Ein Drache im Amboss

Ein Drache im Amboss



25. Travia 10 n. Hal



Nun reisten wir, Ada vom Weißquell, Balum, Samiana, Yasine, Korgrimm und ich also tatsächlich gemeinsam nach Drachenfels. Ich wollte nun endlich mein Versprechen, all meine Gefährten auf Drachenfels einzuladen, wahr machen. Außerdem wollte ich wissen, ob es meinem Vater nun besser geht und natürlich auch, ob jene Bannstrahler ihr Wort gehalten hatten und mein Bruder Giselwulf wirklich wieder in Freiheit sei.
Die ersten Tage unserer Reise verliefen ereignislos, die Zwerge blühten so richtig auf in ihrer Heimat und wachten eifrig über ihre Fässer mit Zwergenbier, die sie teils auf Adas kleinem Wagen und unseren beiden Packpferden verteilt hatten.

26.Travia 10 n. Hal


Am zweiten Tag unserer Reise trafen wir einen äußerst merkwürdigen alten Mann, der offensichtlich in großer Eile, allerdings auch in großen Nöten war. Während wir noch mit ihm sprachen, er hatte sich als Rohezal vom Amboss vorgestellt, hielt er mit einem Mal inne....
Er schien uns gar nicht mehr zu sehen und erweckte für einen Moment einen merkwürdig geistesabwesenden Eindruck, dann sprach er weiter, als wäre nichts gewesen.
Aber auch Samiana hatte irgendetwas bemerkt und zog mich in bisschen abseits. Leise flüsterte sie mir zu, sie hätte eine Botschaft, ein Bild gesehen, von einer Elfe, die wohl hier in der Nähe gefangen wäre. Sie mahnte mich sehr vorsichtig zu sein.
Doch gerade sprach der Alte weiter und offenbarte uns eine ebensolche Geschichte. Da war wohl böses Hexenwerk im Spiel!
Wie uns der Alte mitteilte stammte jener Hilferuf von einer Elfe namens Azaril Scharlachkraut. Diese, wohl etwas übereifrig, trachte ihn offensichtlich zu beeindrucken, indem sie ihm unbedingt helfen wolle, einen sowohl übelgesinnten, wie auch mächtigen Mann zu stellen. Diesen verfolge er schon seit geraumer Zeit und nun sei er scheinbar alleine unterwegs nach Albenhus. Diese günstige Gelegenheit galt es nun zu nutzen. Allerdings scheine eben jene Elfe entweder gefangen oder anderweitig mit jenem Mann verbunden oder von ihm abhängig zu sein und schwebe in großer Gefahr. Wie es ausgesehen habe befinde sie sich in einem von Menschenhand geschaffenen Gemäuer hier in der Nähe.
Da Samiana gerade die Sache mit dem Gemäuer bestätigte, glaubten wir ihm diese seltsame Geschichte und versprachen ihm uns um die Elfe zu kümmern. Unsere zwergischen Gefährten wussten, dass als einzigstes Bauwerk hier in der verlassenen Gegend lediglich ein schon lange verlassener Ingerimmtempel gäbe, der dafür in Frage käme.
Eilig verabschiedete sich nun der Alte, um nach Albenhus weiterzureisen, während wir uns aufmachten den verlassenen Tempel zu suchen.

29. Travia 10 n. Hal


Zwei ganze Praiosläufe folgten wir dem Weg durch das Gebirge, ohne auch nur eine Spur eines alten Tempels oder gar einer gefangenen Elfe zu entdecken.
An diesem Abend aber vernahm unsere Elfe, Samiana, mit ihrem wahrhaft unglaublichem feinem Gehör einen fernen Gesang mehrerer Stimmen.

