In den Fängen der Inquisition

In den Fängen der Inquisition




30. Rondra 10 n. Hal – 19. Efferd 10 n. Hal



Nach unserer Verhaftung durch die Bannstrahler beim Traviatempel in der grünen Ebene verlief unsere Reise gen Süden recht trübsinnig. Ich hoffte etwas erreichen zu können wenn wir erst einmal weidnisches Gebiet erreicht hatten. Aber genau dies schienen auch diese Praiosschergen zu befürchten, denn sie waren sehr bemüht möglichst unauffällig und zügig durch diesen Landesstrich zu reisen. Bald sah ich meine Hoffnung schwinden, als einzigstes gelang es mir, zu veranlassen, dass ein Bote losgeschickt wurde, um die Freilassung meines Bruders Giselwulf zu verfügen. Es hatte den Anschein, man wollte uns schnellstens nach Wehrheim schaffen, wo sich der Hauptsitz der Inquisition und vor allem des Bannstrahlordens befand. Dort angekommen, wären wir ganz ihrer Willkür ausgeliefert, dann konnte uns nur noch ein Wunder retten.


19. Efferd 10 n. Hal



Als wir schließlich Wehrheim erreichten und ich schon alle Hoffnung begraben hatte, erblickte ich auf einmal in der Ferne den großen Herzog Waldemar von Weiden, inmitten seines Gefolges. Ich musste versuchen seine Aufmerksamkeit zu erregen!
Dies stellte sich allerdings als nicht so einfach dar, da er als berühmter Held von einigem zusammengelaufenem Volk umgeben war. Ich merkte, dass allein durch mein Rufen nichts zu erreichen war, obwohl meine Gefährten mich aus dem Inneren des Wagens nach besten Kräften unterstützten. Dazu versuchten die Bannstrahler unsere Bemühungen zu unterbinden. In meiner Not gab ich meinem Pferd die Sporen, so dass es wild auskeilte und scheute. Diesen Tumult den ich da veranstaltete bemerkte der Herzog schließlich und kam herübergeritten, um zu sehen was sich da abspielte. Ich rief ihn an, doch seines tapferen Bannerführers bei der Ogerschlacht zu gedenken. Ein weidener Sohn eines treuen Ritters, der sich nun unschuldig in den Fängen der Inquisition befindet.
Dies zeigte Wirkung, zumal mich der Herzog nun erkannte. Er polterte empört los und wollte wissen was hier vor sich ging. Auch wenn es nicht in seiner Macht unsere sofortige Freilassung zu erwirken, so setzte er doch durch, dass wir umgehend nach Gareth gebracht wurden. Die Pläne der Bannstrahler uns schnell hinzurichten waren sehr zu ihrem Verdruss nun schon mal vereitelt, denn sie wagten es nicht sich diesem, um das Reich verdienten Recken zu widersetzen.


21. Efferd 10 n. Hal



So ging unsere Reise weiter gen Gareth, wo wir sofort in die Stadt des Lichts gebracht wurden. Dort wurden wir in einem tiefem, dunklem Kellergewölbe eingesperrt, jeder in eine einzelne Zelle. Trotzdem konnten wir uns über den Gang hinweg unterhalten, was uns unser Los etwas erträglicher machte. Yasine erklärte uns jetzt, als Rechtsgelehrte wusste sie nur zu gut Bescheid, was uns nun erwartete. Zuerst würde man uns einzeln verhören, sogar foltern um ein Geständnis oder zumindest irgendwelche belastende Aussagen zu erhalten. Dann würde eines Tages schließlich ein sogenannter öffentlicher Prozess stattfinden, bei dem in der Regel aber schon vorher das Urteil feststand. Dabei ging es nur darum, wenigstens nach außen, hin die Form zu wahren. Sie meinte wir, wir sollten uns nichts vormachen, man wolle uns um jeden Preis hinrichten, wenn es uns nicht vorher gelang den Kerkern zu entkommen. Letzten Endes ginge es darum, die Gelegenheit zu nutzen, um an uns ein Exempel zu statuieren, zur Abschreckung für andere. Da sonst niemand von unserem Schicksal wusste, mussten wir versuchen einen von uns schnell hier herauszubringen. So konnte jener dann versuchen unsere Unschuld zu beweisen oder besser noch mächtige Fürsprecher für uns zu finden.
Da gab es doch einige die sich für uns verwenden könnten, wenn es uns nur gelang mit ihnen Kontakt aufzunehmen. Wie Yasine uns weiter erläuterte, waren sie selbst und ich als Adelsspross diejenigen die wohl die besten Aussichten hatten. Was mich betraf, wussten wir nicht wann Hilfe von Herzog Waldemar zu erwarten war. Yasine hatte die Möglichkeit zu verlangen vor ein Gericht ihrer eigenen Kirche gestellt zu werden, sie müsste dann allerdings offenbaren, dass sie eine Geweihte der Phexkirche ist.


