Das Schicksal führt uns wieder gen Norden

Die Reise nach Weiden


4. Rondra 10 n. Hal




Am nächsten Morgen trafen wir uns zur vereinbarten Stunde mit Sephirim am Nordtor. Schon von weitem sahen wir, daß er in einen heftigen, lautstarken Streit mit einem Fuhrknecht verwickelt war. Schließlich drehte sich der Knecht um und ging davon, den vor Wut schnaubenden Sephirim einfach stehen lassend. Ich war erschrocken, wie ein fast bodenloser Zorn und Hass Sephirims Gesicht verzerrte. Unser ansichtig geworden, glättete sich sein Gesichtsausdruck fast augenblicklich wieder. Sich immer noch über zu hohe Lohnforderungen hiesiger Fuhrknechte beschwerend, fragte er uns dann, ob wir seinen zweiten Planwagen fahren könnten, da er nun niemand mehr habe.
Da wir schon etwas Erfahrungen mit einem einspännigen Wagen hatten sammeln können, sagten wir, daß wir es zumindest mal versuchen könnten. Korgrimm schwang sich sogleich auf den Kutschbock, sichtlich erleichtert später nicht auf dem Pferd hinter unserer Elfe Samiana reiten zu müssen...
Während Yasine, wie gewohnt bei mir auf dem Pferde Platz nahm, ergriff ich den Führstrick eines der Kutschpferde. So gelang es uns den Wagen ohne größere Probleme durch die engen Gassen Gareths hinaus aufs offene Land zu manövrieren. Kaum hatten wir die Stadt und ihre Vororte hinter uns gelassen, tauchte Samiana aus den Tiefen eines Waldes auf und schloss sich uns nun gleichfalls an. Die weitere Reise gen Mitternacht verlief ohne große Störungen. Sephirim zeigte sich in allen Belangen recht großzügig was Unterkunft und Verpflegung betraf, so daß uns weder für uns noch für unsere Pferde irgendwelche Unkosten entstanden.
Bei den abendlichen Gesprächen erfuhren wir dann auch mehr über sein eigentliches Reiseziel und Vorhaben. Er erzählte uns von einer Traviageweihten, die unlängst einer Vision ihrer Göttin folgend gen Mitternacht gezogen war, um jenseits der berüchtigten Roten Sichel, zu Beginn der sogenannten großen, grünen Ebene einen Traviatempel zu errichten. Mit ihr war ein ganzer Siedlertreck gezogen, den zu versorgen, vielmehr mit denen er, Sephirim, nun zu handeln vorhatte.


Endlich wieder in Weiden


11. Rondra 10 n. Hal




Am 11. Rondra betrat ich, nach nunmehr zwei Götternamen wieder weidnischen Boden, ich war erleichtert, nach all den überstandenen Fährnissen wieder meiner Heimat ansichtig werden zu dürfen.


Und wieder bei den Elfen
Kurz hinter Menzheim bogen Samiana und ich vom Wege ab und hielten auf den Bärnwald zu, Samianas Heimat. Yasine, Korgrimm und Sephirim reisten weiter gen Baliho, wo wir uns in vier Praiosläufen in der bekannten Schenke “Nordstern“ wieder treffen wollten. Wie bei meinem ersten Besuch bei Samianas Sippe, kam mir alles was sich in dieser Zeit ereignete so vor als hätte ich es nur geträumt. Wieder war ich wie verzaubert. Ich traf wieder Samianas Bruder, der wie es scheint so etwas wie ein Anführer und Sprecher von Samianas Sippe zu sein scheint. Ich dankte ihm aufrichtigst für die unerartete Hilfe, die mir zuteil geworden war. Als Zeichen meiner Dankbarkeit übergab ich ihm eines meiner erbeuteten, elfischen Wolfsmesser, was ihn sichtlich zu erfreuen schien. Vielleicht hilft dies ein dauerhaftes Band der Freundschaft zwischen Elfen und Menschen zu schmieden, denn noch sind die Wunden tief, die die Unruhen vor vielen Götterläufen geschlagen haben. Diesmal traf ich auch Samianas zauberhafte Mutter, Renara Silberglanz, geheißen, ein treffender Name wie ich finde. Sie sieht Samiana recht ähnlich und ist wahrhaftig eine wunderschöne Frau, ihr Bild werde ich noch lange in meinem Herzen tragen. Ihr bot ich mein zweites Wolfsmesser als Geschenk dar. Da ich so überwältigt war, bot ich ihr meine, wenn auch geringen Dienste an und versprach ihr meinen Beistand in jeglicher Not. Dies schien sie zu erfreuen und wie als wolle sie mich segnen legte sie ihre Hand auf mein Haupt, woraufhin mich eine wohlige Wärme überkam, sowie das Gefühl eines tiefen, inneren Friedens. Ganz benommen wie ich war, erhob ich mich alsbald wieder und dankte ihr.
Viel zu schnell war die Zeit des Abschiednehmens gekommen. Schweren Herzens lenkten Samiana und ich unsere Pferde gen Baliho, wo wir zehn Praiosläufe nach unserer Abreise zu Gareth, wie vereinbart, unsere Gefährten im Nordstern wieder trafen.





