Freude des Wiedersehens und Trauer des Abschieds

Freude des Wiedersehens und Trauer des Abschieds



Rahja 12 n. Hal



Das war ein freudiges Wiedersehen mit meinem, mit Verlaub, „kleinem“ Bruder. Stolz und mit bald überschäumender Freude zeigte er uns seinen neuen Wagen und die wie aus einem Guss laufenden Amazonenrösser.
Es war wirklich ein erhebender Anblick!
Ich war sogleich angesteckt von seiner Begeisterung und ich denke meinen Gefährten erging es ähnlich. Doch es gab noch andere zu begrüßen, unsere beiden tapferen und treuen Kampfgenossen Balum, Sohn des Balin und Korgrimm groscho Tortasch waren auch erst vor kurzem angekommen. Wie ich an Korgrimms stolz strahlendem Gesicht erkennen konnte, war es also schon geklärt, dass er „unsere“ Mannschaft bei dem Donnersturmrennen verstärken würde. Balum dagegen beäugte das ganze Treiben mit sehr misstrauischer Miene, ihn würde man wohl nie dazu überreden können den Wagen auch nur zu besteigen. So oft es möglich war, begleitete ich Giselwulf, Farline und Korgrimm bei ihren letzten Übungsfahrten und es fiel zunehmend schwerer nicht doch noch mit ihnen mitzufahren.
Aber mich rief die Pflicht andere Aufgaben bei diesem legendären Rennen zu übernehmen. Auch die Begegnung mit Raidri Conchopair verlief sehr herzlich, er war sichtlich erleichtert, dass wir schon da waren und ihm bei der Durchführung des Donnersturmrennens zu helfen gedachten. Noch hatte er uns nichts genaueres gesagt, aber dies würde er bestimmt bald tun, schließlich waren auch noch nicht alle meine Gefährten da.
Was man aber schon erkennen konnte, war, dass das Rennen gleich nach Norden führen würde.
Gestartet werden sollte in einem großem Halbrund von einem großen Platz, nach etwa einer Meile stieß man dann auf die Tommel, den Grenzfluss zwischen Albernia und Nostria, dort hat Raidri eine schmale Holzbrücke eigens für das Rennen erbauen lassen. Über diese sollten dann die Teilnehmer nach Nostria gelangen.
In den nächsten Praiosläufen trafen immer mehr Teilnehmer mit ihren Gespannen ein und bezogen ihr Quartier im am Rande des Startfeldes liegenden Fahrerlagers. Neben einigen durchaus bekannten Persönlichkeiten wie Prinz Brin, Dragosch von Sichelhofen und Syratus, ein bekannter Wagenlenker aus Gareth, waren auch einige exotische, teils sogar recht skurrile Gruppen dabei. Zur besonderen Begeisterung meiner zwergischen Freunde traf auch noch ein Wagen mit rein zwergischer Mannschaft ein. Darüber hinaus kam auch viel schaulustiges Volk, welches sich dieses Ereignis nicht entgehen lassen wollte.

16. Rahja 12 n. Hal


Heute kamen schließlich auch unsere restlichen Gefährtinnen unsere Elfe Samiana, sowie unser Kräuterweiblein Ada vom Weißquell. Da wir nun alle wieder endlich vereint waren, bat uns Raidri Conchobair in seine Räumlichkeiten. Er wollte uns nun mitteilen, welche Aufgaben er uns zugedacht hatte. Zuerst jedoch nahm er uns das heilige Versprechen ab, mit niemandem über die Dinge zu reden, die er uns nun mitteilen würde. Dann erläuterte er uns seine Planungen. Er hatte überlegt, das Rennen unter drei wesentliche Aspekte oder Anforderungen zu stellen. Diese alle müsse ein Teilnehmer erfüllen um am Ende ein würdiger Sieger zu sein.
• Zunächst solle er über einen, die eigenen Grenzen überschreitenden, Weitblick verfügen. Dies solle damit symbolisiert werden, indem das Rennen auch durch das hier angrenzende Nostria führen würde.