22. Efferd 10 n. Hal



Früh am nächsten Morgen öffnete sich die Türe zu unserem Gang. Sie kamen, um umgehend mit dem Verhör zu beginnen. Als erstes nahmen sie Samiana mit. Nach recht kurzer Zeit wurde sie schon wieder zurückgebracht, die Arme sah allerdings recht mitgenommen aus. Man ging hier wirklich nicht gerade zimperlich mit den Gefangenen um.
Als nächsten holten sie dann mich. Ich wurde in eine kleine Kammer am Ende des Ganges gebracht, in dem sich allerlei schon schrecklich anzuschauendes Foltergerät befand. Doch als sich die Türe wieder öffnete, trat zu meiner Freude Herzog Waldemar in den Raum. Barsch schickte er die Praiosschergen hinaus. Als wir alleine waren teilte er mir mit, dass man uns einen heimtückischen Mord in Trallop, die mutwillige Zerstörung eines Traviatempels, sowie die Unterstützung eines Dieners des Namenlosen wenn nicht sogar die Anbetung desselben, vorwarf.
Als er geendet hatte fragte er mich ganz direkt, ob ich nun im Sinne dieser Anklage schuldig war. Ich verneinte, was er mir sofort glaubte, für ihn wäre das Ganze nun schon erledigt gewesen!!
Ich erzählte ihm dann noch in kurzen Worten was alles geschehen war. Auch er konnte es nicht fassen, dass man uns eingesperrt hatte. Er brummelte dann etwas in seinen Bart, was klang wie, eigentlich hättet ihr sogar einen Orden verdient und nicht das Inquisitionsgericht. Bevor er dann ging, sagte er, er werde dafür Sorge tragen, dass mein Fall vor das weidener Hochgericht verlegt werde. Dort könne er selbst dann das Richteramt wahrnehmen und werde dann schon das rechte Urteil sprechen. Dies könne allerdings einige Tage dauern, denn die Inquisition gäbe ihre Beute nur ungern frei. Für meine tapferen Gefährten jedoch könne er bedauerlicherweise nicht viel tun. Zurück in meiner Zelle konnte ich immerhin meinen Gefährten mitteilen was man uns eigentlich überhaupt vorwarf.
Nachdem Yasine dies vernommen hatte fasste sie schweren Herzens den Entschluss sich als Geweihte zu offenbaren. Sie sagte, wenn es ihr gelingt dem Gericht ihrer Kirche ihre Unschuld klar zu machen und sie frei komme, werde sie versuchen alte Kontakte aus ihrer Zeit an der Rechtschule hier in Gareth anzuknüpfen. Sie riet uns etwas Geduld zu haben, weiterhin standhaft zu bleiben und bloß keine belastende Aussagen zu machen. Am sichersten wäre es gar nichts zu sagen. Dann rief sie laut nach den Wachen, sie wolle ein Geständnis machen. Ob dieser Nachricht wurde sie eilends in den Befragungsraum gebracht. Kurz darauf verließ einer der Bannstrahler den Raum und kehrte wenig später mit einem Praiosgeweihten wieder. Nicht lange danach wurde Yasine weggebracht. Nun blieb uns also nichts anderes übrig als zu warten und ihr zu vertrauen.
Die Tage vergingen endlos langsam und wurden lediglich unterbrochen, wenn sie einen meiner Gefährten abholten, um ihn in die Folterkammer zu schleppen. Täglich einmal wurde ein jeder zur Befragung geholt, nur ich blieb verschont. Aber auch ich litt, wenn ich sah wie meine armen Gefährten mehr und mehr geschunden zurückgebracht wurden. Vor allem Samiana und Ada, die ihre meiste Zeit in der freien Natur verbracht hatten litten unter diesen ihnen feindlichen Umständen. Aber auch die wackeren Zwerge wurden an ihre körperlichen Grenzen geführt.