30. Travia 10 n. Hal


Heuer erreichten wir schließlich einen hohen Hügel, auf dessen Gipfel wir endlich das gesuchte Gemäuer erblickten. Da der Weg am Fuße des Hügels vorbeiführte, verließen wir ihn und strebten dem mächtigem Bauwerk zu. Wir konnten nach geraumer Zeit an mehreren Stellen Rauch aufsteigen sehen, -anscheinend war es wieder bewohnt.
Als wir näher kamen, konnte ich erkennen, wie wehrhaft der ehemalige Ingerimmtempel aufgeführt worden war. Als recht ungewöhnlich empfand ich, dass der etwa siebzig Schritt breite, sonst stark befestigte Bau über zwei Tore in der vorderen Front verfügte. Wie ich wusste ist es doch recht schwierig ein Tor zu verteidigen und meist nur mit recht kostspieligen zusätzlichen Wehrbauten ordentlich zu befestigen und hier waren gleich zwei!
Das zweiflüglige Tor zur linken Hand wurde von einem eckigen Turm flankiert und war wohl der Haupteingang.
Dort angekommen stellten wir uns auf, während Korgrimm vortrat und laut klopfte. Nach einer Weile vernahmen wir, wie jemand anfing von innen am Tore zu hantieren. Nur mit Mühe, so schien es, wurde es einen Spalt weit aufgeschoben und heraus trat ein Mann, vielleicht um die 35 Götterläufe alt. Er war sehr elegant gekleidet und war wie ein Stutzer mit allerlei unnützem Schmuck behängt. Er stellte sich als Irschan Perval, stellvertretender Abt dieses Hesindeklosters vor und fragte, uns etwas befremdet musternd, nach unserem Begehr. Dies war wohl gut zu verstehen, waren wir doch eine recht bunt zusammengewürfelte Gruppe. Wir stellten uns gleichfalls vor und sagten, wir wären Reisende die eine Unterkunft für die Nacht suchten, da ein übles Unwetter zu befürchten sei.
Noch etwas zögernd bat er uns schließlich hinein.
Wir durchschritten eine große Torhalle und erreichten einen von allen Seiten umbauten Innenhof. Gerade als wir den Innenhof betraten, stürmte ein Knecht mit einem frisch geschlachtetem Huhn in der Hand aus einer Tür. Er wurde arg verfolgt von einem, ein blutige Axt schwingenden und laut schreienden, schon irre dreinblickenden, Metzgergesellen. Schnell verschwand der Knecht mit seiner Beute in einem der anderen Häuser, woraufhin sein Verfolger die Jagd aufgab und umdrehte.
Entschuldigend erläuterte uns unser Gastgeber, dass dies der zugegebenermaßen etwas unberechenbare Atze sei, der Sohn des kürzlich verstorbenen Metzgers. Da man zur Zeit niemand besseres habe, sei nun eben Atze für das Schlachten zuständig. Er lasse halt nur niemand freiwillig in seine Schlachterei, was wie man sehen konnte manchmal mit gewissen Unangenehmlichkeiten verbunden sei... Resigniert zuckte er mit den Achseln.
Ansonsten konnte ich ein ganz normales Treiben beobachten, wie es auf jeder Burg oder wohl eben auch Kloster üblich ist. Er führte uns zu einem Haus zur linken Hand, wies einen Knecht an uns unsre Unterkünfte zu zeigen, sowie Platz für unsere Pferde und Adas kleinen Wagen zu schaffen. Mit einer Einladung zur Abendmahlzeit mit den anderen Herren, wie er sich ausdrückte, verabschiedete sich Irschan.
Während Ada ihren Wagen in der zugewiesenen Scheune abstellte, führten wir unsere Pferde in den Stall nebenan. Dort befand sich neben Hühnern und Schweinen noch allerlei anderes Vieh. Dann führte uns der Knecht ins Obergeschoss der Scheune, wo sich, wie auch über dem Stall, die Kammern für das Gesinde befanden. Wie der Knecht uns erklärte, hielten sich die sogenannten hohen Herren meist im östlichen Teil des Klosters auf, welchen wir zunächst nur von außen gesehen hatten.
Wir bekamen drei nebeneinander liegende Kammern zugewiesen, von denen aus man den ganzen Innenhof überblicken konnte. Während die Zwerge sofort die hintere Kammer in Besitz nahmen, quartierten sich Samiana und Ada in der vorderen Kammer ein. Yasine und ich zogen also in die verbleibende mittlere Kammer ein. Nachdem wir uns häuslich eingerichtet hatten, ließ sich Yasine am Fenster nieder, um dem Treiben auf dem Hof zuzuschauen. Ich verabschiedete mich von Yasine, um unsere Pferde zu versorgen.
Im Stall angekommen, veranstaltete das Federvieh sofort einen Riesenlärm, der erst nach geraumer Zeit verebbte. Ich befreite die Pferde von ihren Sätteln, striegelte sie, gab ihnen Futter. Während ich die mir in jahrelanger Übung in Fleisch und Blut übergegangenen Handgriffe vollzog, vernahm ich mit einem Male ein gedämpftes, gar merkwürdiges Blabbern und Singen. Jetzt erst bemerkte ich in der rückwärtigen Stallwand eine Tür, die wohl in den östlichen Gebäudeteil führte. Nähergekommen konnte ich deutlicher vernehmen, dass es sich hier um eine einzelne Person handelte, die abwechselnd mit sich selbst sprach und lautierte. Es musste dies wohl jener Metzgersohn Atze sein, der in dem dahinter liegendem Raum hantierte. Als ich die Pferde ausreichend versorgt wusste, verließ ich den Stall wieder und blickte mich im Hof um. Neben den Mägden und Knechten, die geschäftig umherliefen entdeckte ich noch Samiana, die die Außenmauer abschritt. Als Samiana an einer, in der Ecke liegenden Tür anlangte, sah ich wie sie ein Ohr an diese legte und kurz lauschte. Da kam mit der Gedanke, ich könnte mal das Torhaus genauer in Augenschein nehmen, in der Hoffnung noch etwas über die Bewohner dieses Klosters herauszufinden.
Ich schritt quer über den Hof, dabei blickte ich auf zu unserer Kammer und sah Yasine dort noch sitzen. Ich winkte ihr munter zu und bedeutete ihr wohin ich zu gehen gedachte. Im Torhaus angekommen, schaute ich mich genauer um. In einer Ecke standen einige Hellebarden, die schon reichlich angerostet waren. Weiter entdeckte ich noch einige Vertiefungen in der Decke, die auf ein hochgezogenes Fallgatter hindeuteten. Ich stieg im angrenzenden Gebäude eine Treppe hoch und gelangte so in den über der Torhalle gelegenen Raum. Dort sah ich dann das Fallgatter, welches noch einen recht soliden Eindruck machte. Hier standen auf vorbereiteten Feuerstellen einige große Kessel zum Erhitzen von Pech oder Öl, direkt neben den entsprechenden Gusslöchern. Alles war sehr verstaubt, ja erweckte den Anschein als wäre es noch nie benutzt worden. Man war ursprünglich mal bestens auf einen feindlichen Angriff vorbereitet gewesen, aber dieser war eben nie erfolgt. Wer auch immer hier das Sagen hatte, legte entweder keinen Wert darauf, oder hielt es schlichtweg nicht für nötig, für einen solchen Ernstfall gerüstet zu sein. Zuletzt warf ich noch einen Blick aus den Schießscharten, die so angebracht waren, dass man von hier aus den gesamten Torweg überblicken und unter Beschuss nehmen konnte. Da hier sonst nichts mehr außergewöhnliches zu entdecken gab, ging ich wieder zurück in unser Zimmer, um Yasine zu berichten.