• Weiter solle er über große Zähigkeit und Ausdauer verfügen, deshalb hatte er bewusst eine sehr lange Strecke gewählt, welche über mehrere Stationen wieder hier enden würde.
• Dann müsse derjenige der gewinnen wolle auch beweisen, dass er fähig ist seine Fähigkeiten mit denen anderer zu vereinen und bestmöglichst einzusetzen. Deshalb ein Rennen in der sogenannten Königsklasse, das ist ein zweiachsiger Wagen mit einer mehrköpfigen Mannschaft besetzt. Hier fällt unter Umständen schon bei der Wahl der Begleiter eine Vorentscheidung über Sieg oder Tod.
Schlussendlich solle das Rennen im Zeichen und unter dem Segen aller zwölf Götter stattfinden, deswegen habe er zwölf Stationen eingerichtet, die alle Teilnehmer der Reihe nach anlaufen sollten. An jeder Station erwartet ein Geweihter der Zwölfe, allesamt persönliche Freunde von Raidri, die Teilnehmer um ihnen weitere Hinweise zu geben. Zum Teil sind diese Hinweise in Rätselform, mit denen sie dann in der Lage sein sollen die nächste Station ausfindig zu machen.
Die Geweihten wissen aus Gründen des Schutzes und der Geheimhaltung bislang nur, dass sie sich bereit halten sollen. Unsere Aufgabe wäre nun, dem Rennverlauf entgegengesetzt loszureiten, jene Geweihten aufzusuchen und ihnen die nötigen Anweisungen zu geben. Er selbst wolle mit den Teilnehmern starten, mit dem Donnersturmwagen vorausfahren und die ersten Stationen aufsuchen und einrichten. Irgendwo in der Mitte würden wir uns dann treffen....
Es war für uns eine große Ehre, dass er ausgerechnet uns mit dieser Aufgabe betrauen wollte und natürlich waren wir bereit diese pflichtschuldigst zu erfüllen.
Neben Raidri waren wir jetzt die einzigsten in ganz Aventurien denen der Streckenverlauf dieses Donnersturmrennens schon bekannt war.
In den nächsten Tagen sah ich meine zwei Geschwister recht wenig, da diese zwischen den täglichen Übungsfahrten sehr mit den Vorbereitungen für das Rennen beschäftigt waren. Es sollte pünktlich zur neunten Stunde am 1. Praios gestartet werden. Nach eingehender Beratung hatten wir beschlossen, gleich nach dem Start ebenfalls aufzubrechen, um unsere Aufgabe getreulich zu erfüllen. Bis zum Ende des Rahja waren nun alle Wagenlenker eingetroffen und hatten Quartier bezogen. Giselwulf hatte nun seine Vorbereitungen soweit abgeschlossen.

Tage des Namenlosen 12 n. Hal


Doch bevor das Rennen starten konnte, brachen erst noch die fünf Tage des Namenlosen an. Eine Zeit während der man größere Unternehmungen unterlässt und sich vor allem des Nachts besser im Hause aufhält. So hielt man es auch hier in Albernia. Mitten in der ersten Nacht wurden wir von Samiana geweckt, die durch merkwürdige Geräusche im Haus erwacht war. Wie sie sagte, hörte sie jemanden rufen und stöhnen, welches sich mit gedämpften schmerzerfüllten Schreien abwechselte. Wir stellten fest, das all die Geräusche aus Raidris Kammer kamen.
Wurde er überfallen?
Ich stürmte die Treppe hinauf, dicht gefolgt von den anderen. Ohne zu zögern betraten wir Raidris Kammer. Dort bot sich uns ein merkwürdiges, ja mehr noch ein erschreckendes Bild. Raidri lag in seinem Bett, die Augen geschlossen. Es sah zuerst aus, als würde er nur lebhaft träumen und gegen eine Traumgestalt kämpfen. Doch als wir näher traten, sahen wir dass er aus mehreren frisch geschlagenen Wunden heftig blutete. Wir mussten sogar mit ansehen wie ihm eine weitere schwere Wunde zugefügt wurde und dies obwohl wir sonst niemanden in der Kammer erblicken konnten. Hier tobte ein echter blutiger Kampf gegen einen nur ihm sichtbaren Gegner!