25. Efferd 10 n. Hal



Nach einigen Tagen machte sich zunehmend Hoffnungslosigkeit breit, der ein oder andere begann daran zu zweifeln ob Yasine uns überhaupt helfen würde. So gut ich konnte versuchte ich ihnen Mut zu zusprechen, versicherte ihnen, dass Yasine bestimmt einen Weg finden würde und uns gewiss nicht im Stich lassen würde. Ich hatte allerdings die Sorge, dass ihr etwas zugestoßen sein könnte und sie deswegen gar nicht mehr helfen konnte...
Eines Nachts war sie dann auf einmal da, allerdings in großer Eile, da sie befürchtete, dass sie die Wachen doch noch entdecken mochten. Wie sie es überhaupt geschafft hatte in dieses sehr gut gesicherte Verließ vorzudringen, will ich lieber gar nicht wissen. Wie sie uns mitteilte war die einzigste Möglichkeit den Fängen der Praiosschergen zu entfliehen, wenn die zwei Zwerge sich bei der Verhandlung gegenseitig des Mordes zu Trallop beschuldigen würden. Denn dann würden sie, der Lex Zwergia zufolge, der zwergischen Gerichtsbarkeit unterstehen, sofern diese sie einfordert und auszulösen bereit sei. Dementsprechend hatte sie auch schon einiges mit dem Garether Angroschpriester verhandelt und abgeklärt. Weiter müsse dann Samiana als Elfe, da sie ja nun keines Kapitalverbrechens, wie zum Beispiel eines Mordes, mehr angeklagt werden könne, dem Tralloper Vertrag zufolge freigelassen werden. Dieser Vertrag nämlich regele das Zusammenleben der Menschen und der Elfen und nach diesem dürfe sie dann nur noch hinsichtlich der anderen Vergehen belehrt werden und dann dürfe sie gehen wohin sie wolle.
Was Ada betreffe, sei dies noch ein Problem. Sie könne nur hoffen genug Zeit zu gewinnen, bis Mutter Herdgard, die sie benachrichtigt hatte, hier eintreffen und dann zu ihren Gunsten aussagen würde. Dementsprechend habe sie auch schon etwas unternommen, sie ließ etwas von Verfahrensfehler oder ähnlichem anklingen. Auch habe sie, wie zuvor abgesprochen, den Baron Dexter Nemrod benachrichtigt, dieser sei uns ja noch etwas schuldig für unsere Verdienste vor der Ogerschlacht. Da vernahmen wir auf einmal Geräusche, die Wächter kamen, es schien als sie suchten sie jemand. Hastig verabschiedete sich Yasine und verschwand im Dunkel des Ganges. Wir dagegen fingen an einen riesigen Lärm zu veranstalten, verlangten lauthals nach Wasser und dergleichen mehr. Wir konnten nur hoffen das dieses Ablenkungsmanöver Yasine eine erfolgreiche Flucht ermöglichen würde.


27. Efferd 10 n. Hal



Am Tag darauf wurden die Zwerge geholt, es war der Tag ihrer öffentlichen Gerichtsverhandlung. Man wollte uns nun wohl uns ohne ein Geständniss zu verurteilen. Auch wir wurden mitgeschleppt, sollten wir doch Zeuge ihrer Verurteilung und Hinrichtung werden. Man führte uns unter lauten Schmährufen der Bevölkerung durch die Gassen, bis wir schließlich auf einem großem Platze anlangten. In der Mitte war ein Podest aufgebaut, sodass jeder gut verfolgen konnte wie streng die Praioskirche zu richten pflegt. Welch bodenlose Schmach mussten wir hier über uns ergehen lassen!!