Gerade als ich geendet hatte, betrat Samiana unsere Kammer, dicht gefolgt von Ada und Korgrimm. Auch Samiana berichtete, dass ihr bei ihrem Rundgang nichts besonderes aufgefallen sei. Wie sie erzählte, war hinter einer der verschlossenen Türen im Hof ein Knecht dabei, alte Gerätschaften aufzuräumen. Wie sie das herausgefunden hatte, ohne die Türe zu öffnen, war mir etwas schleierhaft. Nun wie man weiß verfügen Elfen wie sie über manche erstaunliche Fähigkeiten....
Ada und Korgrimm dagegen hatten sich im Torturm umgesehen und waren die Treppen bis ganz nach oben gestiegen. Dabei hatten sie einen jungen, meditierenden Mann getroffen. Dieser, ein Instrumentenbauer, erst seit kurzem diesem Zirkel zugehörig, hatte vor ihren Augen einen Schrank zum brennen gebracht. Wie er behauptete, hatte er dies allein durch seine Willenskraft geschafft und wäre überdies auch für jeden Normalsterblichen möglich. Das klang schon recht obskur. Daraufhin hatte Korgrimm dasselbe Kunststück probiert, aber wie zu erwarten war, war es ihm nicht gelungen. Ada wiederum hatte dann binnen kürzester Zeit sämtliche, metallenen Beschläge des Schrankes zum verrosten gebracht. Dies vernahm ich mit ehrlichgesagt sehr gemischten Gefühlen und musste unwillkürlich an meines Schwertes Griff fassen. Ob sie damit dasselbe tun konnte? Es kostete mich einige Mühe, nicht ein Stück weiter weg von ihr zu rutschen.
In diesem Moment war ich heilfroh, dass ich das Zimmer mit Yasine teilte und nicht mit einer dieser beiden, mit so unheimlichen Kräften ausgestatteten Frauen. Wie die Beiden dann weiter erzählten, hatten sie frank und frei dem Instrumentenbauer, dessen Verblüffung nutzend, weisgemacht, dass Ada ein sehr hochrangiges Mitglied dieses Zirkels sei. Daraufhin hatte er sich nicht nur mächtig beeindruckt , sondern regelrecht unterwürfig gezeigt. Leider hatten sie es dann aber versäumt ihn weiter auszufragen. Sie hatten sich dann schnell von ihm verabschiedet, letztlich um sich nicht doch noch durch unangemessenes Lachen zu verraten.
Kurz danach wurden wie zur Abendmahlzeit abgeholt. Man führte uns an den Stallungen vorbei durch die Schlachterei, eine wahrhaftig gut gefüllte Vorratskammer, sowie durch die Küche in den großen, langgestreckten Speisesaal. In der Mitte des Raumes war eine lange Tafel eingedeckt, an der wir Platz nahmen. Mir fiel auf, dass neben dem Stuhl am Kopfende, wohl der des Abtes Vestor, noch ein weiterer Stuhl frei blieb. Ansonsten hatte sich eine recht bunte Gruppe zusammengefunden. Neben einem Thorwaler war auch eine junge Frau aus den südlichen Dschungeln und sogar ein Zwerg zugegen. Zusammen zehn Personen aus allen Altersgruppen. Noch bevor wir unsererseits Erkundigungen über diesen seltsamen Ort und ihr Bewohner einziehen konnten wurden wir von ihnen regelrecht mit Fragen bestürmt und überschüttet. Sie alle waren sehr erpicht darauf zu erfahren, was sich draußen auf Dere, wie sie es nannten, ereignet hatte. Gerade unsere Erzählung vom Zug der Oger und die anschließende Schlacht an der Trollpforte löste allgemeine Bestürzung aus. Allerdings waren auch einige erstaunte Rufe über irgendeine Prophezeiung zu hören.
Als wir diesbezüglich nachfragten, erzählte uns Irschan von einer Prophezeiung eines gewissen Nostriamus und vor allem auch von der eines Tharsonius von Bethana. Vor allem von jenem Tharsonius, der ein Magier und Philosoph gewesen war und nun schon lange tot sei, aber ein bedeutendes Testament mit seinen Lehren und Thesen hinterlassen habe, sprach er viel. Es hatte den Anschein, dass gerade er das große Vorbild des hiesigen Zirkels ist. Ich für meinen Teil fand, das seine Lehren, so wie Irschan sie uns darstellte, äußerst bedenklich, wenn nicht gar götterlästernd sind. Unter anderem behauptete er, es gäbe keine göttliche Ordnung, jeder sei frei und könne tun was er wolle. Ein starker Wille genüge und vermöge alles zu vollbringen, ja sogar mächtige Magie zu wirken.
Meine Gefährten reagierten recht unterschiedlich, Ada und Korgrimm waren schlichtweg begeistert oder zumindest sehr interessiert. Samiana stand dem eher gleichgültig gegenüber, wie sie meinte passiere das was wir Menschen Magie nennen einfach so, schon fast unwillentlich. – Ein fast noch beunruhigenderer Gedanke, finde ich...
Yasine zeigte zwar auch viel Interesse, aber ich hatte zu meiner Erleichterung doch den Eindruck, dass vieles dieser Lehren auch gegen ihre Grundsätze verstoßen würde. Balum stand wie ich der ganzen Sache sehr ablehnend gegenüber, woraus wir auch keinen Hehl machten. Das Gespräch wurde zunehmend abgehobener und philosophischer und war so gar nicht mein Fall.
Irgendwann endlich verabschiedete man sich zur Nachtruhe. Zu meinem Entsetzen hatten Yasine, Ada und auch Korgrimm doch tatsächlich Interesse bekundet sich diesem unheiligem Zirkel anschließen zu wollen. Als wir uns dann noch mal in unserer Kammer besprachen sagten sie, dass sie hofften so besser nach jener vermissten Elfe forschen zu können. Trotzdem hielt ich dies für sehr gefährlich und bedenklich, doch die drei waren fest entschlossen schon morgen die Weihezeremonie durchzuführen. Es kam aber noch ärger, Samiana und Korgrimm wollten noch in dieser Nacht in den östlichen Teil des Klosters einbrechen um nach der Elfe zu suchen. Doch nach kurzer Zeit kehrten sie, nachdem Korgrimm keine der Türen aufbekommen hatte, unverrichteter Dinge wieder zurück. Sie bedrängten dann Yasine sehr, die das Unternehmen ebenso wie ich missbilligte, ihnen wenigstens eine der Türen zu öffnen.