Auf dem Weg nach Drachenfels


15. Rondra 10 n. Hal




Mit dem Rest der Gruppe wieder vereint, setzten wir heuer unsere Reise gen Mitternacht fort. Unser Weg führte uns nun via Trallop weiter gen Norden. Am 18. Rondra schließlich erreichten wir die Wegkreuzung, wo der Weg nach Beonspfort und Drachenfels abzweigt. Da sich nun unsere Wege trennen würden lagerten wir ein letztes Mal gemeinsam mit Sephirim, der nun weiter dem Weg nach Norden folgen würde, während wir auf Drachenfels ziehen wollten.


19. Rondra 10 n. Hal




Diese Nacht war irgendwie seltsam, ich hatte wirre Träume, an welche ich mich nun nicht mehr erinnern kann. Ja ich bekomme sogar immer mehr Zweifel, ob ich überhaupt geträumt habe...
Wirklich merkwürdig war, als wir des morgens erwachten, obschon zeitig, war Sephirim ohne ein Wort des Abschieds schon verschwunden. Da er nun ganz alleine war, hatte er den einen Wagen mitsamt Pferden und Ladung einfach zurückgelassen. Obwohl Korgrimm, wie er äußerte nun schnellstmöglichst auf Burg Drachenfels reisen wolle, untersuchten wir zunächst den Lagerplatz und den Wagen. Wir fanden einige Spuren, deren Herkunft wir uns nicht erklären konnten. Im Wagen fand Korgrimm unter dem Wagenboden ein großes, flaches Geheimfach, welches jedoch ganz leer war.



Als wir dann aufbrachen, packten wir Yasine, die trotz der warmen Witterung erbärmlich fror und sich auch sehr kalt anfühlte in unsere Decken und Umhänge. Sie verbrachte entgegen der sonstigen Gewohnheit die weitere Reise nun hinten im Wagen, wo es doch etwas bequemer war, als auf meinem Pferd.


