden...
Obwohl sie eigentlich sogleich wieder gehen wollte, dauerte es doch fast eine Stunde, bis sie uns dann tatsächlich verließ, einige Dinge, die mir vor lauter Ungeduld regelrecht auf der Seele brannten konnte ich nicht umhin, diese sofort los zu werden. Des Abends trafen wir uns dann wie verabredet und konnten nun in Ruhe reden. Über die Ereignisse, das Donnersturmrennens betreffend, war Yasine erwartungsgemäß sehr überrascht und auch erfreut, kannte sie Giselwulf doch schon recht gut durch die Zeit, die wir zusammen auf Drachenfels verbracht hatten. Auch an Raidri Conchobair konnte sie sich noch gut erinnern, auch wenn die Umstände unter denen wir ihn kennen gelernt hatten, die Ogerschlacht an der Trollpforte, zu denen gehören, die man gerne schnell vergessen würde...
Aber eben nicht vergessen kann...
Gerne wollte sie uns begleiten, um ihm bei der Ausrichtung des Rennens behilflich zu sein. Auch bei meiner persönlichen Bitte, die Verhandlungen mit der jungen Salzhändlerin Adaque Sandfort zu führen, erklärte sie sich gerne bereit mich dazu nach Grangor zu begleiten. Ich dankte ihr aufrichtig, fiel mir doch nun ein großer Stein vom Herzen, ja jetzt bestand gute Hoffnung die Handelsbeziehungen wirklich aufzubauen.
Sogleich begannen wir mit den Überlegungen, wann wir losreisen wollten. Schließlich vereinbarten wir, dass Farline und ich zunächst noch nach Kurkum reiten würden und dann Yasine wieder in Gareth abholen würden, um dann zu dritt weiter nach Grangor zu reiten. Von dort aus gedachten wir, Yasines Vorschlag folgend, mit dem Schiff nach Havena zu fahren. Der Rest des Abends verging wie im Fluge, gab es doch viel zu erzählen und dementsprechend begaben wir uns erst sehr spät zur Ruhe. Da traf es sich gut, dass wir uns am nächsten Tag noch einmal treffen konnten.

4. Ingerimm 12 n. Hal


Zur vereinbarten Zeit holte uns Yasine ab, um gemeinsam mit uns über Gareths Märkte zu gehen, wo wir uns mit den notwendigsten Dingen für unsere weitere Reise versahen. Dabei stellte Yasine wieder eindrucksvoll unter Beweis, wie gut sie mit all den Händlern umzugehen wusste. Farline, meine Schwester, die das noch nicht erlebt hatte, kam zum Teil nicht aus dem Staunen heraus. Mir bestätigte sich wiederum, warum mir Yasine gerade bei solchen Dingen die liebste Begleitung ist, was nicht heißen soll, nur bei solchen Dingen!
Des Abends luden wir sie dann zum Danke zum Mahle ein, welches sie sich wahrlich redlich verdient hatte. Danach zogen wir noch etwas um die Häuser, um diesen sowohl angenehmen wie auch erfolgreichen Praioslauf ausklingen zu lassen. Im Nachhinein stellte sich dies nicht als das Schlauste heraus, anbetracht der Tatsache, dass Farline und ich eigentlich schon früh am nächsten Morgen gen Kurkum aufbrechen wollten. Aber wer weiß, was die Zeit noch so alles bringt, also sollte man stets den Augenblick genießen, bei Rahja!

5. Ingerimm 12 n. Hal


Also etwas später, als wir gehofft hatten, brachen Farline und ich heute auf, mit jeweils einem Kopf, so dick, dass es mich wunderte, dass ich überhaupt durch das Stadttor passte! Aber wie schon oft erwies sich ein strammer Tagesritt an der frischen Luft als gutes Heilmittel wieder einen klaren Kopf zu bekommen. Wir folgte der Reichsstrasse gen Beilunk und hielten uns nirgends länger, denn jetzt zog es Farline mächtig in ihre zweite Heimat. Kaum konnte sie es erwarten, endlich wieder ihre Retterin und Mentorin Königin Yppolita wiederzusehen. Auch ich war in freudiger Erwartung, die stolze, berühmte und ehrwürdige Amazonenkönigin wieder zu treffen.