Noch bevor die Verhandlung richtig beginnen konnte, fingen die Zwerge an sich gegenseitig zu beschimpfen und sich des Mordes und weiterer Schandtaten zu beschuldigen. Obwohl sie sich zunächst vehement gegen diesen Mummenschanz gewehrt hatten, spielten sie ihn so perfekt, dass sie kaum zu beruhigen waren. Als dies dann doch endlich gelungen war, trat ein anderer Zwerg vor. Er gab sich als Angroschgeweihter und Bevollmächtigter des Bergkönigs Arombolosch, Sohn des Agam zu erkennen. Er verlangte, da es sich offensichtlich um einen Zwist unter Zwergen handele die Übergabe dieser Zwerge unter die eigene Gerichtsbarkeit, ganz nach dem Recht der Lex Zwergia. Der Inquisitor, Oberst Marcian, musste diesem Gesuch stattgeben. Der Ordensmeister der Bannstrahler, Ucurian Jago, dagegen wollte dies so nicht hinnehmen und protestierte heftigst, sah er sich doch seiner Beute beraubt. Doch trotz aller heftigen Proteste musste er sich schließlich wutschnaubend dem Inquisitor beugen.
Da es nun nichts mehr zu richten gab, wurden wir zurück in den Kerker geführt. Dabei konnte ich in der Menge vor mir noch einen kurzen Blick auf unsere gute, treue Gefährtin Yasine erhaschen, die mir noch ein mutmachendes Zeichen gab. Die zwei Zwerge hingegen wurden der Gewahrsam der Angroschgeweihtenschaft übergeben.


28. Efferd 10 n. Hal



Am nächsten Tag wiederholte sich das ganze Procedere, nur war dieses mal ich der Angeklagte. Nachdem die Anklage vorgelesen worden war, trat der Herzog Waldemar von Weiden unter allgemeinen Raunen hervor. Mit lauter Stimme verkündete er, dass er sich für mich als seinen treuen und tapferen Lehnsmann verbürge. Er sei von meiner Unschuld überzeugt und verlange meine Freilassung und übernähme dafür auch die volle Verantwortung. Dem nicht genug trat da auf einmal auch Graf Dexter Nemrod vor, auch kein Unbekannter, und sagte ebenfalls zu meinen Gunsten aus. Nach solch mächtiger Fürsprache blieb dem Inquisitor Oberst Marcian nichts anderes übrig, als mich in allen Punkten der Anklage freizusprechen. Kaum hatte er diesen Richtspruch verkündet, sah ich wie Baron Dexter Nemrod ihm wohlwollend auf die Schulter klopfte und dann die Stätte verließ. Dabei kam er ganz dicht an mir vorbei nickte mir zu und meinte, dass wir nun quitt seien. Ich nickte ebenfalls und dankte ihm. Auch Herzog Waldemar dankte ich aufrichtigst und schwor ihm erneut ewige Gefolgschaft.
Derweil zeterte der Meister der Bannstrahler Ucurian Jago lauthals. War er schon am Tag zuvor recht zornig gewesen, so erlitt er heute einen regelrechten Tobsuchtsanfall, zumal er Dexter Nemrods Schulterklopfen auch gesehen hatte. Er konnte seinen Hass gegenüber dem Inquisitor Oberst Marcian kaum noch verhehlen. Während Samiana und Ada wieder abgeführt wurden, kam Yasine auf mich zu. Wir begrüßten uns freudig und ich dankte ihr herzlich für all ihre Bemühungen während der letzten Tage. Wie meist in solchen Fällen sagte sie nur, es werde sich bestimmt bald eine Gelegenheit finden eine entsprechende Gegenleistung zu erbringen. Es wäre zwar nicht wirklich nötig gewesen das ausgerechnet mir gegenüber noch einmal zu erwähnen, wo sie doch bestimmt weiß, dass sie jederzeit auf mich zählen kann!! Aber so war sie nun mal, unsere Rechtsgelehrte und Phexgeweihte....
Gemeinsam nahmen wir unseren, von den Bannstrahlern konfiszierten Besitz entgegen und suchten uns erst mal in eine ansprechende Herberge. Unsere Wahl fiel dabei auf die preiswerte und doch leidlich komfortable Herberge mit dem klangvollem Namen “ Schwert und Panzer“ in Alt-Gareth.