Schließlich ließ sie sich dann doch dazu überreden und kehrte danach aber umgehend wieder zurück. Zu zweit saßen wir dann am Fenster und beobachteten den Hof, stets gewappnet für den Fall, dass unsere unvorsichtigen Gefährten entdeckt würden und es dann die unvermeidlichen Schwierigkeiten geben würde. Ada hatte uns auch schon vorsorglich einen stärkenden Kräutertee gekocht, der obwohl recht bitter eine wirklich erfrischende Wirkung hatte. Einige Zeit später sahen wir sie tatsächlich wie gejagt über den Hof hetzen. Noch bevor Korgrimm in seiner eigenen Kammer verschwand, sagte er uns noch wir sollten uns schnell hinlegen und schlafend stellen -und schon war er wieder verschwunden. Also war wohl doch irgendetwas schief gegangen.

1.Boron 10 n. Hal


Was auch immer in der Nacht gewesen war, schien es keine Auswirkungen für uns gehabt zu haben. Während Yasine, Ada und Korgrimm sich zu Irschan begaben, verließen wir anderen, nachdem man uns noch zum Mittagsmahle eingeladen hatte, die klösterlichen Mauern. Um die Zeit zu nutzen, beschlossen wir einen Rundgang um die gesamte Anlage zu machen. Dabei inspizierten wir nicht nur die äußeren Mauern genau, sondern auch die nähere Umgebung. Dabei sah ich, dass der östliche Teil des Klosterkomplexes mehr aus niedrigeren Wohnbauten bestand. Lediglich im Bereich des zweiten Tores standen mehrere hohe Türme, die auf ein ausgefeiltes Abwehrsystem schließen ließen. Ansonsten stellten wir fest, dass es keine weitere Möglichkeiten gab, vor allem in den uns verschlossenen östlichen Teil des Klosters zu gelangen.
Beim Mittagsmahle trafen wir wieder mit unseren drei Gefährten zusammen. Dabei erfuhren wir, dass es uns gestattet worden war noch zwei weitere Praiosläufe hier zu verweilen. Die Weihezeremonie unserer Gefährten sollte heute Nachmittag stattfinden. Auch versuchte Irschan weiter in uns zu dringen, uns zu überzeugen, ob wir nicht den gleichen Schritt wagen wollten. Wir blieben jedoch standhaft und lehnten weiterhin ab. Ich konnte nicht meinen Glauben an die Zwölfe so schmählich verraten...
Samiana, Balum und ich begaben uns wieder vor die Klostermauern, wo wir uns tüchtig dem rondragefälligem Handwerk widmeten. Es war für mich eine Ehre, mich mit Balum im Kampfe mit Streitaxt zu messen. Als Samiana und ich später dann noch im eifrigen Klingenspiel mit dem Langschwerte vertieft waren, wurden wir irgendwann dann von unseren anderen Gefährten unterbrochen.
Ada verschwand, ohne uns eines Blickes zu würdigen, im nahen Unterholz. Dort hantierte sie zunächst mit ihrem Dolch und verharrte dann auf der Erde kniend für längere Zeit. Korgrimm dagegen war bestens gelaunt und erzählte stolz, dass er nun auch nur mit seiner Willenskraft ein angroschgefälliges Feuer machen könne. In seiner Euphorie führte er es uns sogleich auch vor und tatsächlich es gelang!
Er machte lediglich danach einen recht erschöpften Eindruck, aber er hatte wirklich ein kleines munter brennendes Feuer entfacht. Nicht, dass ich das mit meinem Zunderkästchen auch geschafft hätte, aber immerhin war es doch schon beeindruckend. Yasine hingegen macht einen eher verstörten Eindruck und sonderte sich ganz wie Ada etwas ab von uns. Nach einer Weile ging ich zu ihr hinüber und erkundigte mich ernstlich besorgt nach ihrem Befinden und was eigentlich geschehen war. Nur stockend konnte sie mir erzählen wie dieses Ritual abgelaufen war.
Als sie schließlich wie die anderen eine merkwürdige Glasstatue mit den Worten “ Für Tharsonius“ berührt hatte, war eine ihrer göttlichen Liturgien, die sie kurz zuvor gewirkt hatte unvermittelt abgebrochen. So etwas hatte sie noch nie zuvor erlebt und seither war es ihr trotz aller Bemühen nicht wieder gelungen die Nähe zu ihrem Gotte zu finden. Dies war nun wirklich mehr als besorgniserregend, hier war wirklich Unheiliges am Wirken, soviel stand fest. Ich versuchte sie etwas zu trösten und aufzumuntern. Ich versprach ihr alles zu versuchen, um ihr zu helfen, wieder zu ihrem Gott zurückzufinden, doch schien dies im Moment ein fast zweckloses Unterfangen zu sein.
Am späteren Abend trafen wir uns wieder in unserer Kammer. Es wurde eifrig debattiert. Die einen wollten sogleich noch mal hineinschleichen um den Keller und den Ritualraum eingehender zu untersuchen, während die anderen, vor allem Yasine, zuerst die Bibliothek aufsuchen wollten. Dort hoffte sie in den Schriftstücken herauszufinden was mit ihr geschehen war. Auch ich wäre am liebsten sofort, mit dem Schwert in der Faust und dazu offen da drüben reingegangen. Jedoch konnte ich ihr nicht ihren Wunsch noch etwas zu warten abschlagen, auch wenn ich kaum glaubte, dass sie dort die Lösung ihres Problems finden würde. Von solchen Ideen, trotzdem, auch ohne Yasine zu versuchen in die unteren Räume vorzudringen hielt ich gleich gar nichts. Schließlich war sie es gewesen, die im Dunklen hatte beobachten können, wie diese eine Geheimtüre im Keller zu öffnen war und zudem war sie diejenige, die am zuverlässigsten die anderen Türen öffnen konnte. Außerdem musste man damit rechnen, dass es zu einem Kampf oder anderen Schwierigkeiten kommen konnte und diesem Falle wollte ich unsere Gruppe zusammen wissen.
Schließlich einigten wir uns noch einen Praioslauf zu gedulden und begaben uns zur Nachtruhe.