15. Ingerimm 12 n. Hal


So gelangten wir heuer, nach einer zügigen Reise, auf Kurkum an. Besonders Farline wurde herzlich begrüßt, aber auch ich fand eine traviagefällige Aufnahme. Obwohl wir Königin Yppolita schon vorab benachrichtigt hatten, mussten wir jetzt alles ganz genau erzählen. Wie es dazu gekommen war, dass nun eine stolze und nicht minder streitbare Amazone von Kurkum am berühmten Donnersturmrennen teilnehmen würde. Das war natürlich das was am meisten interessierte!
Es war deutlich zu spüren, dass alle Kriegerinnen stolz waren, dass eine der Ihren mitfahren würde, aber auch, dass eine jede von ihnen bereit und willens gewesen wäre, selbst teil zu nehmen, sollte sie dafür ausgewählt werden. In allem aber übertraf Yppolita noch die anderen! Sie ließ wissen, dass sie keine Kosten und Mühen scheuen wolle, um zu einem guten Gelingen beizutragen. Dazu gehörten auch schon die guten Amazonenrosse, die sie vor geraumer Zeit auf den Weg geschickt hatte und wohl mittlerweile schon bei Giselwulf mit einer entsprechenden Nachricht angekommen sein sollten. Dabei handelte es sich um Rosse einer speziellen Zucht und einer entsprechenden Ausbildung, trainiert und gezüchtet auf Ausdauer, Kraft und Schnelligkeit.
Diese Nachricht überraschte, ja überwältigte mich geradezu!
Vor allem Farline dankte ihrer großzügigen Schutzherrin und Gönnerin, war dies doch nur ihretwegen veranlasst worden. Davon wollte die stolze Königin jedoch gar nichts wissen. Ihr Interesse war lediglich, wie sie sagte, dass eine Amazone aus ihrer Herrschaft auch mit angemessenen Rössern anzutreten, oder ansonsten eben diesem rondragefälligem Rennen fern zu bleiben habe!
Dabei wandte sie sich ab, ich meine aber trotzdem noch ein leicht schelmisches Lächeln über ihr Gesicht huschen gesehen zu haben.
Wir blieben noch einige Praiosläufe in Kurkum, bevor wir wieder Urlaub nahmen. Wie bei meinem ersten Besuch auf Kurkum beeindruckte mich wieder, mit welcher Disziplin und Ordnung die Amazonen lebten. Die wenigen Tage, die Dinge die ich sah und erlebte ließen mich noch einige Zeit daran zurück denken. Schließlich mussten wir uns aber doch verabschieden, wollten wir doch zeitig zum Rennen in Winhall sein und wir hatten noch eine lange Reise vor uns!


21. Ingerimm 12 n. Hal


Wir machten uns nun auf den Weg nach Gareth, um dort Yasine zu treffen und abzuholen. Die Reise nach Gareth verlief, den Göttern sei Dank, ohne größere Zwischenfälle und Aufenthalte und so standen wir schon am frühen Abend des 29. Ingerimm vor den Toren Gareths.

29. Ingerimm 12 n. Hal


Wie zuvor schon suchten wir wieder den, uns von Yasine bezeichneten Phextempel auf und übergaben ihrer Freundin wieder eine entsprechende Nachricht. Scheinbar hatte Yasine uns schon ungeduldig erwartet, denn noch am selben Abend kam sie, zwar erst recht spät, zu uns ins Gasthaus. Wir waren gerade dabei uns einen letzten Absacker zu genehmigen, als sie unvermittelt neben uns am Tresen stand. Wie sie uns mitteilte, war sie schon reisebereit und konnte es kaum erwarten den düsteren und manchmal scheinbar doch etwas langweiligen Tempelhallen zu entfliehen. Also kamen wir überein, gleich am nächsten Morgen aufzubrechen.