Da rief er auf einmal: „..... Diesmal entkommst Du nicht!..... „
Wir fingen an seine schlimmsten Wunden zu versorgen, während Ada ihm die Hand auflegte beruhigte er sich zunehmend. Allerdings sprach er noch weitere merkwürdige Dinge, unter anderem rief er: „..... Zadrik dieses mal nicht ....!“
Dann fiel er in einen ruhigen, heilenden Schlaf. Adas Kräfte waren schon erstaunlich!
Am nächsten Tag erzählte er uns dann eine bedrückende Geschichte. Er hatte von Zadrik von Wolterbach geträumt und mit ihm gekämpft. Dieser sei, wie er uns erläuterte eines der sogenannten dreizehn Augen des Namenlosen. Diese sind die höchsten Priester und Diener des Ruchlosen Kultes des Namenlosen. Weiter erzählte uns Raidri, hatte dieser Zadrik einst, als er selbst noch ein Kind war, seine Mutter schwer verletzt und seinen jüngeren Bruder sogar getötet. Eigentlich hatte er wohl ihn, Raidri selbst töten wollen. Aber sein Vater ein mächtiger Geweihter der Herrin Rondra konnte dies gerade noch verhindern.
Bei dieser Geschichte die uns sehr berührte, merkte man, dass diese Erlebnisse obwohl schon lange vergangen, ihn nach wie vor sehr aufwühlten.
Aus dem, was dieser finstere und mächtige Zadrik damals noch sagte, konnte man entnehmen, dass er Raidri wohl als besondere Bedrohung für den Kult des Namenlosen betrachtet wurde. Deshalb sollte er wohl schon als junger Knabe beseitigt werden. Seither habe er nie geruht, sei immer auf der Verfolgung und Erkundung der Namenlosen gewesen. Wir waren sehr beeindruckt von dem was er uns offenbart hatte. Schließlich waren auch wir nun schon des öfteren gegen Diener des ruchlosen Kultes angetreten.
Nachdem wir uns untereinander beraten hatten, beschlossen wir ihn am späteren Abend unsere schon verrückten und kaum zu glaubenden Erlebnisse von Grangor lückenlos zu erzählen.
Raidri hörte sich alles sehr aufmerksam an und er glaubte uns, Wort für Wort, so schwer es einem auch fallen mag der dies nicht selbst miterlebt hat. Im Gegenteil er teilte uns mit, er sei zu der festen Überzeugung gekommen, dass unser Zusammentreffen mehr als eine glückliche Fügung des Schicksals sei. Und ausgerechnet jetzt trat auch dieser Zadrik mit auf den Plan. Er schätzte sich glücklich uns im Kampf gegen den Namenlosen an seiner Seite zu wissen und auch wir waren dankbar einen so mächtigen Verbündeten zu haben. Es galt nun sehr aufmerksam zu sein, denn es gab wohl viel Kräfte, die den geordneten Ablauf des rondragefälligen Rennens stören wollten.
Am nächsten Tag kontrollierten wir mit Raidri den gesamten Startplatz. Während ich mit Raidri die Brücke im Norden nach Nostria inspizierten, war Samiana auf dem Weg zu einem westlich liegenden Wäldchen.
Auf einmal verdunkelte sich am helllichten Tag der Himmel...
Die sonst allgegenwärtigen Geräusche verstummten...
Als ich mich umwandte stürmte Raidri schon in Richtung des Wäldchens vor dem Samiana wie erstarrt stand. Eine Wolke der Finsternis ging über dem Wäldchen auf...