2.Boron 10 n. Hal


Am nächsten Morgen sahen wir uns nur kurz nach dem Aufstehen und Yasine und Ada fanden nur wenig Zeit uns noch mitzuteilen, was sie abends zuvor herausgefunden hatten. Das wohl Bedeutendste war, dass sich jener Tharsonius von Bethana später einen sogenannten Kriegsnamen zugelegt hatte und sich dann Borbarad nannte.
Das klang für mich wenig verheißungsvoll, wenn nicht gar unheilverkündend. Denn wozu braucht ein Magier einen Kriegsnamen, das Kriegshandwerk ist schließlich Sache der Krieger und Ritter. Magier und Philosophen sollen sich von mir aus mit eben Magie und philosophischen Dingen beschäftigen. Wenn Magier Kriege führen, ich musste dabei lebhaft an die schreckliche Schlacht an der Trollpforte denken, konnte dabei nichts Gutes herauskommen.
Den Rest des Vormittages verbrachte ich mit Samiana. Wir unternahmen einen ausgedehnten Ausritt, um den Pferden auch wieder etwas Bewegung zu verschaffen. An einem Bach ließen wir die Pferde trinken und grasen, derweil übten wir uns noch etwas im Waffenhandwerk. Ich zeigte ihr so manche Feinheiten des rondragefälligen Schwertkampfes, dafür lehrte sie mich einiges im Umgang mit dem Bogen...
Nachmittags schloss sich uns Balum wieder an. Mit ihm vollzogen wir, vor den Toren des Klosters so manchen Waffengang mit der Axt und dem Langschwerte. Beim Mittagsmahle hatten uns unsere anderen Gefährten erzählt, dass sie des morgens versucht hatten in das Gemach des Abtes Vestor einzudringen. Dabei hatten sie ein kleines Alarmglöckchen ausgelöst. Das Misstrauen des herbeigeeilten Thorn, einer der älteren Zirkelmitglieder, hatten sie mit einer Ablenkungsgeschichte über eine dumme Wette versucht zu zerstreuen. Ich äußerte die Ansicht, dass es nun an der Zeit wäre, ernsthafte Nachforschungen über diese Elfe anzustellen, war dies doch der eigentliche Grund unserer Anwesenheit. Samiana schloss sich sogleich meiner Meinung an. Wohl voller Sorge über jene unbekannte Elfe, wäre sie am liebsten sofort gemeinsam mit uns allen hineingegangen.
Schließlich verblieben wir so, dass Yasine, Ada und Korgrimm versuchen sollten, jene zweite Pforte von Innen zu öffnen. So konnten wir anderen des abends, während sich alle zur Abendmahlzeit versammelten, recht ungestört im östlichen Teil nach der Elfe suchen. Deshalb verlegten wir unsere Waffenübungen in die Nähe dieser Pforte, sodass wir sie stets beobachten konnten.
Als wir also munter unsere Schwerter und Äxte schwangen, sahen wir wie sich auf einmal von einem der Türme ein ganzer Schwarm abscheulicher, schwarzer Krähen erhob und begann über den Gemäuern zu kreisen. Das konnte nur ein schlechtes Omen sein. Mir war klar, dass noch heute Blut ließen würde, noch heute würden wir an Borons Pforten klopfen. Wir konnten nur hoffen, dass die Götter ihre Hände über uns halten würden, denn nur zu leicht konnte dies unser letzter Praioslauf auf Deren werden.
Irgendwann kamen Ada und Korgrimm heraus zu uns. Wie sie berichteten hatten sie vergeblich versucht zu jener Pforte vorzudringen. Letztlich waren sie an einem verschlossenen, eisernen Gatter gescheitert. Wie sie erzählten, wand sich eine breiter Weg in weiten Bögen, dabei mehrere Türme, Gatter und andere Bastionen passierend hinauf bis zum eigentlichen Haupttor. Dabei erwähnten sie auch, dass sie ein leeres Verlies, sowie einen zweiten Zugang zu den unterirdischen Gängen und Kulträumen gefunden hatten. Dabei hatten sie den Schwarm Krähen aufgescheucht, den wir gesehen hatten und die in einem der unbenutzten Türme hausten. Gerade als ich ihnen gesagt hatte, welch Unglück solchermaßen kreisende Krähen anzukündigen pflegten, kam wie zur Bestätigung Yasine aus dem Tor gestürmt. Sie war in heller Aufregung und sagte immer wieder, wir müssten sofort aufbrechen und von hier verschwinden.
Es gelang nur mühsam sie soweit zu beruhigen, dass sie in der Lage war uns zu berichten, was sie so aufgewühlt hatte. Hastig erzählte sie uns, was ihr widerfahren war. Statt wie sie vorgehabt hatte, nochmals in die Bibliothek zu gehen, war sie nochmals in Vestors Kammer gegangen. Dort hatte sie in dessen Truhe einige dicke und sehr wertvolle alte Bücher gefunden über Sternenkunde und Magie. Eines davon war so selten, wie sie wusste, dass sogar in ganz Gareth nur noch ein einziges Exemplar davon existierte. Es musste zweifellos sehr wertvoll sein. Ich konnte mir sehr gut vorstellen, dass Yasine es zu gern mitgenommen hätte, aber sie hatte es, da es zu schwer war, liegengelassen. Im Stillen dachte ich mir, sollten wir die Möglichkeit haben es später noch zu holen, würde ich es allein ihr zu liebe gerne tun, außerdem konnte man es bestimmt gut verkaufen. Mitgenommen hatte sie allerdings zwei Briefe, die sie in einem Schieber des Schreibpultes gefunden hatte und deren Inhalt sehr brisant war.
Noch bevor sie uns die Briefe richtig zeigen konnte, vernahmen wir die Tritte sich nähernder Pferde. Es war ein einzelner Reiter und eine Kutsche. Während die Kutsche weiter auf das Haupttor zuhielt, lenkte der Reiter sein Pferd zu uns hinüber. Misstrauisch fragte er uns, was wir hier taten und wer wir seien. Er selbst stellte sich als Vestor vor, Abt der hiesigen Abtei. Auch wir stellten uns vor. Yasine, Ada und Korgrimm versäumten nicht, ihm mitzuteilen, dass sie unlängst dem Zirkel beigetreten waren. Entgegen unserer Erwartung schien er nicht sehr erfreut darüber zu sein und wies uns an, ihm sogleich ins Kloster zu folgen.
Kaum waren wir innerhalb der Mauern angelangt, verabschiedete er sich von uns. Wir hörten ihn noch laut nach Irschan rufen, während wir unsere Kammer aufsuchten. Nun zeigte uns Yasine die Briefe, ihr Inhalt war wahrhaftig erschreckend. Es war offensichtlich ein Briefkontakt Vestors mit einem anderem Magier von der berüchtigten Akademie zu Fasar. Spätestens jetzt war uns klar, dass wir in einem ganz üblem Zirkel gelandet waren.
Doch schon klopfte es an der Tür, es gelang uns gerade noch schnell die Papiere verschwinden zu lassen, als die Türe schon geöffnet wurde. Bolzek, der junge Instrumentenbauer stand vor uns und bat uns, etwas verlegen, ob wir für das Abendessen noch eines unserer Fässchen des guten Zwergenbieres spendieren würden. Schließlich stimmten die Zwerge zu. Balum begleitete ihn, um dem eher schwächlich wirkenden Bolzek beim Transport zu helfen.
Wir berieten uns noch kurz, wobei uns Yasine noch erzählte, dass sie, als Dank für ihren Erfolg ihrem Gott zum Opfer, noch einen kleinen Edelstein in dem Schieber in Vestors Kammer zurückgelassen hatte. Dies war nun wirklich eine haarsträubende Botschaft, ich hatte das merkwürdige Gefühl, als würde mir jemand gerade den Boden unter den Füssen wegziehen.
Jetzt würde der Verdacht schnell auf uns fallen, denn wer von den Klosterinsassen besaß schon eine solche Kostbarkeit?
Wir überlegten noch, ob es möglich wäre, die Spur von uns weg auf jemand anderes zu lenken, aber es wollte uns nicht so richtig etwas Durchführbares einfallen. Schließlich war es an der Zeit zum Abendessen hinüber zu gehen.
Entgegen des sonstigen Gebotes als Nichtmitglied des Zirkels stets unbewaffnet zu den Mahlzeiten zu erscheinen, wollte ich dieses Mal nicht ohne mein gutes Drachenschwert gehen. Um keinen zu frühen Unmut hervor zu rufen, bat ich Yasine, der das Tragen von Waffen gestattet war, mein Schwert für mich mitzunehmen, was sie gerne tat. Genauso nahm Ada ein Schwert für Samiana mit.