30. Ingerimm 12 n. Hal


Nachdem Farline und ich Yasine vom Tempel abgeholt hatten, verließen wir Gareth in südwestlicher Richtung. Nun sollte unsere Reise wieder dahin führen, wo wir erst unlängst solch dramatische und schreckliche Dinge erlebt hatten, wieder nach Grangor!
Wie zuvor schon, ritt Yasine wieder bei mir auf dem Pferd mit, eine mittlerweile vertraute und in letzter Zeit schon fast vermisste Gesellschaft, die ich da nun genießen durfte. Während uns unser Weg immer weiter ins liebliche Feld führte, hatten wir viel Gelegenheit uns gegenseitig zu berichten, was wir in den letzten Monden erlebt und getan hatten. Yasine erzählt voller Begeisterung, dass sie nun wieder etwas tiefer in die Lehren ihrer Kirche vorgedrungen sei und sich viel neues Wissen erworben hatte.
Natürlich sprachen wir auch über jene Dinge, die uns wohl bald erwarten würden. Wir spekulierten auch, wie das Rennen wohl aussehen würde und natürlich rätselten wir auch, ob unsere andere Gefährten meinem Ruf folgen und erscheinen würden, sowie was ihnen alles widerfahren war seitdem wir uns getrennt hatten. Über all dies vergingen die Praiosläufe wie im Fluge und wir erreichten Grangor keine zwei Wochen später und meinten dabei gerade erst losgeritten zu sein.

13. Rahja 12 n. Hal


Und wieder musste ich heute, genauso wie Farline, meine wertvollen Waffen vor Betreten der Stadt mit äußerstem Widerwillen abgeben. Welch entwürdigendes Vorgehen, man kommt sich so erniedrigt, ja beinah nackt vor, wenn die vertrauten Waffen nicht da sind wo sie sein sollen!
Ein Wunder ist es, dass man hier immerhin die Rüstung anbehalten durfte!
Allein aus diesem Grunde war mir sehr daran gelegen, die geschäftlichen Dinge schleunigst abzuwickeln und hier so schnell wie möglich wieder wegzukommen, endlich meine teuren Schwerter wieder umzuschnallen!
So gingen wir vom Pilgerhaus direkt zum Hause der Sandforts und hinterließen eine Nachricht für die Herrin des Hauses, mit der Bitte um eine baldige Audienz. Weiter gaben wir an, wo wir zu nächtigen gedachten. Noch am selben Abend erschien der uns schon bekannte Brin, Adaques treuer Angestellter, um uns mitzuteilen, dass wir am nächsten Praioslaufe zum Mittagsmahle geladen seien. Anschließend wäre dann noch Zeit um unsere geschäftlichen Anliegen zu besprechen. Weiter richtete er aus, dass seine Herrin, die junge Adaque sehr erfreut sei uns wieder zu sehen und wir willkommene Gäste in ihrem Hause seien.

14. Rahja 12 n. Hal


Zur vereinbarten Zeit trafen wir im Anwesen der Sandforts ein, wo man uns nach einem Begrüßungstrunk in den Speisesaal bat. Dort konnten wir dann auch endlich die junge Herrin des Hauses begrüßen, sie schien mir noch lieblicher und reizender geworden zu sein. Auf jeden Fall trat sie nun viel selbstbewusster auf, nach all den überstandenen Querelen des letzten Götterlaufs. Nach dem Mahle verabschiedete sie die anderen Gäste und nur wir blieben zurück. Sie führte uns in ihr Arbeitszimmer, wo wir unser Anliegen vortrugen. Dabei überließ ich wie gewohnt die meisten Verhandlungen Yasine, die sich mit rechtlichen Dingen und ähnlichem wesentlich besser auskennt. Solcherart brachten wir einen, für alle Beteiligten zufriedenstellenden Vorverkaufsvertrag zustande. Endgültig würde man den Vertrag abschließen, wenn die eigentliche Salzförderung und die Lieferungen beginnen würden.
Als wir zu später Stunde dann das Haus verließen, musste ich mir allerlei Frotzeleien von Seiten meiner lieben Schwester Farline anhören, die nun zu wissen meinte, warum ich ausgerechnet nach Grangor reisen wollte um mit dieser Frau den Handelsvertrag abzuschließen....
Natürlich entbehren sämtliche Verdächtigungen dieser Art jeglicher tatsächlichen Grundlage, Adaque Sandfort ist nun einmal die einzigste Salzhändlerin die ich kenne....
Trotzdem wurmten mich diese Sticheleien über die Gebühr, hatte sie am Ende doch Recht, vielleicht auch nur ein kleines bisschen? Nun gut, sie ist jung und reizend, wie auch immer, so etwas konnte ich nicht einfach auf mir sitzen lassen. Umgehend verpasste ich ihr einen kräftigen Hieb.
Schneller als man Praioslob sagen konnte, kugelten wir uns am Boden und rauften so richtig herzhaft, ganz wie in alten Zeiten! Ha das war mal ein Spaß!
Das machte so richtig Laune!
Lediglich Yasine war zunächst äußerst entsetzt, dachte sie wohl wir würden uns ernsthaft prügeln und wollte schon fast die Gardisten holen...
Als wir kurz darauf dann auch noch fröhlich lachend, wenn auch etwas lädiert, ob der gelungenen Rauferei, das ein oder andere Bier gemeinsam tranken, konnte sie nur noch ungläubig den Kopf über diese verrückten weidener „von Drachenfelser“ schütteln.