29. Efferd 10 n. Hal



Heute schließlich wurden auch Samiana und Ada freigelassen. Dies ging jetzt alles recht schnell, da man sich wohl weitere peinliche Auftritte ersparen wollte. Gerade bei Ada waren scheinbar unerklärliche Verfahrensfehler aufgetreten, wie mir Yasine mit einem wahrhaft schelmischen Lächeln mitteilte. Ich konnte nur den Kopf schütteln und ebenfalls lachen, ich wollte lieber keine weiteren Einzelheiten wissen. Wir holten unsere Gefährtinnen ab und brachten sie in unsere Herberge, wo sie sich erst einmal von ihren Strapazen erholen konnten. Wir dagegen zogen los und stürzten uns genussvoll ins Stadtleben. Es war richtig wohltuend sich wieder an ihrer Seite frei und unbeschwert bewegen zu können. Das Einzigste was es zu tun gab, war abzuwarten wann die Zwerge ausgelöst wurden, um dann ins Ambossgebirge gebracht zu werden. Gemeinsam tätigten wir einige Besorgungen, suchten verschiedene Tempel, wie den Rondra-, Phex- und Ingerimmtempel auf, um auch den Göttern mit unseren Gaben zu danken.


3. Travia 10 n. Hal



Nach einigen Tagen der Ruhe hatten sich unsere Gefährtinnen schon recht gut erholt, auch wenn sie sich in der Stadt nicht recht wohl fühlen mochten. Gerade Samiana pflegte Ada, die sich etwas langsamer als sie erholte, besonders hingebungsvoll, wohl um ihren eigenen Kummer zu vertreiben und zu vergessen.
An diesem Nachmittag war ich gerade dabei unsere Waffen, also auch Yasines Kunchomer, eine merkwürdig geformte und doch gute Klinge mit meinem Waffenpflegeset zu behandeln. Noch während ich Yasine erklärte und zeigte wie man seine Waffe gewissenhaft pflegt, klopfte es laut an unsere Türe. Als ich öffnete, stand vor mir ein Zwerg aus dem Angroschtempel. Er grüßte nach zwergenart und teilte uns mit, dass am nächsten Tag die Zwerge mit unseren Gefährten ins Ambossgebirge aufbrechen würden. Weiter erklärte er uns, dass wir uns gerne dem Zug anschließen könnten, zumindest bis vor die Tore der heiligen Hallen. Ganz Zwerg konnte er sich eine abfällige Bemerkung über unsere elfische Freundin Samiana nicht verkneifen, bevor er sich wieder verabschiedete. Ich kannte die Zwerge nun aber schon lange genug um ihm dies nicht zu verübeln.
Ich teilte meinen mir verbliebenen Freunden und Gefährtinnen mit was ich soeben erfahren hatte. Weiter sagte ich ihnen, dass ich gedachte auf jeden Fall die Zwerge zu begleiten, ja es als meine Pflicht ansah alles zu tun um sie zu befreien.
Es war mir wichtig ihnen jeweils die Wahl über ihren eigenen Weg zu lassen, denn nicht jeder fühlt sich berufen, nach solchen Erlebnissen noch weiter auf Reisen und sich dabei in mögliche neue Gefahren zu begeben. Ich war sehr erfreut und auch stolz, dass sie sich alle entschlossen ebenfalls in den Amboss zu reisen. Wir besprachen noch weitere Dinge, so entschieden wir uns, das Pferd Sephirims zu verkaufen. Auch wenn es ein gutes Tier war konnten wir es nun nicht mehr brauchen und dafür unsere angegriffene Reisekasse aufbessern. Ich bat Yasine mich zu begleiten, da sie über wesentlich mehr Verhandlungsgeschick verfügt wie ich. Außerdem wollte ich auch noch andere Märkte besuchen, um noch verschiedene Dinge zu besorgen und in solchen Fällen, muss ich zugeben, ist es immer ein beruhigendes Gefühl sie dabei zu haben. Bereitwillig schloss sie sich mir an.
