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| Traviabund und Stadtvernichtung |
Traviabund und Stadtvernichtung
14. Efferd 12 n. Hal
Während noch die letzten Vorbereitungen für den Traviabund meines Bruders, Wolfhardt von Drachenfels, liefen, trafen nach und nach die ersten Gäste ein. Darunter befanden sich zu unserer Freude auch meine Gefährten, die wir Yasine und ich, zum Teil schon recht lange nicht mehr gesehen hatten. Lediglich Samiana hatte ich erst unlängst getroffen und natürlich Yasine, die mir in den vergangenen zwei Götterläufen stets eine treue und zuverlässige Begleiterin gewesen war. Natürlich gab es viel zu erzählen und so vergingen die zwei Praiosläufe bis zum Beginn der Feierlichkeiten wie im Fluge.
17. Efferd 12 n. Hal
Heuer, gerade rechtzeitig zu Beginn der Feierlichkeiten traf auch, als letzter und berühmtester Gast, so dachte ich, noch unser Lehnsherr, der ruhmreiche Baron Keron Sterz von Beonspfort ein. Jetzt konnte also der Traviabund zwischen meinem Bruder und seiner jungen und schönen Verlobten Alwen von Eschenheim geschlossen werden. Schon vor langer Zeit, kurz nach ihrer Verlobung im Hesinde 10 n. Hal, hatten sich mein Vater und die von Eschenheims zusammengefunden, um im Beisein der Rondrageweihten von Beonspfort und des Barons alle Einzelheiten der Hochzeit zu regeln. Angefangen bei der ganzen Aussteuer und allem Zins, bis hin zum Federbett und den Holzlöffeln wurde alles aufgeschrieben und eigens von einem der Hochzeitsschreiber zu Trallop amtlich besiegelt. Zuerst war beschlossen worden die Vermählung, wie es in unserem Hause schon seit vielen Generationen Sitte ist, ganz unter den Segen der Herrin Rondra zu stellen.
Nun also konnte der lange ersehnte Traviabund geschlossen werden, auf dass er ewiglich bestehen möge. Denn bei uns in Weiden ist dies eine der heiligsten Handlungen im Leben eines jeden Derenkindes. Die sogenannte frevlerisch, reichsrechtliche Scheidung, wie sie unlängst in Vinsalt oder Punin aufgekommen ist, gibt es in unseren Landen, traviaseidank, nicht!
Nachdem also die Brautleute von ihren besten Freunden vor den Priester geführt worden waren, der Geweihten der Herrin Rondra die Ehre zu erweisen, wurde ihr Anliegen laut und öffentlich vorgetragen. Die Geweihte erfragte dann, ganz wie es Sitte ist, wer denn nun die beiden Brautleute freigeben wird und die Brautführer antworten ihr. Dann mussten sich die Brautleute der Prüfung unterwerfen, die das Rondarium für Liebende in diesem Falle bereithält.
Zuerst wurde ihnen von einem Bock zu essen gegeben, denn wie alles andere ist auch diese Vermählung ein Kampf und zwar ein Kampf mit dem Selbst und gegen den Widerstand des anderen.
So steht es im Rondarium, Cap. Ariv.11,12 geschrieben:
“So sollen die Liebenden im leuingefälligen Kampfe das Blute des anderen vergießen, um den Wert dieser Bande schätzen zu lernen. Und wenn solches geschehen ist, sollen sie fortan mit ihrem Heile und Wohle dafür einstehen, dass dem anderen kein Leid geschehe.“
Nachdem die Geweihte der Herrin Rondra diese Worte gesprochen hatte, trat nun mein Bruder ungerüstet und nur mit dem Langschwerte bewaffnet seinem ebenso ausgestatteten künftigem Weibe gegenüber. In einer festen Abfolge griffen sie sich dann gegenseitig an und wehrten die jeweiligen Schläge des anderen ab. Es mutete wie ein zu zweit aufgeführter Schwerttanz an, derweil die Geweihte ohne Unterlass aus dem Rondarium zitierte. Abschließend führten beide den letzten rituellen Schlag, auch die Besiegelung genannt. Beide ließen sie ihre Deckung fallen, blanker Stahl blitzte auf und mit Schwertes Schärfe schlugen sie sich je eine blutende Wunde. Unter den lauten Worten der Geweihten: “Der Göttin gefällts!“ soll dies die erste und die letzte blutende Wunde sein, die sie einander schlagen. Dann ließen sie ihre Klingen fallen, schlossen sich in die Arme, sodass sich ihr Blut vereinen konnte, und so ward der Bund vor den Augen der Sturmherrin besiegelt.
Nach diesem feierlichem Gelöbnis begab sich die ganze Gesellschaft ins Haus zum ausgiebigen Schmause. Die Tische bogen sich unter den reichlich aufgetragenen Speisen, es mangelte wirklich an nichts, derweil verschwand das Brautpaar im stillen Kämmerlein.
Doch nur für zwei Stunden blieben sie, so ist es Brauch, ungestört für sich. Dann stürmten wir, als gebe es eine Burg zu erobern, das Brautgemach und überschütteten die erst jetzt wirklich Verheirateten lauthals mit unseren Glückwünschen. Die beiden wurden dann in ein dampfendes Bad geführt und anschließend kamen sie zu uns an die Tafel, um mit uns gesellig zu feiern.