15. Rahja 12 n. Hal


Auch heute trafen wir uns noch einmal mit der Handlesherrin, um nun auch noch die letzten Klarheiten zu beseitigen, soweit mich das betraf, denn ich konnte den Verhandlungen sowieso nicht so richtig folgen....
Schließlich brachten wir die von Yasine formulierten Vorverträge zur Unterschrift und unsere Aufgabe hier war also soweit erfüllt. Alles in allem konnten, wie ich denke, alle Seiten mit dem sich nun hoffentlich bald abzeichnenden Handel zufrieden sein. Da jetzt nun alle Formalitäten abgeschlossen waren, konnten wir den Praioslauf gemütlich ausklingen lassen. Am nächsten Morgen würden wir an Bord eines für Adaque fahrenden Schiffes gehen und bis Havena mitfahren. Vor allem Farline drängelte zur einem baldigen Weiterreise, als könnte sie damit den herbeigesehnten Start des Donnersturmrennens beschleunigen. Das hieß für mich allerdings schon so bald wieder die angenehme Gesellschaft Adaques auf unbestimmte Zeit entbehren zu müssen. Andererseits war auch ich ungeduldig angesichts der Dinge, die da auf uns zukamen und mich litt es trotz aller netten weiblichen Gesellschaft nicht all zu all zu lang in Grangor beim Müßiggang.
Zumal ich schließlich auch mit sehr reizender Begleitung unterwegs war, sodass ich diese Entbehrung wohl ganz gut verkraften würde. Nicht zu vergessen war dabei auch noch der Makel der schlechten Erinnerungen, die diese Stadt für mich hatte, war ich hier doch schon mehrfach recht weit auf dem Weg in Borons Hallen vorangeschritten gewesen.

16. Rahja 12 n. Hal


Nachdem wir uns von Adaque verabschiedet hatten, gingen wir also an Bord eines ihrer Handelsschiffes, welches uns gen Norden nach Havena bringen würde. Zuvor mussten wir ihr jedoch versprechen, sie erneut zu besuchen, wenn uns das Schicksal wieder in die Nähe von Grangor führen sollte.
Möge dieser Praioslauf nicht allzu lange auf sich warten lassen!

20. Rahja 12 n. Hal


Nach vier Praiosläufen recht geruhsamer Schiffsreise erblickte wir am späten Nachmittag Havena. In einem preiswerten Gasthaus übernachteten wir, bevor wir am nächsten Morgen die letzten Meilen unsrer Reise nach Winhall unter die Hufe nahmen. Wir ritten durch die albernischen Gestade zunächst gen Abilacht, dabei immer der Reichstrasse folgend. Dort lenkten wir unsere Rosse nach Norden. Über Honingen ging es immer weiter bis an die nördliche Grenze Albernias, nach Winhall, die Heimat und Familienstammsitz des berühmten Schwertkönigs Raidri Conchopair.
Zu meiner Erleichterung erreichten wir unser Ziel am 29. Rahja, also noch vor Anbruch der namenlosen Tage, einer Zeit, zu der man sich besser nicht auf Reisen begibt oder befindet...
Hier sollte nun das berühmte Donnersturmrennen seinen schicksalhaften Beginn nehmen. Mögen die Götter, vor allem natürlich die Herrin Rondra, das Ihrige geben, auf dass ein neuer und würdiger Führer des Donnersturms gefunden werde.
Ein würdiger Nachfolger des Schwertkönigs, bei Rondra!



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