Mein großes Bastardschwert ziehend folgte ich Raidri auf dem Fuße. Doch dieser war schon wieder umgekehrt und hielt stattdessen auf die Brücke zu.
Jenseits dieser war ein einzelner Reiter zu erkennen. Er bedeutete mir meiner Gefährtin beizustehen, während er die Brücke verteidigte. Kurz nachdem ich Samiana erreichte, trafen auch unsere anderen Gefährten ein. Alles andere Volk stand wie erstarrt. Scheinbar bewegungsunfähig.
Da traf eine wahrhaft finstere Gestalt hinter den Bäumen hervor. Es war ein Elf in schwerer Plattenrüstung, langen Haaren, bewaffnet mit einem schweren Streitkolben. Das absonderlichste an ihm war: Er besaß nur ein Auge, ganz so wie Raidri es uns von Zadrik erzählt hatte. Anstelle des anderen Auges war jedoch nicht eine leere Augenhöhle zu sehen, sondern ein scheinbar in tiefster Finsternis endender Mahlstrom, der einen beinahe in seinen Bann zog. Der Anblick dieser unheimlichen Gestalt ließ mir fast das Blut in den Adern gefrieren.
Er sah uns durchdringend an, und stellte sich dann als Feyangola Finsterblick vor, auch genannt der Elfenhammer. Dann sprach er nur noch direkt Samiana an. Er sprach von einem Bündnis welches sie wohl plane und welches nie stattfinden würde. Er verlangte, dass sie mit ihm gehen solle.
Ich denke es wäre ihr sicherer Tod gewesen. Folgerichtig verweigerte sie ihm die Gefolgschaft. Wir sprangen ihr sofort bei. Niemals würden wir es zulassen, dass einem unserer Freunde ein Leid zu gefügt wird. Wir zeigten uns bereit, dies notfalls mit der Waffe in der Hand zu klären. Nachdem er dann seinen Streitkolben zog, gingen wir zum Angriff über.
Fast zeitgleich stürmten Balum und ich los. Ich schlug als erster als vollem Lauf zu. Doch mit einem waghalsigen Manöver hielt er dagegen, so traf mein mächtiger Hieb ihn nicht voll. Ja sogar ich selbst wurde durch die ohnmächtige Wucht getroffen. Dafür traf ihn Balums Axt unpariert und schlug ihm eine klaffende Wunde. Dadurch offensichtlich beeindruckt sprach er einen Zauber und ging mit schier unglaublicher Geschwindigkeit zum Gegenangriff über. Während es mir gelang geradezu meisterlich zu parieren, hatte Balum weniger Glück. Seinem mächtigem Hieb hatte unserer tapferer Zwerg nichts entgegen zu setzen. Mit einem fürchterlichem Krachen zertrümmerte der Streitkolben meinem Gefährten das Bein, sodass dieser augenblicklich zusammen brach.
Nun wussten wir, wie jener Finsterling zu seinem Namen „der Elfenhammer“ gekommen war.
Doch ich kam nicht dazu mir weitere Gedanken über solcherlei Dinge zu machen. Ehe ich mich versah traf auch mich ein solch machtvoller Schlag. Ich brach zusammen. Mir schwanden die Sinne......
Die daraufhin folgenden tragischen Ereignisse berichtete mir später Balum, dem nichts weiter geblieben war als vom Kampfgeschehen wegzukriechen. Tatenlos musste er zuschauen was nun passierte. Als ich gefallen war stieg er einfach über mich hinweg und schritt zu Yasine. Diese fällte er mit einem einzigen Hieb und ließ die ebenso zusammengebrochene Tulamidin mit genauso zertrümmerten Gliedmaßen liegen, bevor er sich schlussendlich Samiana zuwandte.
Doch hier hielt er kurz inne und richtete zunächst ein paar Worte sie. Er wiederholte die rätselhaften Worte mit dem Bündnis, sagte dann noch, „Dieses Blutbad hätte man sich sparen können!“
Sprach es und holte dann mit seinem Streitkolben zu einem weiteren vernichtenden Schlag aus unter dem dann auch Samiana leblos zusammenbrach.