Während der Feierlichkeiten fiel mir ein junger Mann auf, der nicht zuletzt aufgrund seiner modischen und seltsam bunten Kleidung nicht so recht hierher passen wollte. Ich beobachtete, wie er sich irgendwann an Yasine heranmachte und eifrig gestikulierend auf sie einredete. Interessiert ging ich näher und da winkte mir Yasine auch schon näher zu kommen. Da es sich wohl um eine Sache größerer Wichtigkeit handelte, bedeutete sie mir auch die anderen Gefährten zu holen. Als dann alle versammelt waren, stellte sie jenen als Brin vor. Er sagte, er stehe im Dienste der Familie Sandfort zu Grangor, einer Händlerfamilie, die vor allem im Salzhandel tätig sei. Seine Auftraggeberin nun, eine gewisse Adaque Sandfort, habe erst vor kurzem, nach dem Tod ihres Vaters die Geschäfte übernommen. Seit geraumer Zeit nun seien ihr mehrere gefährliche Unfälle passiert. Man könnte auch sagen, es waren mehrere Anschläge auf sie verübt worden. Sie sei jetzt auf der Suche nach zuverlässigen Leuten, die zum einen in der Stadt nicht bekannt seien und so unauffällig Nachforschungen anstellen könnten. Zum anderen sollten diese die junge Handelsherrin vor weiteren Gefahren schützen.
Die noch sehr junge Adaque sei durch eine Empfehlung des Herrn Stoerrebrandt, bei dessen Erwähnung errötete Yasine sichtlich, auf uns verwiesen worden. Nach kurzer Beratung stimmten wir zu und versprachen alsbald nach Ende der Feierlichkeiten aufzubrechen.
Zu später Stunde saßen wir Gefährten zusammen und sprachen über die bevorstehende Reise. Als sich auf einmal Baron Dexter Nemrod zu uns gesellte. Ich war nicht schlecht erstaunt ihn hier zu sehen, zumal er mir vorher nicht aufgefallen war. Auch er hatte ein Anliegen und einen Auftrag für uns. Wie er uns mitteilte hatte ihn erst vor kurzem Mutter Herdgard aufgesucht und ihm wahrlich beunruhigende Dinge berichtet.
Wie sie ihm erzählt hatte war die Novizin Bea Terpenfels, wir erinnerten uns nur zu gut an sie, war sie doch jene die damals im Hause Travias einen Streit mit Yasine vom Zaun gebrochen hatte, verschwunden. Und mit ihr auch die seltsame Harfe dieses Sephirim, dem Diener des Namenlosen. Es bestand nun der dringende Verdacht, dass sie sich von Riva aus nach Grangor eingeschifft hatte. Dort, so Baron Dexter Nemrod, vermutete er, solle sich ein größerer Zirkel des Namenlosen befinden und seine schändlichen Umtrieben nachgehen. Aus verschiedenen Gründen könne er nicht seine KGIA-Agenten dort hinschicken. Er fragte uns nun ob wir nach Grangor reisen könnten, den Zirkel auszukundschaften und bestenfalls sogar zu zerschlagen. Zuletzt sagte er noch, sollten wir den Auftrag annehmen, so wie er hoffe, dann wären wir dort in der Stadt ganz auf uns alleine gestellt und könnten leider auf keinerlei Unterstützung von seiner Seite mehr rechnen.
Da wir sowieso nach Grangor wollten und zumindest ich für meinen Teil stets bereit bin, den Kampf gegen Feinde des zwölfgöttlichen Glaubens aufzunehmen, sagten wir selbstverständlich zu.
20. Efferd 12 n. Hal
Nachdem auch diese schönen Feierlichkeiten zu Ende gegangen waren, brachen wir umgehend gen Süden auf. Unser Ziel war Grangor. Für unsere Zwerge war sogar eine Kutsche gestellt worden, sodass wir recht zügig vorankamen.
21. Travia 12 n. Hal
Nach einer Reise ohne besondere Vorkommnisse erreichten wir heuer Grangor, wo uns einige Überraschungen erwarteten. Die erste war, dass Grangor eine Insel ist, genauer gesagt auf mehreren Inseln erbaut ist und ausschließlich nur mit dem Boot zu erreichen ist. Die nächste Überraschung war, dass sich nicht nur die Zwerge wie immer zunächst weigerten die Boote zu betreten. Nein auch Ada war nur mit viel Aufhebens auf eines der Boote zu bewegen. Während der Überfahrt hielt sie ständig den Eimer mit Erde, welchen wir ihr besorgt hatten, oder Sumus Leib wie sie es nannte, fest.
Der dickste Hund allerdings war dann, dass man bei Betreten der Stadt seine Waffen im Zollhaus abgeben musste! Dies wurde nun sogar mir zuviel!
Während Bürger der Stadt Waffen tragen konnten wie sie wollten, durfte ich mich nur mit einem lächerlichen Dolch bewaffnen. Unsere arme Yasine leistete schwerste Überzeugungsarbeit und irgendwie gelang es ihr die Zwerge, Samiana und auch mich doch noch dazu zu bewegen, doch noch unsere Waffen abzugeben. Wirklich nur ihr zu liebe trennte ich mich widerstrebend von meinem guten Schwerte...
Endlich in der Stadt angelangt begannen wir zuerst diese etwas zu erkunden. Wie wir feststellten, verteilten sich die fünf Stadtteile auf fünf Inseln, die zum Teil durch breite Kanäle von einander getrennt waren. Auch sonst waren die Inseln mit vielen Kanälen durchzogen, die somit so manche Straße ersetzten. Dabei drangen wir immer weiter in die ärmlicheren und weiter südlich gelegenen Stadteile vor. In Suderstadt entdeckten wir schließlich einen Tätowierer und vor allem Ada und ich ließen uns von ihm beraten.
Während Ada gerne Art Rankepflanze vom Hals bis auf die Schulter und Oberkörper gestochen gehabt hätte, spielte ich mit dem Gedanken mir eine wahrhaft rondragefällige Leuin auf den Oberarm machen zu lassen. Zugegeben seine Preise waren nicht von schlechten Eltern, aber er schien so weit ich das beurteilen konnte, gute handwerkliche Arbeit zu leisten. Ada machte kurzentschlossen einen Termin für den nächsten Morgen aus. Durch ihr Beispiel und durch einige ermunternde Worte von ihr angestachelt, machte ich ebenfalls, gleich anschließend einen Termin aus.
