Brief von Lucan

Liebe Cerberis,

schlüssig und klar hast Du mir Deine Bedenken dargelegt und der Schluss war zwingend. Ich teile Deine Auffassung und unterstreiche Deine Argumentation. Du weißt, ich bin neuen Horizonten stets zugeneigt, denn unser Herr Nandus spornt uns stets aufs Neue an, diese zu erweitern, uns immer neu zu öffnen und nie bei einer Errungenschaft zu verweilen. Doch ist er auch der Sohn der Sterne und lehrt uns die Einzigartigkeit und Kostbarkeit der Seele. Werden unsere Seelen einst in Borons Hallen eingehen oder ins Meer der Sterne, es ist recht so. Die Götter wollten den Tod in seiner Absolutheit, und trotz allen Vorstoßens zu Grenzen und Horizonten müssen wir, als ihre Kinder, die Weisheit ihres Ratschlusses akzeptieren und die letzte Grenze als solche anerkennen.

Eine Sorge ist mir nun genommen, da Du die Nekromantie verwirfst. Doch damit tun sich mir tausend neue Sorgen auf, weiß ich doch, worauf Du Deine Studien statt dessen konzentrierst. Nicht zweifle ich an Deiner Fähigkeit, wenn auch Fähigkeit nicht alles sein darf, was uns wappnet. Wie viele fähige Geister, groß an Wissensdurst und Potential, die trotz allem der Verlockung erlagen! Es ist eines, Erkenntnis zu suchen, jedoch ein anderes, der Versuchung zu widerstehen. Du argumentiertest mit Willenskraft, und dass es Dir daran nicht mangele. Fürwahr, meine Liebe! Doch heißt es nicht: "Der Wille ist die Blüte am Strauch, die Wurzel jedoch der Glaube"? Ist die Wurzel faul, mag der Strauch wohl Triebe hervorbringen, doch kaum werden ihnen Blüten entspringen!

Allzu oft haben wir dies Thema nun in Ausführlichkeit diskutiert; Du kennst meinen Standpunkt und meine Sorge, ich brauche mich nicht erneut zu erklären. Wohl weiß ich, dass Dich beides nicht abhalten wird. So bitte ich Dich nur dieses: sei achtsam, reflektiere gewissenhaft und stehe treu im Glauben!

Ich werde voraussichtlich noch länger in Methumis verweilen um meine Studien zu beenden, jedoch ich glaube kurz vor der Entwirrung des Änigma zu stehen! Bin ich auch sehr beschäftigt und halte mich kurz, so fahre doch fort, mich über Deine Angelegenheiten zu unterrichten und lass mich weiterhin um Dein Wohl wissen.

Unser Herr Nandus sei Dir stets nahe,
Lucan

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