Auf dem Weg zum Pferdemarkt erklärte ich Yasine dann noch die Vorzüge und Qualitäten des Pferdes und den von mir grob geschätzten Wert von 100 Dukaten. Dort angekommen bot ich unser Pferd verschiedenen Händlern an, das beste Angebot das ich bekam waren lausige 40 Dukaten. Für so einen Schleuderpreis wollte ich aber das Pferd nicht verkaufen. Ich drehte mich schon um und wollte das Pferd schon wieder mitnehmen, da erhöhte der Händler sein Angebot. Nach einigem Hin und her war er immerhin bereit mir 60 Dukaten zu geben, was zwar immer noch reichlich wenig war. Da Yasine auf einmal verschwunden war und sich bis jetzt überhaupt noch nicht an der Feilscherei beteiligt hatte hegte ich keinerlei Hoffnung mehr. Ich würde wohl keinen besseren Preis mehr erzielen, mich wollte schon die schiere Verzweiflung packen. Ich wollte gerade in die dargebotene Hand des Händlers einschlagen, da ertönte endlich die mir vertraute Stimme Yasines. Zu meiner völligen Überraschung allerdings bot sie mir 65 Dukaten für das Pferd, wollte sie jetzt das Pferd kaufen?
Ehe ich begriff was geschah überbot nun seinerseits der Händler ihr Gebot. Ich staunte nur noch und schwieg. Munter boten sich die beiden auf sage und schreibe 80 Dukaten hoch!
Da stieg der Händler endgültig aus , bei Yasines letztem Gebot von 89 Dukaten wollte er nicht mehr mitgehen, hatte sie den Bogen jetzt überspannt? Ich befürchtete schon, dass nun tatsächlich Yasine das Pferd kaufen musste, doch wieder überrumpelte sie uns alle. Mit einem einnehmenden Lächeln überließ sie großzügigerweise dem Händler für “nur“ 83 Dukaten das Kaufrecht, der schlug ein, das Geschäft war gemacht!
Ich beeilte mich das Geld entgegen zu nehmen, übergab dem Händler das Pferd und entfernte mich rasch. Als ich den Pferdemarkt verließ, tauchte Yasine mit einem breiten Grinsen wieder neben mir auf. Ich gratulierte ihr zu dem großartigem Verkauf und schlug vor, dass wir uns jetzt ja wohl ein zünftiges Festessen verdient hatten. Von den 83 Dukaten erlaubten wir uns drei abzuzweigen und ließen es uns so richtig gut gehen und genossen ein richtiges feudales Abendessen im Hotel Seelander! Dabei überreichte ihr noch, als Dankeschön für ihr Bemühen für mich und unsere Gefährten, zwei schöne phexgefällige Rubine, die ich zuvor bei einem Edelsteinhändler erstanden hatte. Am Aufleuchten ihrer Augen konnte ich erkennen, dass die Gabe wohlwollend angenommen worden war. Auch erneuerte ich mein Versprechen, sie, so sie es wünsche, wohlbehalten in ihre Heimat zu geleiten. Danach kehrten wir in unsere Unterkunft zurück und teilten das restliche Geld auf.


4. Travia 10 n. Hal



Am nächsten Morgen brachen wir auf und schlossen uns dem Zug der Zwerge an. Die vielen Stunden der Reise, die Yasine und ich gemeinsam auf unseren Pferden reitend verbrachten, nutzte ich, um ihr all mein Wissen über die Sitten und die Lebensweise der Zwerge mitzuteilen. Auch lehrte ich sie nach besten Kräften die Sprache der Zwerge, sodass sie sich an unserem Ziele auch selbst auf Rogolan würde verständigen können. Sie erwies sich als wissbegierige und gelehrige Schülerin!
Während der Reise konnten wir auch einige Zeit mit Korgrimm und Balum verbringen, die lediglich durch ihr Ehrenwort gebunden alle Freiheiten genossen.