Danach setzten wir unseren Weg fort und erreichten schließlich über einen langen Damm den Stadtteil Neuhaven. Hier waren viele Soldaten zu sehen, da sich hier der Kriegshafen des Lieblichen Feldes befand. In mitten all des hier herrschenden Gewimmels stand, wie eine Oase in der Wüste, der Rhajatempel. Wir wendeten unserer Schritte und gingen zurück gen Norden in das eher gut bürgerliche Alt-Grangor. Auf dem Weg dorthin fiel mir am Wegrand ein Bettler auf, dessen Gesicht mir irgendwie bekannt vorkam. Da auch er mich zu erkennen schien sprach ich ihn an, und siehe da es war Hasrolf, Sohn des Wallfried Aarmann, einem Freibauer aus Beonspfort!
Nach dem tödlichen Unfall seines Vaters bei der Ernte im Jahre 5 n. Hal waren er und seine aus dem Süden stammende Mutter, Lutrea Cerandor bei Nacht und Nebel aufgebrochen. Ihr Ziel war ihre eigene Heimat, da sie sich in unserem schönen Weiden nie richtig eingelebt und heimische gefühlt hatte. Auf ihrer Reise waren sie überfallen worden und ihrer gesamten Habe beraubt worden. Kurz darauf war seine Mutter den dabei erlittenen Verletzungen erlegen.
Seither hatte er sich, so erzählte er weiter, sich mehr schlecht als recht durchs Leben geschlagen und war schließlich hier in Grangor gelandet. Obwohl er recht heruntergekommen aussah, hatte ich den Eindruck, dass er ein vertrauenswürdiger Mensch sei, in dessen Brust nach wie vor das aufrichtige Herz eines echten Weidener schlägt. Ich entschloss mich ihm nach besten Kräften zu helfen. Ich gab ihm sogleich etwas Geld, damit er sich neue Kleidung und eine bessere Unterkunft besorgen konnte. Da wir in dieser Stadt noch fremd waren, bot ich ihm dazu noch eine Arbeit an.
Er sollte als unser Reisebegleiter fungieren und so einen ersten eigenen Unterhalt bestreiten. Freudig willigte er ein und führte uns durch die Stadt, dabei klärte er uns über die wichtigsten Persönlichkeiten der Stadt auf. Zu guter Letzt zeigte er uns ein gutes gastliches Haus, in dem wir dann unsere Zelte aufschlugen. Wir bestellten uns ein kräftiges Mahl und luden ihn ein mit uns zu essen. Dabei erzählte er uns noch viel über die Stadt und ihre Einwohner. Er versprach auch noch mal mit dem Tätowierer zu reden, in der Hoffnung den Preis noch etwas zu drücken.
Nach dem Essen gingen wir noch mal ein bißchen durch die Stadt. Während Yasine und Samiana verschiedene Märkte aufsuchten, gingen Ada und ich noch mal in südliche Richtung los. Die Zwerge blieben im Gasthaus zurück, ..... um die Stellung zu halten, wie sie es nannten.....!
Gegen Abend als wir wieder im Gasthaus anlangten trafen wir die Zwerge fleißig mit Brin, dem Gesandten der Salzhändlerin Adaque, bechernd an. Schon etwas angeheitert teilte er uns nun mit, dass Adaque uns noch heute zu treffen wünsche. Er nannte uns den Namen eines der Neuhavener Bordelle, bei dem sie uns zur neunten Stunde erwarten würde. Wenn wir bald aufbrechen würden, konnten wir es gerade noch rechtzeitig zum Treffpunkt schaffen. Doch wo waren nur Yasine und Samiana?
Phex sei Dank trafen diese beiden just in diesem Moment ebenfalls im Schankraum ein. Gemeinsam machten wir uns auf den Weg.
Obwohl wir uns rechtzeitig am Treffpunkt einfanden, trafen wir Adaque dort nicht an. Geraume Zeit später hörten wir die Schritte rennender Menschen und schon bog eine Frau, hart verfolgt von sechs kräftigen Seemännern in unsere Straße ein. Sofort vermuteten wir, dass dies die erwartet Adaque sein musste. Wir ließen sie durch unsere Reihen durchschlüpfen, die Verfolger dagegen ordentlich auflaufen. Nach ein paar kräftigen Faustschlägen und gezielten Tritten gelang es uns sie in die Flucht zu schlagen. Adague dankte uns für die Hilfe und teilte uns mit, dass man sie ganz offensichtlich an der Bootsanlegestelle erwartet und aufgelauert hatte. Weiter teilte sie uns mit, dass sie am nächsten Tag einen großen Empfang veranstalten würde zu dem zahlreiche ihrer Handelpartner und andere hochgestellte Persönlichkeiten geladen waren.
Sie wünschte nun, dass auch wir daran teilnehmen würden, da sie zum einen weitere Anschläge befürchtete und zum anderen hätten wir so eine günstige Gelegenheit erste Erkundigungen einzuziehen. Dafür mussten wir uns aber als Händler oder Bedienstete tarnen.
Dies bedeutete für mich, ich sollte mich als bornländischer Salzhändler ausgeben. Ada sollte als meine schon etwas senile Tante auftreten, die trotz allem noch die Inhaberin des Geschäftes sei. So wurde einem jeden von uns eine andere Rolle zugedacht, die es ermöglichen sollte, überall unauffällig zu beobachten und zu lauschen. Darüber hinaus bat sie Yasine, als Rechtsgelehrte doch mal ihr Testament genauestens zu überprüfen. Aus Sicherheitsgründen hatte Adaque es bei ihrer einzigsten Vertrauten, Letitia der Hochgeweihten des Rahjatempels hinterlegt. Mit einer Vollmacht, die uns ihr Angestellter Brin noch übergeben würde, sollten wir es am nächsten Morgen im Tempel holen gehen.