In Drachenfels


20. Rondra 10 n. Hal




Gegen Mittag erblickten wir den Weiler Drachenfels und die darüber dräuende feste Burg, Sitz meiner Familie seit vielen Generationen. Mit Verwunderung sah ich neben dem Banner unserer Familie noch andere in Gold und Weiß. Waren dies nicht die Farben und Symbole des Bannstrahlordens? Was hatten diese Praiosjünger auf unserer Burg verloren?
Sogleich wollte ich meinem Ross die Sporen geben, meinen Herrn Vater aufsuchen und ihm nötigenfalls meinen Beistand gewähren. Meine Gefährten jedoch hielten mich zurück, ja Korgrimm meinte, daß es gar nichts Gutes verheißen würde und wir lieber zuerst einen Erkundungsgang unternehmen sollten. Murrend stimmte ich diesem Vorschlag zu und verbarg mich im Gebüsch, da mich hier jeder sogleich erkennen würde, während Samiana loszog. Bald darauf kehrte sie zurück und teilte uns mit, daß auf Burg Drachenfels tatsächlich die Inquisition verweile. Weiter erzählte sie, man wisse im Weiler zwar nicht warum man mich und meine Gefährten suche, es war auch die Rede von einem Zwerg, der mich begleite. Aber man könne sich wirklich nicht vorstellen, daß der junge Drachenfels sich etwas habe zuschulden kommen lassen. Auch wenn dies üble Nachrichten waren, so schien das Volk doch weiterhin loyal zu sein, was schon mal beruhigend war. Trotzdem war ich äußerst empört, daß ich nicht offen auf unsere Burg reiten konnte, sondern mich am Ende gar wie ein Dieb in der Nacht in mein eigenes Elternhaus einschleichen sollte. Dies konnte ich schier nicht verwinden, am liebsten wäre ich sofort auf die Burg gestürmt und hätte diese Praiosschergen eigenhändig hinausgeworfen. Irgendwie gelang es meinen Gefährten, mich wieder soweit zu beruhigen, daß ich wieder klarer denken konnte und dann wußte ich was nun zu tun war. Ich führte meine Gefährten zu einem außerhalb liegenden, ummauerten Gutshof am Fuße des Burgberges. Die dort ansässige Familie Runzinger ist unserem Hause schon seit Generationen treu ergeben und sehr zuverlässig.
Man nahm uns erfreut und gastfreundlich auf. Nachdem wir unsere Pferde gut versorgt wussten, den Wagen hinter dem Haus versteckt hatten, brachen wir auf zur Burg. Ich führte meine Gefährten auf wohl verborgenen Pfaden zu einer versteckten Flucht- und Ausfallpforte im unteren Zwinger. Durch diese betraten wir nun unsere Burg. Auf geheimen Wegen gelangten wir zu den Stallungen, wie gut, daß ich anno dazumal mit Farline die Burg ausgiebig erforscht hatte und nun kannte wie kein anderer, Farline mal ausgenommen, doch die war leider nicht hier... Ich führte meine Gefährten in die Stallungen, da ich hoffte unseren treuen alten Pferdeknecht Anshag zu treffen. Dort in der Nähe trafen wir, sehr zu meiner Freude, meinen jüngeren Bruder Giselwulf. Er bestätigte uns nun, daß ein Dutzend Ritter des Bannstrahlordens auf der Burg weilten. Jedoch auch Giselwulf konnte mir nicht sagen warum man auf der Suche nach mir und meinen Gefährten war. Wie uns Giselwulf erzählte ging es meinem Vater wirklich schlecht, wobei gerade die Anschuldigungen gegen meine Person und letzten Endes gegen unser Hause ihm arg zusetzten. Wir vereinbarten, daß er unseren Herrn Vater von unserer Anwesenheit und unserem Wohlbefinden in Kenntnis setzen sollte, während wir uns weiter auf dem Gutshof versteckt halten wollten. Dort würden wir auf eine Nachricht von Vater warten, die uns dann Giselwulf überbringen sollte. Bevor ich wieder schweren Herzens von meinem lieben Bruder Abschied nahm, mahnte ich ihn zu unbedingter Vorsicht und ließ ihn versprechen wirklich zu niemanden außer einzig unserem werten Herrn Vater auch nur ein Sterbenswörtchen über unsere Anwesenheit zu verraten.
Als wir wieder auf dem Gutshof eintrafen, brach schon bald die Nacht herein. Wir stärkten uns ausgiebig mit guter weidnischer Hausmannskost und verbrachten den Abend gesellig mit den Gutsleuten. Lediglich Yasine beteiligte sich kaum am Gespräch unserer Runde, sie wirkte irgendwie abwesend und in sich gekehrt. Sie war einfach nicht sich selbst, ich war ernsthaft besorgt, und doch fühlte ich mich hilflos, da äußerlich keine Ursache zu erkennen war. Wir benötigten einen Heiler oder ähnliches...