13. Travia 10 n. Hal



Nach nunmehr zehn Tagesreisen erreichten wir heute die Ausläufer des Ambossgebirges und somit auch die ersten vorgelagerten, befestigten Vorposten des Bergkönigreiches Waldwacht. Sie stammten wie uns Korgrimm voller Stolz erzählte noch aus dem Zeitalter der Echsen, seien aber noch voll intakt und könnten jederzeit wieder zu vollem Einsatz kommen, sollte es nötig werden.
Nach drei weiteren Tagesreisen verabschieden wir uns dann von Samiana. Sie wäre als Elfe nie von den Zwergen in ihren Hallen geduldet worden, hatte aber auch so nicht das Bedürfnis gehabt, sich in die einengenden Hallen der Zwerge, wie sie es nannte, zu begeben. Wir gaben ihr reichlich von unserem Proviant aus unseren Vorräten und versprachen ihr bald Bericht zu erstatten. Zu meiner Überraschung entschloss sich Ada, uns weiterhin zu begleiten. Ich hatte damit gerechnet, dass sie auch eher den Aufenthalt in der freien Natur vorziehen würde. Je mehr wir uns den heiligen Hallen näherten, umso größer wurde die Begeisterung unserer beiden Zwerge. Vor allem Korgrimm wurde nicht müde, uns immer wieder auf die gut getarnten Befestigungen und Vorwerke hinzuweisen.


19. Travia 10 n. Hal



Nach einer mühsamen Kletterpartie standen wir schließlich vor den Toren des Bergkönigreiches Waldwacht. Nachdem das richtige Losungswort genannt worden war, öffneten sich langsam die gewaltigen Torflügel. Während dessen warnte und erläuterte Korgrimm uns, dabei in den Talkessel deutend, uns nie alleine dort hin zu begeben. Denn dieser sei, in stetiger Wachsamkeit möglicher Angriffe von Drachen oder anderem echsischem Gezücht gespickt von Fallen in denen ein Unwissender schnell den Weg in Borons Hallen finden würde. Als wir dann eintraten wurden wir in die Gästeunterkünfte nahe des Tores gebracht. Hier mussten wir uns auch von den Zwergen verabschieden. Dank meiner und nun auch Yasines Kenntnissen in Rogolan konnten wir uns leidlich einrichten. Bei Ada hatte ich allerdings manchmal den Eindruck als würde ihr der Aufenthalt in den Hallen Mühe bereiten. Aber sie ließ sich nicht allzu viel anmerken.