22. Travia 12 n. Hal
Am frühen Morgen brachen wir auf, um wie geheißen, zum Rahjatempel zu gehen. Auf dem Weg dorthin, verabschiedete sich Ada und ging wie vereinbart zum Tätowierer. Der Aufenthalt im Rahjatempel war so angenehm, wie es eigentlich auch zu erwarten war, dass ich ganz vergaß, warum wir überhaupt dorthin gegangen waren....
Erst als Samiana erschien, uns zu holen, sie hatte draußen gewartet und wir waren scheinbar recht lange ausgeblieben, kehrte ich langsam und richtig mühsam wieder in die hiesigen, derischen Gefilde zurück. Danach begab auch ich mich zum Tätowierer um mir meine rondragefällige Leuin auf den rechten Oberarm stechen zu lassen. Dabei konnte ich sehen, dass er sein Handwerk wirklich gut verstand, denn Adas Tätowierung war wirklich gut gelungen. Auch der Leuenkopf, den er mir stach geriet sehr zu meiner Zufriedenheit!
Anschließend kleideten wir uns entsprechend um und begaben uns zum Empfang in Adaques Haus. Ada spielte ihre Rolle als seniles altes Mütterchen. Ich postierte sie in der Nähe von Adaques Vetter, der sich angeregt mit dem befreundeten Magier unterhielt. Sie sprachen recht unbefangen, da sie Ada offensichtlich nicht ernst nahmen, was man ihnen auch nicht verdenken konnte, bei der Art wie Ada sich gab. Später zogen wir uns mit der Hausherrin zu einer sogenannten geschäftlichen Besprechung zurück.
Dort trugen wir zusammen, was wir so alles in Erfahrung hatten bringen können. Es deutete vieles darauf hin, dass noch Heute irgendetwas passieren sollte. Unter anderem hatten wir etwas von einem Bogenschützen gehört. Als uns Adaque mitteilte, dass sie später eine Ansprache halten würde, befürchteten wir, dass dies der beste Zeitpunkt für ein hinterhältiges Attentat sein würde. So trafen wir verschiedene Vorsichtsmaßnahmen. Wir besetzten alle Plätze von denen ein gezielter Schuss ausgehen konnte. Während ihrer Ansprache herrschte auf einmal Aufregung am Podest, soweit ich es sah, hatten Yasine und Samiana sie schnell in Deckung gezogen. Im selben Moment fing es an über uns bunt zu blitzen und krachen. Ich blickte nach oben und begriff.
Auf dem Drach stand tatsächlich ein Bogenschütze, doch er schoss Pfeile in den Abendhimmel, die auf irgendeine Art und Weise in vielen Farben Funken sprühte. Nach überstandener Aufregung geleiteten wir Adaque ins Haus, wo sie auf einmal zusammenbrach. Sofort kümmerten sich Ada und Samiana um sie und stellten fest, dass jemand ihr ein besonders bösartiges Gift verabreicht hatte!
Rasend schnell entfloh ihre Lebenskraft.
Nur mühsam gelang es uns ihr sofortiges Ableben zu verhindern.
Noch während wir uns bemühten ihr Leben zu erhalten, fing mit einem mal das Haus an zu beben, als wäre es in seinen Grundfesten erschüttert. Ein gewaltiges Donnern ertönte. Zu meinen Gefährten sagte ich noch, dass ist Rondras gerechter Zorn und meinte damit, sie zürne aufgrund dieses feigen und hinterhältigen Giftmordes.
Doch da brach ein Sturm von wahrhaftig epischen Ausmaßes los!
Die Erde erzitterte, man hörte Menschen schreien, ein gewaltiges Chaos brach aus.
Die Wände bebten, das Schlimmste beinahe für mich war:
Ich sah wie auch unsere sonst so tapferen Zwerge bebten und zitterten. Das hatte ich noch nie gesehen!
Die sonst so unerschütterlichen Zwerge hatten panische Angst!
Ich rief meinen Gefährten zu, wir müssen hier raus, bevor das Haus über uns zusammen stürzt!
Im selben Moment schon wurde Samiana von einem herabstürzenden Kronleuchter getroffen. Ich hob Adaque hoch und schritt, sie auf den Armen tragend, zur Tür. Als Yasine uns die Tür öffnen wollte schlug sie krachend auf. Wie von einem bösen Geist besessen schlug sie nun hin und her, keiner konnte hindurchtreten ohne von der schweren Tür erschlagen zu werden. Ich blockierte die Tür mit meinem Fuß und musste mich schon mit meinem ganzen Körper dagegen lehnen um sie weiter aufzuhalten. Meine Gefährtinnen traten nach draußen, ich folgte ihnen.
Die Zwerge dagegen wagten sich gar nicht erst hinaus. Dies war verständlich, denn auch draußen tobte ein wahres Inferno!
Eine heftige Windböe erfasste mich, trug mich einige Schritt weit, bis ich, Adaque immer noch auf den Armen haltend, gegen eine Hauswand krachte.
Mir schwanden fast die Sinne.....
Überall Flogen Trümmer von den Dächern umher und klatschten wie schwerer Hagel zu Boden und drohten uns zu erschlagen. Ich bemerkte noch, wie Yasine sich näherte und sich über uns beugend versuchte, uns, die wir schon auf dem Weg zu Borons Hallen waren, mit ihrem Körper vor den umherfliegenden Trümmern zu schützen.
Da wurde auch sie schwer getroffen und brach über uns zusammen.