Gutshof vor Drachenfels


21. Rondra 10 n. Hal




Schon mit dem ersten Morgengrauen traf Giselwulf ein und übergab mir einen Brief von Vater. Giselwulf vor allem war sehr begierig zu erfahren was unser Vater geschrieben hatte. Aus dem Brief erfuhren wir schließlich, daß man mich unter elfischem und zwergischem Einfluß stehend als einen Landesverräter suchte und deshalb höchstselbst die Inquisition darum bemühte mich festzunehmen und peinlichst zu befragen. Welche Verbrechen im Einzelnen man mir nun vorwarf hatte aber selbst mein Vater noch nicht in Erfahrung bringen können. Mein Herr Vater riet mir, mich noch weiter in Bedeckung zu halten und etwas zu gedulden bis man Genaueres wisse. Schlußendlich drückte mein Vater seine Freude aus, daß es mir und natürlich auch Farline ansonsten gut gehe. Er ließ mich wissen, daß er von meiner Unschuld überzeugt sei, was man von meinem älterem Bruder Wolfhardt, sei es aus Eifersucht oder Neid, nun leider nicht behaupten könne. Es tat gut zu wissen, daß ich mit Giselwulf und meinem Herrn Vater zwei treue Verbündete hatte in diesen schweren Zeiten.
Im weiteren kamen wir zu dem Schluß, daß hinter dieser üblen Intrige wohl nur dieser seltsame Händler Sephirim stecken konnte, den wir so gutgläubig ins Weidnische begleitet hatten. Zumindest war dies unsere einzigste Spur, wir beschlossen aber trotzdem dem Rat meines Herrn Vater zu folgen und noch einen Praioslauf auszuharren und erst am nächsten Morgen die Verfolgung desselben aufzunehmen. Lediglich Yasine äußerte sich entweder nicht oder stellte verwirrende Fragen über Sinn und Unsinn des menschlichen Daseins, ja zum Teil sogar stellte sie die Tatsachen der Götter in Frage. Dies war alles so seltsam, daß wir, Korgrimm und ich, einen kleinen Metvorrat mit uns nehmend in die Scheune begaben. Dort gedachten wir die Zeit äußerst sinnvoll dem rondragefälligem Waffenhandwerk, dem Kampf mit der Streitaxt, zu widmen.
Über dies verging der Tag sehr schnell, so waren wir überrascht als Samiana uns zur Abendmahlzeit holte. Yasine schien es etwas besser zu gehen, will heißen sie sprach etwas mehr und noch verwirrendere Dinge. Aber es gab Hoffnung, da Samiana sie schon immerhin soweit gebracht uns weiter zu begleiten, obwohl sie darin keinen besonderen Sinn sah...
Irgendwie gab ein Wort das andere, wie auch immer zuletzt nächtigte die Elfe, wie meist draußen im Freien, während sich Korgrimm sehr erbost über eben jene in die Scheune zurückzog. Elfen und Zwerge werden sich wohl nie wirklich verstehen. Und wieder blieben Yasine und ich alleine zurück, auf dem Dachboden , wo wir dann unser Nachtlager bereiteten. Doch anstatt sich zur Ruhe zu begeben, kramte Yasine aus ihrem Gepäck ein Buch hervor und begann zu lesen. Es war mir neu, daß sie über solche Schätze verfügte, das machte mich neugierig. Leider jedoch mußte ich bald feststellen, daß sie nicht gewillt war mehr darüber zu erzählen. Also überließ ich sie ihren Studien um mich von meinen anstrengenden Kampesübungen zu erholen.