Nun stand von unserer wackeren Heldengruppe nur noch unser, von Balum bisweilen liebevoll genanntes Mütterchen, Ada vom Weißquell. Diese, keine große Kämpferin, hatte sich von beginn an im Hintergrund gehalten. Als sie sah wie es ihren Gefährten erging, konzentrierte sie sich und beschwor mit dunklen, unheilverkündenden Worten einen letzten, großen und machtvollen Zauber. Balum meinte später noch etwas vernommen zu haben das klang wie: „Nun wirst du die Druidenrache zu spüren bekommen!“ Schließlich rief sie: „....Ich beschwöre den Zorn der Elemente .... !“, dabei streckte sie die Arme aus und deutete auf den Vernichter ihrer Freunde und Gefährten.
Was dann geschah war einfach unglaublich und genauso furchteinflößend wie unheimlich, berichtete Balum und es geschah rasend schnell.
Unter dem finsteren Elf Feyangola brach der Boden auf.
Unzählige Wurzeln brachen hervor, die dickste wie ein kräftiger Oberarm.
Sie wuchsen empor, durchbrachen den schweren Plattenpanzer des Elfen als wäre er aus Wachs.
Sie stießen von unten durch kleinste Lücken.
Binnen weniger Sekunden war der Elfenhammer unter seinem Panzer von den Wurzeln eingehüllt und vollständig bedeckt.
Dann zogen die Wurzel sich mit großer Kraft zusammen.
Man hörte es krachen und knirschen. Die Knochen barsten unter der ungebändigten Kraft.
Mit einem qualvollen Schrei verendete schließlich dieser ruchlose Priester des Namenlosen!
Ganz wie damals bei Sephirim verschwand er dann ohne eine weitere Spur seiner Anwesenheit zu hinterlassen. Lediglich die in ihrem Blute liegenden gefallenen Yasine, Samiana, Beowulf und er selbst zeugten noch davon, dass dieser Feyangola überhaupt da gewesen war. Dann schritt unsere liebe Ada, schon etwas abwesend wirkend, wie Balum meinte, von einem zum anderen. Sie legte einem jeden die Hände auf, heilte Wunden und fügte Brüche zusammen.
Als dieses Werk vollbracht, schien sie merkwürdig stark gealtert zu sein. Sie erhob sich, stellte sich mitten unter uns und streckte die Arme dem Himmel entgegen.
Dann trat eine beinahe gespenstische Veränderung mit unserer lieben, treuen Gefährtin ein. Ihre Haut schien zuerst weiter rasend schnell zu altern. Schließlich bekam sie tiefe Risse uns Furchen. Die ganze Gestalt begann sich zu verändern. Ja man kann es kaum in Worte fassen, sie verknöcherten, wurden starr und hölzern. Sie nahm immer mehr das Aussehen und die Form eines Baumes an, der in großer Geschwindigkeit austrieb und wuchs. Die Verwandlung war so vollkommen und endgültig, bis schließlich eine stattliche Birke dort stand, wo kurz zuvor unsere liebe Gefährtin aus Fleisch und Blut gestanden hatte.
Wir sahen uns entsetzt an und trauten unseren Augen nicht. War jetzt wirklich unsere treue Gefährtin und Freundin, Ada, von uns gegangen?
Mir verkrampfte sich mein Herz, wollte fast seinen Dienst versagen, es fühlte sich an, als habe es zu wenig Platz in meiner Brust. Mühsam rappelten wir uns auf und schleppten uns hinüber zu dem Baum der einmal unsere liebe Gefährtin Ada gewesen war. Am Fuße der Birke fiel ich auf die Knie, fassungslos, ich konnte und wollte es einfach nicht glauben, das dies ihr Ende sein sollte.