Nun solcher Maßen vereint wurden die zwei Frauen und ich von weiteren Trümmern getroffen und schließlich vollends begraben....
Gemeinsam also traten wir nun den Weg in Borons Hallen an, dies waren soweit ich mich erinnern kann meine letzten Gedanken....
Dunkelheit und Stille umfing mich....
Dann stehen wir Yasine, Samiana, Korgrimm, Balum und ich auf einmal im Tempel Rahjas,.... genauso wie am frühen Morgen,.... nur Ada fehlte,.... genau wie am Morgen.
Aber all dies war kein Traum gewesen,.... ich hörte noch immer das Tosen des Sturmes,.... das Bersten der Mauern in meinen Ohren!
Wir sind doch umgekommen!
Wir waren Tod!
Das wusste ich.... und doch standen wir jetzt hier im Tempel vor der großen Rahjastatue...
Mir viel auf, dass die Statue gar nicht aussah wie aus Stein gemacht, sondern eher als wäre sie aus Fleisch und Blut. Und das erstaunlichste war, sie sprach mit uns!
Sie bestätigte uns, sollten wir daran Zweifel haben, dass Grangor wirklich zerstört worden war. Und zwar tatsächlich vom Zorne Rondras, Ingerimm und Efferd!
Sie waren es gewesen, die dieses Inferno entfacht hatten!
Der Grund dafür war ein großer und von Stund zu Stund immer mächtiger werdender Kult des Namenlosen, der sich irgendwo hier in Grangor befand. Ja, es bestand sogar zu befürchten, dass sich ein mächtiges Artefakt hier in der Stadt befindet, mit Teilen seines leibhaftigen Körpers!
Deshalb hatten diese drei Götter beschlossen Grangor mit allem zu vernichten!
Sie selbst, Rahja, hatte sie angefleht die Stadt zu verschonen, denn gerade diese Stadt liebe sie besonders, denn hier stand doch einer ihrer ersten Tempel Deres. Sie sagte, sie sei der Meinung es müsse immer noch einen anderen Weg geben und diesen galt es nun zu finden.
So habe sie, sprach sie, mit immer schwächer werdender Stimme, mit Satinav selbst, dem Herrn der Zeit, noch eine letzte Frist teuer erkaufen können.
Nun sei die Zeit für einen halben Götterlauf angehalten und es sei jetzt an uns die Zeit entsprechend zu nutzen den Kult mit seinem verruchtem Artefakt zu finden und zu zerstören. So könnte die Stadt doch noch vor der endgültigen Vernichtung gerettet werden. Zuletzt sagte sie zu Yasine, aufgrund ihrer großzügigen Spende habe sie einen Wunsch frei. Sie entschied sich dafür, darum zu bitten, dass unsere Gefährtin Ada ebenfalls nicht von der Zeit eingefroren werden sollte, um uns auch noch bei der Suche behilflich sein zu können.
Mit uns befanden sich noch die Hochgeweihte Letitia und andere Geweihte im Tempel, sowie einige Seesoldaten, welche zur Stund am Morgen ebenfalls im Tempel gewesen waren. Mit ihnen berieten wir uns nun. Sammelten alle noch so unbedeutend erscheinenden Hinweise.
Die Soldaten konnten berichten, dass sie erst vor kurzem einen von merkwürdigen Dingen redenden Mann mit nach Grangor gebracht hatten. Sie hatten ihn zu einem Haus nach Alt-Grangor gebracht.
Eine der Rahjageweihten erzählte, sie sei unlängst von jemandem angesprochen worden. Jener habe etwas davon gefaselt, es gebe jemand viel Mächtigeren, viel mächtiger als ihre Göttin. Er hatte sie dann gefragt, ob sie nicht auch lieber jenem dienen wolle. Sie hatte dies als das Geschwätz eines geistig Verwirrten und somit als unbedeutend abgetan und vergessen. Nun aber gewinne es eine neue Bedeutung, dabei fiel ihr noch ein, dass er von einem Haus am Seebogen gesprochen hatte.
Da die Zeit drängte bildeten wir zwei Gruppen. Die Seesöldner wollten zu jenem Haus und jenen Kerl suchen. Wir dagegen brachen auf, um das Haus am Seebogen ausfindig zu machen. Zuerst jedoch wollten wir zu dem Tätowierer und nach Ada schauen, dann unsere Waffen holen, die wir wohl bald brauchen würden.
Als wir aus dem Tempel traten, bot sich uns ein äußerst skurriler Anblick. Auf den ersten Blick sah es aus wie das ganz normale Stadtleben an einem beliebigen Morgen. Doch sofort fiel auf, dass alle Lebewesen inmitten ihrer Bewegung erstarrt waren, kein Laut war zu hören, kein Lüftchen ging.
Die Zeit stand still...
Wir machten uns auf den Weg, um Ada zu suchen, doch schon auf halbem Weg kam sie uns entgegen. Sie wirkte sichtlich verstört, mitten in seiner Arbeit war der Tätowierer erstarrt, ohne dass sie sich dies erklären konnte. Dann erzählte sie uns von einer Begegnung mit einem seltsamen Mann, der sie nach einer Parole gefragt hatte. Intuitiv hatte sie offensichtlich einen Teil richtig erraten, denn ließ er sie gehen mit der Aufforderung auch bald zur Versammlung zu erscheinen.
Wir setzten unseren Weg fort und erzählten ihr was wir erfahren hatten. Von nun an waren wir aber vorsichtiger, da wir damit rechnen mussten, noch andere Diener des Namenlosen zu treffen, die wohl ebenso wie wir von der Zeitstarre ausgenommen waren.