22. Rondra 10 n. Hal




Am frühen Morgen, Korgrimm, der unseren Aufbruch ungeduldig herbeisehnte hatte schon alles vorbereitet, warteten wir vergeblich auf meinen Bruder Giselwulf. Schließlich brach ich, entgegen der Ratschläge meiner Gefährten, alleine zur Burg auf. Ein jeder, sogar Yasine hatte sich angeboten mich zu begleiten, wer war ich, daß ich über solche Gefährten verfügte! Aber ich zog es vor alleine zu gehen, das war unauffälliger und ich wollte niemand mehr als nötig in Gefahr bringen.
Während ich noch den versteckten Pfad hinaufstieg, fiel mir auf, daß über unserer Burg keine Banner des Bannstrahlordens mehr wehten. So früh am Morgen war dies recht verwunderlich, denn es konnte nur heißen, daß sie im Aufbruch begriffen waren oder gar schon weg waren. Da war nun äußerste Vorsicht geboten, wollte ich ihnen nicht direkt in die Arme laufen. Plötzlich schlug das Burgtor auf und ein Trupp Reiter sprengte aus den Weg hinab. Ich verbarg mich abseits des Weges, konnte jedoch nur die im Wind flatternden Wimpel der Ordensritter erkennen.
Nun schritt ich zügig aus und erreichte bald, über die Ausfallpforte unbemerkt die Burg, noch bevor ich bei den Stallungen anlangte, bemerkte ich, daß mir jemand gefolgt war. Es war ein schwer schnaufender Zwerg, Korgrimm, der mir hinterher gestürmt kam. Er war mir, um mein Wohlbefinden besorgt, doch gefolgt. Ich war dankbar, nun doch einen treuen, wackeren Gefährten an meiner Seite zu wissen. Die Mär, die er mir überbrachte, indes war nicht so erfreulich. Auch er hatte die Bannstrahler gesehen, ja er war ihnen direkt begegnet. Dabei hatte er gesehen, daß sie meinen lieben Bruder Giselwulf mit sich führten, sie waren mit ihm gen Beonspfort geritten. Das konnte nichts Gutes bedeuten. Eilig begaben wir uns zu den Gemächern meines Vaters. Schon von weitem konnten wir einen lauten Streit zwischen meinem Vater und meinem ältern Bruder Wolfhardt verfolgen. Wie wir hörten, machte mein Vater Wolfhardt heftige Vorwürfe, während dieser sich zu rechtfertigen versuchte. Ja, so war mein Bruder, voller Pflichtgefühl gegenüber dem Land, unfähig etwas risikoreicheres, unbekanntes und nicht dem sogenannte Normalen entsprechendes zu unternehmen, oder gar einmal gegen Instanzen wie die Inquisition aufzubegehren. Ich konnte nicht an mich halten, alles vergessend platzte ich hinein. Mein Vater war sichtlich erfreut mich wohlbehalten wieder zu sehen, mein Bruder dagegen schien schon fast erschrocken. Mein Vater erzählte mir, daß Giselwulf wohl beim Belauschen der Bannstrahler erwischt worden war. Er hatte entgegen all unserer Warnungen doch zuviel riskiert. Aber trotz allem alledem hatte er den Befragungen insoweit widerstanden, daß er ihnen nichts über meine Anwesenheit verraten hatte. Weiter erfuhren wir nun endlich was uns überhaupt vorgeworfen wurde. Ohne es zu wissen hatten wir einen wahrhaftigen Übeltäter von Gareth aus nach Weiden beleitet. Er hatte offensichtlich, von uns unbemerkt, eine blutige Spur nach Norden gelegt. Dieser waren die Bannstrahler gefolgt. Sie nannten ihn einen Diener des Namenlosen!! Da wir uns in seiner Begleitung befunden hatten waren wir jetzt auch verdächtig. Meiner Familie erzählte ich nun kurz, wie alles vonstatten gegangen war. Dort glaubte man mir natürlich, war man von unserer Unschuld überzeugt, würden wir jedoch auch die Inquisition überzeugen können? Ganz ohne Beweise war daran nicht zu denken. Vor allem, was hatten sie mit meinem Bruder vor, anscheinend hatte er ihnen etwas von Sephirim und seinem Reiseziel erzählt, was den eiligen Aufbruch hinreichend erklärte. Somit hatte Giselwulf uns die Bannstrahler zunächst vom Halse geschafft. Aber es war wahrhaftig eine verkehrte Welt, obwohl wir dem gleichem Bösen feindlich gegenüberstanden, so waren wir doch gegeneinander.
Doch genug der Reden, es war Zeit zu handeln, ich versprach meinem Vater unseren lieben Bruder zu befreien und diesen Diener des Namenlosen zu stellen, um so unseren beschmutzten Namen wieder zu läutern. Korgrimm und ich verabschiedeten uns und eilten zurück zum Gutshof wo man unserer schon harrte. Um keine weitere Zeit zu verlieren stiegen wir sogleich, ohne uns die Zeit für weitere Erläuterungen zu nehmen auf die Pferde und preschten, den Wagen nun doch zurücklassend, gen Beonspfort. Während wir der deutlichen Spur der Bannstrahler folgten, erzählten wir dann unseren regelrecht überrumpelten Gefährtinnen, was wir in Erfahrung hatten bringen können. Dabei fiel mir auf, daß Yasine, die nun statt bequem auf dem Wagen zu reisen doch wieder bei mir auf dem Pferd saß, sich etwas weniger ungewöhnlich verhielt. Die Aussicht, daß sie vielleicht bald wieder ganz die Alte werden würde, erfüllte mich mit Freude.
Kurz vor Beonspfort wichen wir von der Spur der Ordensritter ab, da wir den Ort meiden wollten. Auf mir wohlbekannten Wegen führte ich meine Gefährten im Bogen um Beonspfort herum, bis wir hinter dem Weiler die Spur wieder erreichten. Dort fiel Samiana auf, daß ein Teil der Ritter wohl in Beonspfort geblieben war. Das war sehr unangenehm, denn sollten diese später den anderen folgen, so würden wir wenn wir weiterritten wie ein Stück Metall zwischen Hammer und Amboss geraten. Außerdem mußte ich wissen, bei welcher der Gruppen mein Bruder war. Da Korgrimm schon einmal den Ordensrittern begegnet war, ohne von ihnen erkannt zu werden, zog er los um Erkundigungen einzuholen.
Wir anderen verbargen uns abseits des Weges im Wald. Während wir auf Korgrimm warteten setzte Samiana ein, durch unseren eiligen Aufbruch offensichtlich unterbrochenes Gespräch mit Yasine fort. Zu meiner Überraschung zeigte Samiana ein sehr großes Interesse an unserem Zwölfgötterglauben und den damit verbundenen Legenden. Ich beteiligte mich gerne daran, konnte ich doch einiges an Legenden beisteuern. Dabei erzählte Yasine auch einiges über ihre Kirche, Glauben und Familie, dabei fiel der Schatten der die vergangenen Tage auf ihr lag zunehmend von ihr ab. So hatte Samiana doch noch einen Weg gefunden Yasine von ihrem Leiden zu heilen.
Als Korgrimm zurückkehrte berichtete er, daß sechs der Ordensritter mit Giselwulf bei Baron Sterz von Beonspfort eingekehrt waren. Dies beruhigte mich, denn der mächtige Baron, meines Vaters Lehnsherr, war als gerechter und aufrechter Recke bekannt. Ich konnte wohl annehmen, daß er dafür sorgen würde, daß man meinem Bruder kein Leid zufügen würde. Wir setzten also unseren Ritt fort, da es andererseits nun auch unmöglich war meinen Bruder auf direktem Wege zu befreien, zu gut gesichert war des Barons mächtige Festung...