Als wir uns setzten, fiel uns sogleich auf, dass Balum nirgends zu sehen war. Auf unsere Nachfrage hin, hieß es, er wäre noch im Keller mit dem Bier beschäftigt und würde wohl gleich kommen. Das kam mir etwas seltsam vor, aber ich beschloss noch zu warten, zumal die neben mir sitzende Yasine mir unauffällig bedeutete, mich noch zu gedulden. Als nach einer geraumen Weile Balum immer noch nicht erschienen war und dies, obwohl wir schon am essen waren, erhob sich Vestor um selbst mal nachzusehen. Doch auch der kehrte nicht wieder. Mir wurde das ganze Spielchen jetzt zu bunt, ich drängte nachdrücklich darauf, jetzt selbst nach ihm zu suchen. Irschan, der auch besorgt wirkte, führte uns in den Keller. Während er voranging ließ ich mir von Yasine mein Schwert geben und hielt mich bereit, wenn nötig sofort blank zu ziehen.
Als wir durch einen langen Gang einen größeren Raum erreichten, fing Irschan an, unverständliches Zeug zu murmeln, ließ seinen Umhang fallen und verschwand urplötzlich vor unseren Augen!
An seiner Stelle erschien in der Mitte des Raumes ein Flammenschwert. In einer Ecke hinter mir vernahm ich eine weitere murmelnde Stimme. Als ich mich umsah erblickte ich hinter mir ein, nur entfernt einer meiner Gefährtinnen ähnlich sehendes, wahrlich abscheulich anzuschauendes Ungeheuer!
Mich packte kaltes Entsetzen!....
Ich floh!....
Ich wollte soweit weg wie nur möglich!....
Irgendwann bemerkte ich Yasine vor mir,.... sie sprach mit mir,.... aber ich konnte sie nicht hören,.... ich musste immer zu an dieses Ungeheuer aus den Niederhöllen denken!....
Auch hörte ich ein männliche Stimme leise meinen Namen brüllen,..... war es Balum?....
Einen weiteren Zuruf vernahm ich,.... war es Samiana?....
Ich kann es nicht genau sagen!....
Wieder sprach Yasine mit mir,.... dabei zwang sie mich regelrecht ihr in die Augen zu blicken, ..... ich sah ihre tiefen, dunklen Augen, ..... eindringlich redete sie mit mir, ..... doch ich vernahm nichts,... schob sie nur weiter in die Ecke!....
Gehetzt blickte ich mich um, .... ich musste raus aus diesem kleinen Raum!....
Da entdeckte ich eine Tür, .... ich stürmte los, .... wollte sie notfalls einrennen, .... doch da war es wieder!....
Das adaähnliche Ungeheuer, ....direkt vor mir!....
Es schien als wollte es auch zur Tür, .... panisch kehrte ich um, .... floh wieder zurück!....
Beinah hätte ich dabei Yasine umgerannt, .... sie war mir offenbar gefolgt, .... ich floh weiter, .... dieses mal hielt sie mich nicht auf....
Ich blickte ich nochmals um, niemand verfolgte mich mehr, auch dieses Monster war auf einmal verschwunden, ich blieb stehen....
Aufatmend blickte ich mich um, es schien tatsächlich nichts Bedrohliches mehr im Raum zu sein. Noch etwas unsicher ging hinüber zu Samiana und Yasine, die eifrig am Schloss der Tür hantierte.
Da sprang die Tür auf und Samiana huschte sofort in den Raum. Ich näherte mich ebenfalls. Ich sah Balum. Er war am Kopfende des langgezogenen Raumes, an die Wand gefesselt!
Der Thorwaler, ich glaube Galrun war sein Name, steuerte auf meinen wehrlosen Gefährten zu. Dabei schwang er eine mächtige Ogerschelle.
Sollte mein tapferer Waffengefährte einfach so, so schmählich vor meinen Augen erschlagen werden?
Mein Schwert ziehend, stürmte ich los und wie es sich gehört forderte ich den feigen Thorwaler laut anrufend zum rondragefälligem Zweikampf. Noch bevor ich an der am Türrahmen verharrenden Yasine vorbeilaufen konnte, traf mich ein greller Blitz und blendete mich. Ich taumelte orientierungslos gegen den Türrahmen und wurde dann, wohl von Yasine vollends in den Raum geschoben. Ich prallte gegen eine Tisch und drehte mich um.
Nach einer Weile, mir schien es dauerte ewig, konnte ich wieder etwas sehen. Um mich rum wurde erbittert gekämpft. Neben mir erblickte ich Yasine, sie wurde von jener dunkelhäutigen Moha hart bedrängt. Weit mit dem Schwert ausholend verpasste ich ihr eine mächtigen Streich.
Doch so sehr ich mich auch bemühte, es gelang mir nicht diese außerordentlich flinke Kämpferin erneut zu treffen. Wenigstens gelang es mir ihre Angriffe gegen die nun am Boden liegende Yasine zu parieren. Endlich gelang es uns dann doch noch sie mit vereinten Kräften zu überwinden. Auch wenn ich sie nicht mehr getroffen hatte, so war es doch Yasine gelungen, sie mit ihrem Messer tödlich zu verletzten. Noch während die Moha vor uns zusammenbrach, sah ich hinüber zu Samiana. Gemeinsam mit Balum bekämpfte sie einen scheinbar unsichtbaren Gegner. Es schien, dass sie nicht meiner Hilfe bedurften. Über die am Boden liegende Moha setzend, stürmte ich zurück in den anderen Raum... und fand mich der Frau Hekaba, einer ehemaligen Kriegerin und dem Gaukler Jago gegenüber.
Da nur Frau Hekaba mit einer ordentlichen Waffe, einem Schwert bewaffnet war, griff ich diese sogleich an. Da unterlief mir ein folgenreicher Fehler, wohl instinktiv wehrte ich einen Fausthieb des Gauklers ab... und musste dafür einen schweren Schwerthieb der Kriegerin unpariert hinnehmen. Dies sollte mir nicht noch einmal passieren....
Obwohl ich meine ganze Kampfkunst aufbot, gelang es mir kaum ihre Parade zu durchbrechen. Da konnte ich nur den Göttern danken, dass Yasine mir, sich tapfer in den Kampf werfend, gefolgt war und mir so zumindest den Gaukler vom Leib hielt.
Es entspann sich ein zähes, erbittertes Ringen, ohne dass es einem gelang eine Vorteil zu erringen. Erst als Balum dazustieß, gelang es mir einen weiteren schweren Treffer zu landen.
Doch da hörte ich neben mir Yasine in höchster Not nach meinem Beistand rufen. Ich blickte hinüber und sah sie, völlig entkräftet schwanken. Mein Schwert hastig, reflexartig hochreißend gelang es mir gerade noch einen weiteren, ihr zugedachten Fausthieb abzuwehren, um sie so vor weiterem Ungemach zu bewahren. Dafür kassierte ich jedoch prompt einen schweren, nicht mehr zu parierenden Schwertstreich Frau Hekabas, der auch mich wanken ließ. Das Schwert aus der Parade in einen eher saft- und kraftlosen Gegenangriff herüberschwingend gelang es mir, zu meiner völligen Überraschung, Frau Hekabas sonst so sichere Parade zu durchbrechen. Daraufhin brach sie, wirklich keinen Augenblick zu früh, zusammen. Fast gleichzeitig kippte auch der Gaukler, unser letzter Gegner, um.
Ich sah mich auf unserem Schlachtfeld um. Korgrimm lag schwerverletzt da und wurde gerade von Samiana behandelt. Auch Ada, nun nicht mehr so furchterregend, lag, offensichtlich ohnmächtig und halb von ihrem Mantel bedeckt an der Wand. Yasine ließ sich erschöpft neben ihr nieder, während ich Frau Hekaba das Schwert aus den erschlafften Fingern wand. Als Korgrimm wieder zu sich gekommen war, kümmerte sich Samiana, unsere begabte Heilerin, um Ada und Yasine. Ich schleppte mich, auch schwer angeschlagen mit Balum in den anderen Raum, doch außer der Ogerschelle des Thorwalers fanden wir dort nichts verwendbares. Ich ließ mich erschöpft neben Yasine fallen, um mich ebenfalls etwas zu erholen, hatte ich im Kampf doch so manchen Treffer hinnehmen müssen. Da war ich Samiana dann auch sehr dankbar, als sie mir einen kräftigenden Trunk anbot. Wie sie sagte war es der letzte von jenen, die ihre Mutter Renara ihr mitgegeben hatte.
Während wir uns noch erholten, deutete Yasine auf die Wand zu unserer Linken und erzählte uns, dass sich in dieser eine bestens getarnte Geheimtür befindet. Durch diese würde man weiter hinunter in den eigentlichen Ritualraum gelangen, in dem sich der gläserne Götze befindet.
Nachdem wir uns erholt hatten, gingen Samiana, Balum und ich noch mal den Gang zurück. Yasine und Korgrimm untersuchten derweil die Wand nach der Tür, um sie zu öffnen. Wir fanden den Gang versperrt. Irgendjemand hatte die Tür des Seitenraumes weit geöffnet und mit einem Balken verkeilt. Mit etwas Mühe gelang es uns den Balken durch einen Türschlitz zur Seite zu schieben. Auf der Treppe nach oben liegend, fanden wir eine weitere Frau dieses unheimlichen Zirkels. Jemand hatte ihr die Kehle durchgeschnitten und sie einfach zum Sterben dort liegengelassen.