Endlich wieder im Besitz unserer Waffen fanden wir nach längerem Suchen und mit Hilfe von Isora der Rahjageweihten, die sich uns angeschlossen hatte, auch das Haus am Seebogen. Bei der Durchsuchung des Hauses fanden wir zwei Kinder , schlafend in ihren Betten und ebenso einen älteren Bediensteten, alle von der Zeitstarre erfasst. Weiter fanden wir einige eindeutige Hinweise auf den Kult des Namenlosen und einen merkwürdigen großen Schlüssel.
Auf der Gartenterrasse war eine große Falltüre im Boden eingelassen, aber was wir auch ausprobierten, selbst mit dem Schlüssel ließ sie sich nicht öffnen. Schließlich gaben wir auf und kehrten unverrichteter Dinge in den Rahjatempel zurück, die Zeit wurde immer knapper....
Mittlerweile war schon die Hälfte der Frist verstrichen. Dort trafen wir auch wieder einige der Seesöldner, die allerdings einige Verluste zu beklagen hatten. Einer war im nicht sichtbaren Wasser verschwunden, als sie mit einem Boot übersetzen wollten und dieses schon beim Einsteigen zerborsten war.
Ein anderer war im Kampf gegen einen Diener des Namenlosen gefallen, der sich als “Erstarrter“ getarnt, sie plötzlich angegriffen hatte. Wenigstens hatte er dann auch bekommen was er verdiente und bei seiner Leiche hatten sie einen Brief gefunden, den sie uns jetzt gaben.
In diesem Brief stand, wie man zum geheimen Treffpunkt der Kultisten gelangte, doch dazu musste man die Falltüre öffnen und auch dies war mit einer Skizze dargestellt. Unverzüglich brachen wir wieder zum Haus am Seebogen auf. Doch auf dem Weg dahin geschah es.
Plötzlich wurden wir von mehr als einem Dutzend Kultisten angegriffen. Unbedacht an einer Gruppe vermeintlich Erstarrter vorbeilaufend hatten diese sich unvermittelt bewegt und sich sogleich auf uns gestürzt.
Ein jeder von uns bekam es dabei gleich mit zweien von ihnen zu tun, was, obwohl sie nur mit Dolchen bewaffnet waren, für manchen meiner Mitstreiter offenbar als zu viel herausstellte. Als ich meinen ersten Gegner gefällt hatte, bemerkte ich, dass Yasine, die an meiner Seite gekämpft hatte, zu Boden gegangen war und sich nicht mehr regte!
Da die fanatischen Kultisten noch nicht mal vor gefallenen Gegnern halt machten, stellte ich mich schützend über die am Boden liegende Tulamidin und treue, stets an meiner Seite kämpfenden Gefährtin, um die verbliebenen drei auf mich zu ziehen. Da sie mir, dank meines guten zwergischen Kettenhemdes nicht allzu viel Schaden zufügen konnten, wagte ich die Dreistigkeit, ihnen mitten im Kampf den Rücken zu kehren!
Ich kniete mich über Yasine, zog meine zwei in Donnerbach erstandenen Heiltränke raus. Den einen flößte ich ihr sofort ein, den anderen drückte ich ihr in die Hand, mit dem Auftrag der ebenfalls gefallenen Isora zu helfen. Nun wandte ich mich wieder den, mich bis dahin ohne Unterlass traktierenden Kultisten zu. Während des weiteren Kampfes bemühte ich mich noch nicht einmal einen ihrer Angriffe zu parieren, sondern deckte sie der Reihe nach mit einem Hagel an wuchtigen Hieben mit meinem Bastardschwert ein. Dieser Durchschlagskraft meines mächtigen Schwertes konnten sie nicht lange wiederstehen, mit ihnen fielen unsere letzten Gegner.
Mein Blick traf sich mit Yasines, die nun bei der Rahjageweihten Isora kniete, um ihr den Heiltrank einzuflößen. Sie sah mich fragend an, es schien sehr ungewiss ob die Bedauernswerte überhaupt noch zu retten war. Aber sie war eine, den Zwölfen Geweihte, wir durften nichts unversucht lassen!
Ich nickte Yasine zu, worauf sie ihr den Heiltrank verabreichte, doch er zeigte keine Wirkung mehr.
Es war zu spät!
Es betrübte mich sehr dieses junge, blühende Leben nicht retten zu können. Oh, arme Isora, wie gerne hätte ich noch die ein oder andere Stunde mit dir verbracht, was sind das doch für unglückselige Zeiten!
Wenigstens jedoch hatten meine wackeren Gefährten dieses Gefecht überstanden. Wir setzten unseren Weg zum Haus am Seebogen fort. Dort angekommen begaben Yasine und ich uns nach oben, wo wir feststellten, dass die Kinder verschwunden waren. Es war also zwischenzeitlich jemand hier gewesen.
Auf dem Balkon drehten wir der Zeichnung entsprechend die Säule und siehe da die Falltüre im Garten sprang auf. Darunter befand sich, wie im Brief beschrieben eine Laterne und eine Maske. Wir folgten den weiteren Anweisungen des Briefes.
Ich verband meinen Gefährten die Augen und setzte sie in das Boot an der Anlegestelle. Dann bestieg auch ich das Boot und befestigte die Laterne am Bug. Sofort setzte sich das Boot unter lautem Ächzen, wie von Geisterhand gezogen, in Bewegung. Nun setzte ich die Maske auf. Das Boot bewegte sich stetig vorwärts, beschrieb mehrere Bögen, sodass ich bald jegliche Orientierung verlor. Viel bedenklicher war jedoch, dass es immer lauter zu Krachen und Knirschen anfing. Das Boot würde doch nicht zerbersten, bevor wir unser Ziel erreicht hatten?
Auf einmal bebte das Boot, ein lautes Krachen und Splittern erklang. Ich riss mit sofort die Maske vom Kopf und sah, dass das Boot in der Mitte zerborsten war!