Ich war unfähig etwas zu denken oder zu tun. Schließlich zog ich mein Schwert mit dem Smaragd und rammte es am Fuße der Birke in den Boden. Dort sollte es verbleiben zum ewigen Gedenken und als Mahnmal.
Wie im Traum bemerkte ich, wie Yasine neben mir an den Baum herantrat. Sie zog ihr Messer, schnitt in die Rinde des Baumes, zuerst war ich entsetzt, dachte ich doch es wäre ein Frevel unsere Ada zu verletzen. Doch dann fügte sich Yasine an der Hand einen Schnitt zu sodass ihr Blut floss. Sie legte die Hand auf die Wunde in der Rinde, aus der etwas Harz quoll welches sich mit ihrem Blut vermischte und sprach ein paar liebevolle Worte des Abschieds. Damit sprach sie mir ganz aus der Seele, ich war so ergriffen, ich konnte nichts anderes tun, als ihrem Beispiel zu folgen. Ich trat zu ihr, ritzte ebenfalls meine Hand und legte sie darüber auf den Stamm, nun vermischte sich auch mein Blut mit dem Harz und Yasines.
Dabei schwor ich niemals zu ruhen, in Gedenken Adas die Schänder Sumus, welche ja die Diener des Namenlosen zweifelsohne waren, immer zu jagen und zu bekämpfen!
Ich blickte meine immer noch wie erstarrt wirkenden Freunde aufmunternd an es uns gleich zu tun. So schlossen und schworen wir eine Blutsbruderschaft. Niemals wollten wir vergessen, was Ada für uns getan hatte und für was sie sich letztlich geopfert hatte. Danach gingen wir auseinander und zogen uns zurück. Ein jeder musste wohl selbst schauen wie er mit diesen schrecklichen Ereignissen zurecht kam.
Bevor ich mich jedoch in eine gewisse Einsamkeit zurückzog, riss ich mir ein paar Blätter und Zweige von der Birke. Ich nahm meine Geldkatze vom Gürtel kippte den Inhalt aus und stopfte ihn mir achtlos in die Hosentasche. Sorgfältig legte ich das wenige was mir von unserer Ada geblieben war in den Beutel und hängte ihn mir um den Hals. So würde immer ein Stück von ihr bei mir sein. Es würde mich immer an sie und an meine neuen Pflichten erinnern und mich gegebenenfalls vor Ungemach schützen können.
Erst am nächsten Morgen waren wir wenigsten halbwegs wieder in der Lage unseren eigentlichen Pflichten und Aufgaben nachzugehen. Nachdem wir unseren täglichen Kontrollgang beendet hatten, schlenderten wir noch etwas über den Platz, dabei unterhielten wir uns noch etwas mit einigen der Teilnehmern. Es gab doch einige illustre und interessante Persönlichkeiten darunter.
Davon ist mir ein „Gespräch“ noch besonders im Gedächtnis geblieben und zwar war es jenes mit einem Ritter aus Havena. Sein Name war Malbert Giselhold. Nach dem üblichen anfänglichen Geplänkel bemerkte er auf einmal, ob bei uns nicht jemand fehle. Da war doch als noch ein älteres Mütterchen bei uns gewesen, meinte er schon fast abfällig. Wir antworteten ihm, der Schmerz ob Adas Verlust saß nach wie vor tief, dass sie nicht mehr unter uns Weile. Sie sei in einem heldenhaften Kampf gefallen.
Er lachte jedoch nur!
Wir beteuerten, dass sie sich im Kampf gegen wahrhaft finstere Kräfte für uns alle geopfert hatte, genaueres wollten wir nicht erzählen,. Da antwortete er herablassend: „Ach das ist doch nicht so schlimm, sie hatte ja eh nicht mehr so frisch ausgesehen! Um sie ist es nun wirklich nicht schade.“
Wir sahen uns alle entsetzt an, wir konnten es nicht glauben, was wir uns da gerade hatten anhören müssen. Scheinbar war ich als erster in der Lage irgendwie zu reagieren, und wie ich dies tat!