Der Raum war eine reichlich gut bestückte Vorratskammer, gefüllt mit allerlei erlesenen Speisen, teuren Gewürzen und anderen exotischen Dingen die ich nicht alle kannte. Auch einige Fässer mit gutem Wein und Wasser waren zu sehen. Wir nahmen soviel mit wie wir tragen konnten und kehrten zu unseren Gefährten zurück.
Ihnen war mittlerweile gelungen die Tür zu öffnen, dahinter war nur gähnende Schwärze zu erblicken. Wir stärkten uns etwas, während Yasine und Korgrimm uns erzählten, wie eine Fackel, die sie hineingehalten hatten sofort verlöscht war. Auch Samianas magischer Lichtzauber verlöschte, sobald sie ihre Hand rein streckte. Dafür war ihre Hand mit einem ekligen, grünem Schleim überzogen. Hielt sie ihre Hand ohne Lichtkugel hinein, war kein Schleim zu sehen, es war furchterregend. Nachdem Yasine aus ihrer Tasche ein langes Seil hervorgeholt hatte, schlang ich mir dieses um den Leib und tastete mich langsam in den finsteren Raum. Mich umwendend, konnte ich zwar meine Gefährten draußen im Licht stehen sehen, aber sonst war es so dunkel, dass ich meine Hand vor Augen nicht sehen konnte. Eine solche widernatürliche, fast schon greifbare Finsternis hatte ich noch nie erlebt. Wie sollte ich hier eine Türe finden?
Ich ging zurück zum Eingang und begann mich an der Wand entlang zu tasten. An der gegenüberliegenden Wand fand ich eine massive Türe, die mit einem mächtigen Balken verriegelt war. Sonst war nichts zu entdecken...
Da rief mir Yasine zu, dass es zur linken Hand eine Türe geben müsse, sie sei sich jetzt ganz sicher, denn durch diese waren sie gegangen. Ich umrundete den ganzen Raum, fand aber nichts mehr. Zurück bei meinen Gefährten blickten wir uns zunächst ratlos an. Da Yasine weiterhin darauf beharrte, dass es noch eine zweite Tür geben müsse, begann ich noch eine Runde zu drehen. Dieses Mal jedoch nahm ich die erbeutete Ogerschelle und klopfte in kleinen Abständen die Wand ab.
Ungefähr in der Mitte der Wand zur linken Hand, veränderte sich mit einem Male das Klopfgeräusch, es klang hohler wie zuvor. Ich hatte die Tür gefunden, aber sie ließ sich nicht öffnen, so sehr ich auch tastete und drückte. Auch als mir die Zwerge halfen, sie hatten sich am Seil entlanggehangelt, wollte die Tür sich nicht öffnen lassen. Erst Samiana gelang es schließlich die Verriegelung zu öffnen, dahinter lag ein weiterer dunkler Raum. Hier versuchten wir wieder eine Fackel zu entzünden und siehe da, sie brannte so wie sie sollte. Welches unheiliges Machwerk hier auch war, es beschränkte sich auf diesen einen Raum. Nun folgten uns auch Yasine und Ada.
Über eine Treppe gelangten wir nun hinunter zum eigentlichen Ritualraum. Zuerst erblickten wir aber drei große, steinerne Statuen, die kräftige und gut bewaffnete Krieger darstellten. Als Korgrimm, direkt vor mir, um die Ecke lugte, konnte er einen sich bewegenden Schatten in dem sich anschließenden und erleuchteten Raum erkennen.
Da ertönte eine laute Stimme und forderte Korgrimm auf hervor zu treten. Ihm blieb jetzt nichts anderes mehr übrig als aus der Deckung zu treten. Als Vestor ihn dann fragte, wo die anderen seien, behauptete unser Korgrimm frech heraus, sie seien alle tot und er selbst sei der einzigste Überlebende. Aber ihn Lügen strafend traten nun Yasine, dicht gefolgt von Ada hervor. Eilig korrigierte sich Korgrimm und verbesserte sich dahin gehend, er habe gemeint die nicht Eingeweihten wären alle gefallen.
Davon unbeeindruckt hörte ich, wie Vestor meinen drei Gefährten drohte, wenn sie sich auch nur einen Schritt weiter bewegen würden, wären sie alle des Todes. Dann begann er mit lauter Stimme eine Art Beschwörung, ich konnte nur wenig verstehen, ein Teil klang wie ... Oh Iribah, so prüfe...
Da zeigte sich mal wieder, mit Lügen und Flunkern kommt man selten weit. Noch hinter der Ecke stehend sah ich, wie Korgrimm auf einmal losstürmte und wohl zum Angriff überging. Fast im selben Moment schoss auch Samiana, wie von der Sehne geschnellt, an mir vorbei in den Raum. Auch ich rannte jetzt los, hielt mich aber zunächst hinter dem Säulengang, um erst später in die Mitte vorzustoßen, wo dieser Vestor sich befand. Im gleichen Moment explodierte ein ungeheures Flammeninferno!
Ich hörte die Schmerzensschreie meiner Gefährten, bis auf Balum und ich waren wohl alle schon im Raum befindlichen Freunde schwer getroffen worden. Mich überkam der heilige Zorn Rondras und ließ mich zwischen den Säulen hervorbrechen wie die wilde Jagd. Ich hielt auf den unsäglichen Vestor zu, der einen weiteren unheiligen Zauber beschwor. Da bildeten sich Kugelblitze über dem sogenannten Abt und fuhren mit rasender Geschwindigkeit auf Korgrimm und mich nieder. Korgrimm versuchte zwar noch irgendwie auszuweichen, wurde aber trotzdem getroffen und ging wie ein gefällter Baum zu Boden.
Ich dagegen dachte nicht an zurückweichen, sind denn nicht Donner und Blitz die Zeichen meiner Herrin Rondra?
Mit gesenktem Kopf, wohl einem angreifendem Stier gleichend, stürmte ich meinem Schicksal entgegen.
Mit voller Breitseite traf mich der Blitz, ....eine grauenhafte Schmerzenswelle durchfuhr mich, ....beinah wollte ich wanken, ....aber meine Füße liefen einfach weiter.
Und schon war ich heran, ich kam über ihn wie ein Sturmwind. Mit Schwertes Schärfe hieb ich ihm aus vollem Lauf eine klaffende Wunde. Grimmig vernahm ich sein gellendes Schmerzensgeschrei, mit gleicher Münze hatte ich ihm zurückgezahlt, was er mir schuldete. Nach einem weiterem mächtigen Hieb von mir und einem blitzendem Schwertstreich von Samiana ging er zu Boden.
Doch da vernahm ich die Rufe von Yasine und Ada. Ich blickte auf und bemerkte eine verhüllte, dunkle Gestalt, die sich langsam auf meine Gefährtinnen zu bewegte. Wieder stürmte ich los, hoffend sie zu erreichen, bevor den beiden am Boden kauernden Damen weiterer Schaden zu gefügt werden konnte, wohl wissend, dass keine der Beiden eine große Kämpferin ist. Da es nicht rondragefällig ist jemand von hinten anzugreifen, wollte ich ihn zunächst nur umrennen und so seine Versuche meine Begleiterinnen weiter unter seinen Bann zu bringen zu stören. Wie erstaunt war ich, als ich ohne den geringsten Widerstand zu verspüren einfach durch die Gestalt hindurch lief, auch ein Hieb meines Drachenschwertes ging glatt durch ihn hindurch. Dabei sah ich die Gestalt doch ganz deutlich vor mir!
War dies auch nur eine Illusion wie weiland die schwarze Göttin auf Burg Kurkum?
Ich sah in dem Moment meiner Verwirrung und Ratlosigkeit, dass Korgrimm, von Samiana gepflegt, wieder auf den Beine war. Aber auch Vestor stand wieder und dies obwohl ich ganz sicher war, dass die schweren Schwertstreiche ihn getötet haben mussten !
Zu meiner Beruhigung sah ich, wie Balum sich seiner annahm und Samiana schickte sich an ihm beizustehen.
Korgrimm dagegen war auf dem Weg zu dem hässlichem, gläsernem Götzen. Wirklich besorgniserregend war dafür der Zustand von Yasine und Ada, doch wie ich fürchtete half da keine Waffengewalt.
Sie erlagen scheinbar zunehmend den dämonischen Verführungen des charismatisch erscheinenden Jünglings der vor ihnen stand und von Vestor Iribha genannt wurde. Ich sah mit Schrecken wie die Beiden und damit auch ihr Widerstand gegen ihn immer schwächer wurde. Ich lief zu ihnen hin, kniete voller Sorgen bei ihnen nieder. Ich nahm sie beide in meine Arme und versuchte ihnen so Mut und Kraft zu geben. Obwohl ich das Gefühl hatte, dass es mir durchaus gelang sie etwas zu stärken konnte ich doch spüren wie ihre Lebenskraft sie zunehmend verließ. Zuerst wurde Yasine ohnmächtig, kurz darauf auch Ada, in meiner Verzweiflung rief ich meinen noch immer kämpfenden Gefährten zu sie sollten sich beeilen, sonst würden wir unsere Gefährtinnen verlieren.