Schnell drang das Wasser in das Boot ein und vor allem meine Gefährten in der Mitte des Bootes wurden sofort vom Wasser umspült. Ich ergriff die direkt hinter mir sitzende Yasine bei der Hand und zog sie zu mir hoch in den Bug des Bootes, wohin noch kein Wasser gekommen war. Da das Boot aber unaufhaltsam am Sinken war, blieb uns nichts anderes übrig, als ebenfalls ins Wasser zu springen und die letzten vielleicht fünf Schritt bis zum rettenden Ufer zu schwimmen.
Uns weiter an der Hand haltend sprangen Yasine und ich gemeinsam ins Wasser. Kaum schlug das Wasser über mir zusammen konnte ich nichts mehr sehen! Nichts hören...
Eine Welle unsäglicher Schmerzen überflutete mich, ich hatte das Gefühl, als brachen all die beim Untergang Grangors erlittenen Wunden rasend schnell wieder auf....
Ich verlor total die Orientierung und wäre wahrscheinlich weg vom Ufer, gerade ins Meer hinaus, in den sicheren Tod, geschwommen.
Scheinbar mit letzter Kraft gab mir Yasine noch einen Stoß in irgendeine Richtung, dann spürte ich wie ihr Körper erschlaffte. Ich schwamm in die Richtung, die sie mir gegeben hatte und zerrte sie mit mir, während die Schmerzen schier unerträglich wurden und ich hatte in meiner Ausbildung zum Krieger wahrhaftig gelernt Schmerzen zu ertragen!
Da mich mein Helm beim Schwimmen doch sehr behinderte, riss ich ihn mir vom Kopf und schleuderte ihn nach vorne, dahin, wo ich das Ufer vermutete. Trotz schwindender Kräfte ruderte und paddelte ich weiter. Aber irgendwie hatte dabei aber den Eindruck, trotz alle meiner Bemühungen nicht richtig vorwärts zu kommen.
Obwohl Yasines erschlaffter Körper, den ich nach wie vor mit mir zog, mich beim Schwimmen sehr behinderte, dachte ich keinen Moment daran sie loszulassen. Im Gegenteil, ich zog sie noch näher an mich heran, um sie in der zunehmenden Finsternis nicht doch noch zu verlieren.
Hier in Grangor waren wir, so könnte man wohl sagen, waren wir, genau so wie wir stets zu kämpfen pflegten, schon einmal Seite an Seite gestorben. Und wenn es denn nun der Wille Götter war, dann würden wir wieder und dieses mal wohl endgültig sterben und gemeinsam in Borons Hallen gehen, so wahr ich Beowulf von Drachenfels heiße!
Da bekam ich mich einem mal ein Brett zu fassen und schon spürte ich wie wir nach vorne gezogen wurden. Dann hatte ich festen Boden unter den Füßen und ich konnte meine Gefährten sehen, die uns in höchster Not aus dem Wasser gefischt hatten. Ich hob die leblos wirkende Yasine ebenfalls aus dem Wasser und legte sie am Ufer ab. Mit meiner wahrhaftig allerletzten Kraft versorgte ich ihre schwersten Wunden, dann sank auch ich erschöpft danieder. Samiana und Ada schließlich nahmen sich dann Unserer an und taten was sie konnten. Dank ihrer Bemühungen fühlte ich mich alsbald besser und auch Yasine schlug nach einiger Zeit wieder die Augen auf.
Nachdem wir uns etwas gesammelt und erholt hatten, sahen wir uns um.
Wir waren wieder auf der Insel Neuhaven. Am Ufer neben uns erblickten wir einen Tunnel in den das Boot wohl hineinfahren sollte. Wir konnten nur vermuten, wohin der Tunnel führte.
Also suchten wir die Häuser der näheren Umgebung ab, konnten aber nirgends auch nur den kleinsten Hinweis auf eine Unterkellerung oder einen unterirdischen Zugang entdecken. Das einzigste größere Gebäude, welches sonst noch in Frage kommen würde, die Götter mögen mir verzeihen, war ausgerechnet der Rahjatempel. Da wir sonst keinen anderen Ausweg mehr wussten, suchten wir also noch mal den Tempel auf. Wir gedachten noch einmal eingehend mit der Hochgeweihten Letitia zu sprechen und sie um Hilfe zu bitten.
Im Tempel trafen wir aber lediglich einige der Geweihten an, die wir eindringlich baten, überall nach der Hochgeweihten zu suchen. Sie blieb jedoch spurlos verschwunden.
Als die Geweihten dann auch noch feststellten, dass mit ihr auch gesamte Tempelschatz verschwunden war, wir jene Harfe fanden, die Sephirim einst Mutter Herdgard geschenkt hatte, konnten wir schließlich mit ihrer vollen Unterstützung rechnen. Denn jetzt war es offensichtlich, dass hier irgendetwas nicht stimmte. Es stellte sich lediglich als schwierig dar, in Letitias Privatgemächer zu kommen. Wie es aussah, musste man dazu die Linie, die den heiligsten Bezirk des Tempels abgrenzte, überschreiten.
Die Warnungen der Geweihten in den Wind schlagend, überschritt Yasine forsch die Linie und stürzte prompt wie vom Blitz getroffen zu Boden. Lediglich Samianas und Adas Heilkünste verhinderten ihr erneutes Ableben.
Wenn wir keinen anderen Zugang finden konnten, mussten wir, soweit schon gekommen, dann doch noch aufgeben?
Wir untersuchten noch einmal genauestens die angrenzenden Räume und siehe da in einer kleinen Kammer tat sich in der Wand eine Geheimtüre auf, die direkt in Letitias Räume führte. Dort fanden wir nach einigem Suchen eine weitere, geheime Tür im Boden, unter der eine Treppe hinunter führte. Daran schloss sich ein Gang an, der an einem hölzernem Tor endete. Wir konnten den monotonen Gesang einer größeren Menschenmenge hören und eine laute einzelne Frauenstimme, die irgendeine verruchte Beschwörung intonierte. Durch einzelne Ritzen im Tor sahen wir über dreißig Kultisten versammelt vor einer großen liegenden Statue.