Ich verpasste dem Frevler eine schallende Backpfeife!
Ich erschrak im Nachhinein selbst über meine Courage, aber das war ich unserer Ada schuldig.
Und trotzdem, ich Beowulf von Drachenfels, wagte es einen Ritter von Stande zu Ohrfeigen!
Es kam was kommen musste ......
Ein Duell!
Und schon standen wir uns mit blank gezogenen Schwertern gegenüber, schnell lief einiges Volk zusammen, denn so was sah man nicht alle Tage. In seiner Überheblichkeit gewährte Ritter Malbert mir großzügig die erste Offensive. Das ließ ich mir nicht zweimal sagen.
Ich holte weit aus und schlug zu.
Die Götter waren mit den Gerechten, mein gewaltiger Hieb durchschlug glatt seine Parade und mit einer fürchterlichen Wunde stürzte er wie ein gefällter Baum zu Boden.
Sofort herrsche Stille, gespanntes Schweigen. Ich trat hinzu und reichte ihm meine Hand ich konnte mir den Spott in meiner Stimme nicht ganz verkneifen, als ich zu ihm sagte: “Guter Kampf!“
Sichtlich geschockt und aus der Fassung gebracht ließ er sich von mir auf die Beine helfen. Nun war leise ein respektvolles Raunen zu vernehmen. Wenn sich bis dato jemand gewundert hatte, warum ausgerechnet wir zu den Freunden des berühmten Raidri gehörten, so waren von jetzt an wohl alle Fragen beantwortet.
Nachdem Samiana ihn wieder soweit zusammengeflickt hatte, gingen wir noch eine gutes Bier trinken. Schließlich macht ein solch anstrengender Kampf durstig und ließen darüber den Tag ausklingen.
Mitten in der Nacht wurden wir durch einen lauten Tumult aus dem Schlaf gerissen. Wir eilten raus um die Ursache des Lärms zu ergründen. Bei den Stallungen herrschte heillose Aufregung. Wie wir herausfanden, waren fast alle Tiere, die am Rennen teilnehmen sollten, erkrankt. Am schlimmsten hatte es das Gespann der drei Amazonen getroffen. Zwei ihrer Tiere verendeten noch im Verlauf der Nacht, trotz aller Behandlungen und Bemühungen.
Wie sich bald herausstellte, litten die Tiere an akuten Vergiftungserscheinungen. Irgendwer hatte den Tieren eine giftige Pflanze die hier in der Gegend wächst unter das Futter gemischt. Lediglich die robusten Wollnashörner des Rasta Ogerschreck schienen nicht erkrankt zu sein. Um solche Urviecher außer Gefecht zu setzten bedurfte es wohl anderer Mittel.
Wie auch immer, die Durchführung des Rennens stand auf des Messers Schneide. Es drängte sich der dringende Verdacht auf, das irgendwelche umtriebigen Kräfte versuchten das Rennen zu sabotieren, wenn nicht gar ganz zu verhindern. Meine Gefährten und ich setzten all unsere Kräfte, Wissen und Heilkünste ein um zunächst die Tiere Giselwulfs zu retten. Bis zum Morgengrauen erholten sich, den Göttern sein Dank, alle Zugtiere soweit, sodass es keine weiteren Verluste zu Beklagen gab.
Auf unser aller anraten hin, aber auch weil er selbst es als ein göttergefälliges Werk betrachtete, überließ Giselwulf seine zwei Ersatzpferde den so arg gebeutelten Amazonen. So wurde es ihnen doch noch ermöglicht, am Rennen teilzunehmen.
Nach all jenen Ereignissen wollte Raidri nun das Rennen schnellstmöglichst starten, um so weiteren Sabotageakten und Manipulationsversuchen zuvor zukommen. Das hieß der mit Spannung erwartete Start würde planmäßig am morgigen Tag dem 1 Praios 13 n. Hal erfolgen.