Trotz aller unserer Bemühungen entwich mehr und mehr ihr nur noch schwach glimmender Lebensfunke. Ihre Körper fielen regelrecht in sich zusammen, sie versanken immer tiefer in die Bewusstlosigkeit.
Eine tiefe Verzweiflung ergriff mich, meine letzte Hoffnung wollte schwinden!
Endlich hörte ich, wie hinter mir der Glasgötze unter den wuchtigen Hieben Korgrimms zerschellte. Ich hatte gehofft, dass dann Yasine und Ada wieder zu sich kommen würden, doch dies war leider nicht der Fall. Vorsichtig ließ ich die nun vollkommen erschlafften Körper auf den Boden sinken, sollten wir sie doch noch verloren haben?
Da vernahm ich Samiana, die mir zurief, ich sollte in Adas Taschen schauen, es könnte sein, dass sie noch einen Heiltrank einstecken hatte. Fieberhaft durchsuchte ich ihre Taschen und fand tatsächlich drei kleine Phiolen. Doch welche davon, wenn überhaupt, war ein Heiltrank?
Da erkannte ich an der Form des eines Fläschchens, dass dies wohl ein Heiltrank sein musste. Zumindest meinte ich mich erinnern zu können, dass sie genauso aussah wie eine von jenen, die sie zuvor noch Yasine gegeben hatte. Mir blieb nicht die Zeit noch lange zu überlegen, zumal ich vor der scheren Entscheidung stand, wem ich jetzt den Trank geben sollte.
Mir grauste, -musste ich jetzt Gott spielen?
Der Einen Leben geben, der Anderen das Leben nehmen?
Das konnte und wollte ich nicht, darüber sollten die Götter befinden. Ich flößte einer jeden die Hälfte des Trankes ein und betete dabei, dass die Heilkraft für beide reichen würde.
Und die Götter waren wirklich mit uns!
Nach einem kurzem Moment konnte ich spüren, wie bei beiden der Puls, wenn auch schwach, zurückkehrte. Aber trotzdem blieben sie in tiefer Ohnmacht, aber sie lebten, da gab es keinen Zweifel mehr!
Schließlich tauchte Samiana neben mir auf. Erschöpft zurücksinkend beobachtete ich, wie unsere Elfe ihnen die Hände auflegte und konnte erleichtert sehen, wie sie alsbald die Augen wieder aufschlugen. Irgendwie war es uns tatsächlich noch gelungen sie doch noch von Golgaris Schwingen herunter zu reißen!
Nachdem wir uns zumindest etwas von den gerade erlittenen Strapazen erholt hatten, begaben wir uns wieder nach oben, aber nicht ohne uns ausreichend mit den vorzüglichen Essensvorräten aus der Speisekammer auszustatten. Obwohl wir noch sehr erschöpft waren, gingen wir in die Bibliothek, um jenes schändliche Testament zu vernichten, doch es war verschwunden. Genauso war auch Irschan weg, mit all seinen Habseligkeiten und auch den wertvollen Büchern aus Vestors Kammer.
Anschließend begaben wir uns in den Westteil der Abtei, dabei fiel uns auf, dass nirgends auch nur eine der Mägde oder einer der Knechte zu sehen war. Wir fanden sie in ihren Kammern. Dort hatten sie sich ganz verängstigt versteckt und waren nicht zu beruhigen.
Da öffnete sich das Tor, von unserer Kammer aus sahen wir, wie eine einzelne Gestalt in den Hof trat. Umgehend ging ich nach unten, meine Gefährten folgten mir auf dem Fuße. Im Hof erkannte ich, wer da gekommen war.
Es war Rohezal, der einsame Wanderer, der uns hierher geschickt hatte. Wir gingen ihm entgegen, ihn zu begrüßen und um ihm zu berichten, was wir erlebt hatten.
Er war sehr erfreut, als er vernahm, dass der hiesige borbaradianische Zirkel zersprengt war. Lediglich die offensichtlich geglückte Flucht Irschans, sowie die Tatsache, dass nirgends eine gefangene Elfe zu finden gewesen war, beunruhigte ihn. Gehörte sie am Ende auch zu diesem verrufenen Kreis?
Hatte sie versucht ihn wie auch uns hier in die Falle zu locken?
Auf einmal unterbrach sich Rohezal und meinte er müsse noch einmal vor das Tor und sich um Fuldigor kümmern.
Ich wunderte mich, das war ein merkwürdiges Verhalten. War das sein Reittier?
Warum hatte er es nicht gleich mit herein gebracht?
Welch merkwürdiger Name!
Ich war sofort neugierig und machte mich auf ihn zu begleiten. Auch meine Gefährten folgten. Auf der Wiese vor dem Tor saß tatsächlich ein leibhaftiger, riesiger Drache!
Wie uns Rohezal mitteilte, war Fuldigor, ein noch junger Kaiserdrache, sein Freund und häufiger Begleiter. Es war ein überwältigender Anblick, ein unvergessliches Erlebnis!Trotzdem musste ich auch gleich an meine Gefährten denken. Zum einen war da Yasine, deren Angst vor Schlangen und anderem geschuppten Wesen ich schon erlebt hatte. Und dann natürlich waren da auch noch unsere tapferen und verwegenen Zwerge, die hoffentlich nicht sofort angreifen würden. Während ich Yasine zu beruhigen suchte und am lauten Schreien hinderte, beobachtete ich scharf unsere Zwerge, die sich tatsächlich nur mühsam beherrschen konnten.
Da hörte ich in meinem Kopf eine Stimme, sanft und doch ungeheuer kraftvoll. Sie grüßte mich und sprach freundliche Worte zu mir. Das konnte nur der Drache Fuldigor sein, der da mit mir sprach. Ich hatte so manche Fragen und auf alle erhielt ich eine Antwort, ohne dass ich dabei den Mund auch nur öffnen musste.
Es war wirklich mystisch, noch Wochen später meinte ich den Nachhall dieser Stimme zu hören!
Nun erzählten wir Rohezal den Rest der ganzen Geschichte und auch was wir vorhatten. Wir gedachten nämlich die Angroschgeweihtenschaft zu rufen, um den besudelten, entweihten Ort zu reinigen und neuerlich zu heiligen. Den Toten hatten wir eine Feuerbestattung zugedacht, bei der Fuldigors Feueratem recht hilfreich war.
Zu guter Letzt händigten wir ihm die gefundenen Schriftstücke aus, die Rohezal mit großem Interesse und wachsender Besorgnis las. Schließlich teilte er uns mit, er müsse nun doch umgehend wieder aufbrechen, seinen, in den Briefen erwähnten Freund in Fasar zu warnen.
Er dankte uns nochmals für unsere Hilfe bei Verfolgung und Vernichtung der verruchten Borbaradianer und überreichte uns, oder vielmehr stellvertretend Samiana zum Abschied eine Flöte. Mit dieser könne sie, sollten wir dereinst in große Nöte geraten, den Drachen Fuldigor rufen und um Hilfe bitten. Wir verabschiedeten uns nun von ihm und begaben uns zu Ruhe.
Am nächsten Morgen saßen wir Gefährten zusammen und berieten uns. Während die Zwerge noch länger im heimatlichen Ambossgebirge verweilen wollten, zog es mich jetzt endgültig in meine eigene Heimat, zu meiner Familie. Die Zwerge versprachen die Angroschgeweihten zu benachrichtigen, so konnten wir anderen baldigst aufbrechen und zunächst gen Gareth reisen.
Doch schon bald würde ich die beiden Zwerge wiedersehen, da ich ja noch mein Bastardschwert bei Balums Vater abzuholen gedachte. Also brachen wir, Yasine. Samiana, Ada und ich auf, um in Gareth noch einige der Dinge die wir gefunden hatten zu verkaufen. Dann reisten wir zusammen weiter gen Mitternacht, da wir noch ein gutes Stück gemeinsamen Weges vor uns hatten. Außer bei Yasine, die mich auf jeden Fall nach Drachenfels begleiten wollte, wusste ich nicht wohin die beiden anderen wollten. Gerne hätten sie alle mitkommen können, wenn sie denn gewollt hätten, schließlich hatte ich sie alle einst auf den Drachenfels eingeladen, doch wie es schien hatten sie andere Pläne. So war ich froh und glücklich mit Yasine wenigstens einen meiner Gefährten weiterhin an meiner Seite zu wissen und eben nicht ganz alleine reisen zu müssen.
Mir war es wichtig endlich nach meinem Vater zu schauen, ob es ihm mittlerweile besser ging? Auch wollte ich mich vergewissern ob die Bannstrahler Wort gehalten hatten und meinen Bruder Giselwulf wirklich freigelassen hatten.
Noch bevor wir uns auf ungewisse Zeit verabschiedeten, überreichte ich einem jeden einen selbstverfassten Freundschaftsbrief, der ihnen, sollten sie in Weiden mal in Schwierigkeiten geraten, hoffentlich weiterhelfen würde. Auch sagte ich ihnen, sollte es sie je in die Nähe von Drachenfels verschlagen, sie ja schon so gut wie verpflichtet wären, mal zu einem Besuch vorbei zu kommen.



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