Dahinter stand tatsächlich Letitia, die Hochgeweihte der Rahja!
Unsere schlimmsten Befürchtungen hatten sich also doch bewahrheitet....
Wir vermuteten, dass sich das unheilige Artefakt in der Nähe der Statue befand. Wie wir der Beschwörungsformel entnehmen konnten, sollte es vor dem bevorstehenden Untergang der Stadt noch hinausgerettet werden.
Wir handelten kurzentschlossen...
Wir vier Kämpfer, die Zwerge, Samiana und ich wollten versuchen durch die zweifelsohne überraschte Menge durchzubrechen, um Letitia Einhalt zu gebieten. Yasine und Ada hingegen sollten die Ablenkung nutzen, die Kultisten umgehen, um zur Statue vordringen zu können.
Dort sollten sie versuchen, das Artefakt, vermutlich das was als eine Art von Haare am Kopf der Statue drapiert war, zu zerstören.
Unseren in der Not geborenen, stümperhaften Plan gleich in die Tat umsetzend stürmten wir mit lautem Gebrüll und wild um uns hackend los.
Rings um uns herum fielen sie, die Diener des Namenlosen, gleich wie die Halme unter der Sense des Schnitters.
Und trotzdem blieben Samiana, Balum und ich mitten im Getümmel hängen....
Einzig Korgrimm gelang es ganz bis zur Hochgeweihten vorzudringen und mit einem wuchtigen Hieb fällte er sie.
Wir dagegen setzten uns heftigst gegen die Übermacht zur Wehr. Doch auch wenn es mir gelang noch den einen oder anderen Hieb zu landen, war das Handgemenge einfach zu dicht für Balum und mich. In diesem engen Gedränge konnten wir unsere großen Waffen nicht richtig bewegen und zur Geltung bringen.
Von zahlreichen Hieben und Stichen getroffen, ging ich schließlich zu Boden, und verlor die Besinnung. Als ich wieder zu mir kam, sah ich unsere gute alte Ada neben mir sitzen, sie hatte ihre Hand auf meiner Brust liegen und sah sehr angestrengt und auch erschöpft aus.
Anschließend flößte sie mir einen Trunk ein, der mich weiter stärkte. Neben mir sah ich Balum liegen, um den sich gerade Samiana kümmerte. Ansonsten war es auffällig ruhig im Raum. Keine Diener des Namenlosen waren mehr zu sehen, bis auf jene, die wir in den Tod geschickt hatten. Mein nächster Blick ging zur Statue und ich stellte erleichtert fest, dass es Ada und Yasine wohl gelungen war das Artefakt, wohl jene Haare zu vernichten.
Nachdem wir uns etwas erholt hatten, stiegen wir wieder hinauf in den Tempel. Dort dankten wir erst den Göttern, insbesondere natürlich Rahja für ihre Hilfe, diesen fürchterlichen Alptraum zu beenden. Wir kehrten zurück in unser Quartier, um uns zu erholen.
Das Leben in der Stadt lief mittlerweile wieder normal weiter.
Ada ließ sich ihr Tatoo fertig stellen, ich dagegen verschob meinen Termin auf den nächsten Tag. Ich war zu erschöpft, zumal uns ja nun auch noch der Empfang bei Adaque bevorstand. Da wir nun wussten, auf welche Weise die junge Händlerin getötet werden sollte, war es nicht weiter schwierig eben diesen Giftanschlag zu verhindern. Es gelang uns sogar den Täter bei frischer Tat zu überführen. Wie Adaque vermutet hatte war dies ihr eigener Vetter, der hinter dem Anschlag steckte.
Er wurde der hiesigen Gerichtsbarkeit übergeben.
Von Adaque erhielten wir die vereinbarte Belohnung, ja sie legte großzügig noch etwas drauf und so erhielt jeder von uns volle fünfzehn Dukaten. Wir blieben noch etwas in der Stadt, um unsere erlittenen Blessuren zu kurieren.
Schließlich beratschlagten wir, was denn ein jeder zu tun gedenke. Aber irgendwie kamen wir, wohl aufgrund der wahrlich erschütternden Erlebnisse der letzten Praiosläufe auf keinen gemeinsamen Nenner und es lief wohl darauf hinaus, das sich unsere Wege nun einstweilen trennen würden.
Die Zwerge wollten nach zurück, in die Sicherheit ihrer heimatlichen Stollen...
Samiana und Ada dagegen hatten eher das Bedürfnis, die offene Weite der Natur zu suchen, wie ich später erfuhr, verschlug es die beiden weit hinauf in den Norden, bis in die Salamandersteine...
Yasine schließlich wollte die Nähe und die Geborgenheit ihres Gottes suchen und reiste gemeinsam mit den anderen nach Gareth. Dort wollte sie sich in den Phextempel zurück ziehen und wie sie sagte könne man bei ihrer Freundin im Tempel eine Nachricht abgeben, falls man ihrer bedürfe...
Ich dagegen gedachte nach Süden gen Arrivor zu pilgern. Diesen geschichtsträchtigen Ort aufzusuchen bot sich mir geradezu an. Es waren nur wenige Tagesreisen bis dort hin und es ist eine heilige, der Herrin Rondra geweihten Stätte, gerade der richtige Ort für mich nach diesen Erlebnissen!
25.Travia 12 n. Hal
Heute verabschiedete ich mich von meinen Gefährten, in der Hoffnung sie bald wieder zu sehen und lenkte mein treues Pferd gen Süden, nach Arrivor.
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