Reise nach Norden


23. Rondra 10 n. Hal




Am nächsten Praioslauf dann erreichten wir die Wegkreuzung, bei der wir vor kurzem erst mit diesem hinterhältigen Sephirim gelagert hatten. Wir wandten uns gen Norden und setzten unseren Ritt noch für einige Meilen fort, bevor wir lagerten.
Als ich des Nachts an der Reihe war die Wache zu übernehmen, setzte ich mich ans erloschene Feuer. Nach einiger Zeit bemerkte ich in der Nähe unseres Lagers einige Gestalten, die sich im Gebüsch verbargen. Da ich nichts genaueres ausmachen konnte und auch niemand vorzeitig Verdacht schöpfen sollte, stupste ich sanft Samiana an. Ich neigte leicht den Kopf, als wollte mich gerade die Müdigkeit übermannen und bedeutete ihr ruhig liegen zu bleiben. Leise flüsternd teilte ich ihr mit, daß sich uns jemand nähere. Da Samiana scheinbar wesentlich feinere Sinne besitzt als ich, konnte sie feststellen, daß es sich um vier Personen handelte, die sich von linker Hand an uns anschlichen. Ich hieß sie die anderen leise und unauffällig zu wecken und sich kampfbereit zu machen. Nach einer Weile, als ich sicher war, daß alle wach waren erhob ich mich und streckte mich. Als dann immer noch nichts geschah, beschloss ich die Fremden zu zwingen endlich Farbe zu bekennen. Ich tat so, als müsse ich mal austreten und bewegte mich seitlich in die Büsche, wie zufällig in die Richtung der Fremden. Diese ließen sich nun nicht zweimal bitten, sie sprangen auf und griffen uns an. Doch anstatt uns zu überraschen, liefen sie unsere gezückten Klingen. Sofort entbrannte trotz der Dunkelheit ein heftiger, mörderischer Kampf. Über das Getümmel hinweg konnte ich zu meiner Überraschung begeisterte “Bei Rondra“ Rufe von Yasine hören. Sie wird doch nicht eine Rondrageweihte werden wollen?? Mit gleicher Begeisterung antwortete ich ihr und hieb dabei tüchtig auf mein Gegenüber ein, der durchaus mit dem Schwert umzugehen verstand. Trotzdem brach nach nur wenigen Minuten auch der letzte Räuber unter den wütenden Hieben unserer Klingen zusammen. Wie sich als bald herausstellte waren drei von ihnen gerade noch mit dem Leben davongekommen, während einer nicht ganz so glücklich gewesen war. Um eine ungestörte Nachtruhe zu haben, fesselten wir die Überlebenden bis zum nächsten Morgen.


