| Finnja erinnert sich |
„...Ich freu mich immer so, wenn die Ada gerufn wird, obwohl man sich ja nich freun soll, wenn wer im Dorf krank is. Plötzlich klopfts dann abends an der Türe unds is die Ada und bittet um Einlass. Die weiß, dass ichs gern hab, wenn ich se zwischn den Krankengängen bewirten und ihr n Nachtlager geben kann. Am schönsten is es, wenn se den kleinen Benon dabei hat. Der is fast gleich alt mit meinem Jüngsten und die Zweie sind ganz dicke miteinander. Beim letzten Mal haben se so schöne Boote geschnitzt und se in der Bach fahrn lassen. Die sind geschwommen von der Mühlwies bis runter zum Dreisprung! Das war ein Spaß!
Abers hat mich doch ein bissl traurig gemacht, denn ich musst dran denken, dass das Schiff vom Satinav noch schneller fährt wie die kleinen Bootlin. Als die Ada und ich noch Kinder warn, da haben wir auch immer Boote geschnitzt und sie fahrn lassen, und heut schaun wir unsern eigenen Kindern bei zu.
Dass die Ada noch den Benon gekriegt hat, das hätt auch keiner gedacht. Das ging so schnell damals, da sieht man se den ganzen Sommer nich, und dann hat se das kleine Würmle im Arm. Würd ja so gern wissen, wer der Vater von dem Kleinen is, aber die verrät einfach nix, die Ada. Da kannste Stunden bohrn und dann lächelt se und sagt: Finnja, ich sag nix, aber kannst nochmal Teewasser heiß machn. Dabei sag ich ihr immer, wenn se’s doch nur sagen würd, dann würd auch das Geschwatz von den Leuts aufhörn. Aber das scheint se gar nich zu störn.
Zuerst hatten ja damals alle den Bertram in Verdacht, weil der doch so verliebt war in die Ada. Glaubn ja auch heut noch viele, dass der Benon von ihm is, obwohl der Benon blonder is als de Sumpfdotterblumn. Nee, der Bertram wars bestimmt nich, der wüssts nämlich auch gern um dem Kerl die Knochn zu brechn. Hab meinen Bruder nie so wütend gesehn wie damals, als er davon gehört hat. Denke, der hängt heut noch an der Ada und wünscht sich, dass er nich die Irmgard genommen hätt. Und mit der kann man ja auch nich auskommen, so dumm wie n Stuhl wie die is.
Ja, die Ada, die hab ich immer gern da, die hats auch nich leicht im Leben, ohne Vater für ihrn Sohn. Geb den beiden immer frischn Käs mit und guten Schinken, wenn ich einen hab, für die Frau Iriana, die muss se ja auch noch durchbringen, wird ja auch nich jünger. Ich sag immer, se soll die Grüße nich vergessen von mir an die liebe Frau Iriana...“
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