An diesem Tag verbrachten wir noch einige Zeit mit „unserer Mannschaft“, gaben noch allerlei Ratschläge und jeder gab Giselwulf, Farline und Korgrimm noch etwas hilfreiches mit auf den Weg.
Yasine gab ihm ihren geweihten Säbel, Samiana kräftigende Tränke, Balum gab Korgrimm noch Bolzen für seine Armbrust.
Ich gab meinem Bruder und meiner Schwester ein Kraftelexier, einen Heiltrank, meinen Kraftgürtel und schließlich meinen Elfenbogen mit zwei gut gefüllten Köchern.

1. Praios 13 n. Hal


Schon im frühen Morgengrauen hatten alle Teilnehmer ihre Startposition in einem weiten Halbrund eingenommen. Viel Volk hatte sich versammelt um dieses Spektakel zu verfolgen. Wer wusste schon, ob er so etwas noch mal erleben durfte.
Während man auf das eigentlich Startritual wartete, war die Spannung fast greifbar.
Schließlich war in der Ferne ein sich näherndes dumpfes Donnergrollen zu vernehmen und Blitze zuckten über den Himmel. Kurz darauf sah man Raidri Conchobair mit dem Donnersturmwagen heranpreschen. Nun nahm das Schicksal seinen Lauf.
Nachdem Raidri mit einigen Gehilfen alle Gespanne inspiziert hatte, hielt er eine kleine Ansprache und wies die Teilnehmer noch mal auf alle Regularien hin. Er nannte den Teilnehmern ihr erstes Etappenziel und startete das Rennen.
Es war ein wahrhaftig erhebender Anblick, stampfende Hufe, sich aufblähende Nüstern und das antreibende Schreien der Wagenlenker in allen Sprachen!
Als sich die Staubwolke zu senken begann, sah man am Ende des Feldes den metallenen Wagen der Zwerge auf die Brücke zurumpeln. Während die ersten schon über die Holzplanken nach Nostria preschten war vom Wagen der Zwerge ein lautes „Plopp“ zu vernehmen...
Die hatten wahrlich Nerven, tatsächlich hatten sie, kaum losgefahren, ihr erstes Bierfass angestochen. Man gewann sogar den Eindruck, dass der Wagenlenker eigens das sowieso schon geringe Tempo drosselte, um ein sauberes anzapfen zu ermöglichen. Ja die Zwerge sind einfach unverbesserlich!
Als schließlich auch dieses letzte Gespann die Engstelle an der Brücke glücklich passiert hatte, war auch für uns die Zeit des Aufbruchs gekommen. Wir verabschiedeten uns von Raidri , der nun erst mal dem Feld folgen und später vorausfahren würde. Ihn würden wir, so die Götter es wollten voraussichtlich irgendwo zwischen Donnerbach und Espen wiedertreffen.
Wir nahmen natürlich auch mit schwerem Herzen und tiefer Wehmut Abschied von jener Birke, welche für uns nun eine besondere, heilige Weihestätte darstellte. Während wir davon ritten blickte ich noch mehrmals zurück. Mir war es als würde die sich im Wind wiegende Birke uns zum Abschied winken und auch mein davor im Erdboden steckendes Schwert blitzte noch einmal auf.
Adas wenige Habseligkeiten hatten wir auf ihren Wagen verladen, ihr treues Pony Lutz davor gespannt und nahmen so zumindest einen Teil von ihr mit uns. Wir gedachten dies noch lange in Ehren zu halten. Obwohl Balum sich zunächst weigerte, konnten wir ihn dann doch dazu überreden mit dem Wagen zu reisen. Schließlich hatten wir noch ein langes Stück Weg vor uns, welches wir schnellst möglich zurück zu legen hatten. Yasine saß wie gehabt bei mir mit auf Farlas starkem Rücken, während Samiana auf ihrem Kurkumer Amazonenross ritt.
Unser erstes Ziel war Angbar, dort sollten wir im Ingerimmtempel den Geweihten Baltarsar aufsuchen.



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