20. Travia 10 n. Hal



Heute Nachmittag erreichte uns die Nachricht, dass unsere Gefährten freigesprochen worden waren und man schon eifrig dabei war dies gebührend zu feiern. Zu diesen einige Tage währenden Feierlichkeiten waren dann auch wir geladen, ja man erwartete von uns sogar nach zwergenart kräftig mitzufeiern. Für mich war dies kein Problem, hatte ich doch schon durch meinen früheren Aufenthalt hier im Ambossgebirge bei den Sippen von Korgrimm und Balum das Zwergenbier hinreichend schätzen gelernt. Meine zwei Gefährtinnen hingegen enthielten sich lieber des guten Bieres, für mich war dies nichts Ungewöhnliches, aber den Zwergen fiel dies schon als recht merkwürdig auf. Doch in ihrem Überschwang übersahen sie es geflissentlich und ließen sich ihre eigene Feierlaune nicht verderben.
Im Rahmen der Feierlichkeiten wurden wir auch dem ehrwürdigem Bergkönig Arombolosch, Sohn des Agam, vorgestellt, was für uns eine besondere und unvergessene Auszeichnung war. Wohlwollend wurde auch, gerade vom König, zur Kenntnis genommen, dass wir uns ganz gut in Rogolan verständigen konnten. Gerade Yasine befleißigte sich eifrig ihre frisch erworbenen Kenntnisse zu verwenden.
Aber auch die schönsten Feste gehen irgendwann zu Ende, so auch dieses hier. Während Ada sich aufmachte um Samiana zu berichten und mit ihr gemeinsam noch auf Kräutersuche zu gehen, führte ich Yasine zu Balin, Balums Vater, der wie ich wusste ein hervorragender Schmied ist. Wir trafen ihn in seiner Schmiede an und bewunderten dort seine durchweg hervorragenden handwerklichen Erzeugnisse. Yasine kaufte sich eine kleine Schatulle mit Feinwerkzeug und war so stolz nun bestes, von zwergenhand gefertigtes Werkzeug zu besitzen, dass sie ganz gegen ihre Art auf jegliches Feilschen verzichtete. Aber auch ich bewunderte die Qualität all der guten handwerklichen Arbeiten und natürlich vor allem die Waffen. Da ich dabei keine Schwerter entdecken konnte, fragte ich ihn, ob er auch er solche fertigen könne, denn schon lange wünschte ich mir ein gutes Bastardschwert zu besitzen. Als er dies bejahte, beschrieb ich ihm ausführlich meine Vorstellungen und zeigte ihm mein Drachenschwert, welches als Gestaltungsvorbild dienen sollte. Dann kam der entscheidende Moment, ich fragte ihn was das dann kosten würde. Er nannte mir einen durchaus erschwinglichen Preis von 25 Dukaten. Nachdem ich meine Geldkatze zu Rate gezogen hatte, stellte ich fest, dass ich mir dies sogar leisten konnte. Allerdings bliebe mir anschließend nicht mehr viel übrig, ich zögerte....
Da schaltete sich Yasine ein und pries mir regelrecht die allgemein bekannte Qualität der zwergischen Schmiede an. Sie ermunterte mich die günstige Gelegenheit doch zu nutzen um mir meinen lang gehegten Traum, endlich ein solches Schwert zu besitzen, nun doch zu erfüllen. Wahrscheinlich hatte ich schon zu lange und zu oft von den Vorzügen einer solch edlen Waffe geschwärmt und erzählt. Als ich aber weiterhin unentschlossen war, bot sie mir zuerst fünf, dann sogar sieben Dukaten an, als ihren Beitrag zu meinem Schwert! Ich war überwältigt und ihr zutiefst dankbar für diese großzügige Gabe. Mit einem Augenzwinkern meinte sie dann nur, sie gehe ja davon aus, dass sie wohl demnächst sicher und hoch zu Ross gen Rashdul gebracht werde. Ich versicherte ihr, dass ich dies ja schon versprochen hatte und natürlich auch halten würde. Nun aber würde ich sie bis ans Ende Deres und zurück geleiten, so sie es wünsche und wenn es das Letzte wäre welches ich tun würde!!
Nun also bestellte ich das Schwert. Balums Vater versprach mir das gewünschte Schwert zu fertigen und sagte ich könne es dann in fünf Wochen abholen. Yasine versuchte noch, unter Einsatz ihres ganzen, beinah unwiderstehlichen Charmes, ihn dazu zu bewegen es vielleicht doch etwas schneller zu schmieden. Aber mit zwergischer Bestimmtheit meinte er nur, gute Arbeit brauche halt nun seine Zeit!
Also begaben wir uns zurück in unsere Unterkünfte, wo wir neben Ada zu unserer Überraschung auch Samiana vorfanden. Wie sie uns berichteten hatten sie gemeinsam eine äußerst seltene und ganz besondere Pflanze gefunden und bestimmen können. Dabei handelte es sich um eine Alveranie. Diese Kunde war sogar zum Bergkönig Arombolosch vorgedrungen, der dies als besonderes Zeichen der Götter gewertet und daraufhin auch Samiana in die Hallen geladen hatte.
Nun solchermaßen vereint verbrachten wir die letzten Stunden im Ambossgebirge vor allem mit Korgrimms und Balums Familien. Dabei erzählte uns Balin, Balums Vater viel Neues und Wissenswertes über die verschiedenen Erze und Metalle, über ihre Qualitäten und Verarbeitung. Als Korgrimm dabei vernahm, dass das besonders wertvolle und seltene Metall Endurium nur auf Maraskan gefunden wurde, wollte er sofort dorthin aufbrechen. Nachdem er jedoch vernommen hatte, dass Maraskan eine Insel im Meer ist und nur über eine mehrtägige Schiffsreise zu erreichen ist, kühlte sein Tatendrang diesbezüglich wieder stark ab.


25. Travia 10 n. Hal



Obwohl uns der Abschied von den Zwergen, insbesondere von Balums und Korgrimms Familie schwer fiel brachen wir heute in Richtung Osten auf. So die Götter es zuließen, gedachten wir nun endlich zusammen gen Drachenfels zu reisen.



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