24. Rondra 10 n. Hal




Am nächsten Morgen ließen wir sie dann laufen, nicht ohne ihnen wohlmeinende Belehrungen mit auf den Weg zu geben, künftig doch ein göttergefälligeres Leben zu führen. Denn man könne nie wissen ob sie beim nächsten Male so glimpflich davon kommen würden. Sie den Behörden zu übergeben, wie es in so einem Falle richtig gewesen wäre, hatten wir einfach keine Zeit und in unserer Situation war dies auch nicht ganz ungefährlich für uns. Also brachen wir eilig wieder auf und setzten unseren Weg gen Norden fort.
Gegen Abend erreichten wir Rathila, am Rathil gelegen, wo wir ein letztes Mal eine Übernachtung in einem gastlichen Hause vor der Wildnis übernachteten. Wie wir dort erfuhren hatten die Bannstrahler immer noch ungefähr einen halben Tagesritt Vorsprung. Früh am nächsten Morgen ritten wir weiter in die zunehmend wilder und bergiger werdende Gegend. Den sogenannte Roten Pass erreichten wir jedoch erst am nächsten Praioslauf. In einem der letzten kleinen Wäldchen vor der gebirgigen Einöde lagerten wir an einer von Samiana sorgfältig ausgesuchten Stelle.


In der Roten Sichel


26. Rondra 10 n. Hal




Nach einer ereignislosen Nacht setzten wir unseren Weg fort, stets dem Pfad in die Berge folgend. Linker Hand von uns befanden sich die weit in die Ferne reichenden Salamandersteine, die wie man sagt nicht geheuer sein sollen und die ursprünglich die Heimat aller Elfen sein sollen. Rechter Hand sahen wir die Rote Sichel die heuer von zahlreichen Goblins bevölkert wird, und von der der Passweg auch seinen Namen erhalten hat. Auch dieser Praioslauf verlief ziemlich ereignislos, was nicht heißen soll, daß die Reise gefahrlos war, ist diese Gegend doch berüchtigt für herumstreunende Goblin- und Räuberbanden. Auch galt es sich vor abgehenden Lawinen und Steinschlägen in Acht zu nehmen.
Da war unser Korgrimm nun ganz in seinem Element, seine Kenntnisse und Erfahrungen im Gebirge und dem Gestein mögen uns vor solchen Gefahren bewahrt haben. Obwohl ich schon so manche Zeit mit Zwergen auf Reisen war, vermögen sie einen doch immer wieder zu überraschen. Da hat doch Korgrimm tatsächlich einen offenbar wertlosen Stein aufgehoben und mitgenommen, wie er erklärte nur rein der Erinnerung wegen! Ein gar wunderliches Gebaren ist doch das!!
Bei der Suche nach einem Lagerplatz konnten wir uns dann ganz auf ihn verlassen. Bald hatte er eine recht geräumige Höhle ausgemacht, in der es sich vortrefflich rasten ließ. Als die Dunkelheit hereingebrochen war, sahen wir in der Ferne ein merkwürdiges Blitzen und Leuchten. Es konnte sich dabei aber nicht um ein Gewitter oder ein natürliches Wetterleuchten handeln, schienen doch die Blitze vom Erdboden auszugehen.
Da steckte bestimmt böses, magisches Zauberwerk dahinter oder waren da gar die Kräfte des Namenlosen am Werk? Wir würden sehen, so dachte ich, lag diese Erscheinung doch genau in der Richtung in die wir zu reiten gedachten. Mir war auch, als würde ich solches nicht zum ersten male sehen, doch wie ich mir den auch Kopf zerbrach, ich kam nicht darauf wann und wo dies gewesen sein mochte.


27. Rondra 10 n. Hal




Nachdem wir uns früh am Morgen wieder auf die Verfolgung gemacht hatten, erblickten wir gegen Mittag ein paar Gestalten auf dem Wege vor uns. Wir näherten uns vorsichtig, stets zum Kampfe bereit. Als wir nahe genug herangekommen waren, konnten wir erkennen, daß es vier der Ordensritter waren, die sich zum Teil äußerst merkwürdig benahmen. Zwei von ihnen krabbelten auf allen vieren, ganz wie kleine Kinder und brabbelten auch wie diese vor sich hin. Einer lag reglos am Boden, während der Vierte, offensichtlich schwer verletzt, als er uns gewahr wurde, auf uns zutaumelte. Mit letzter Kraft ergriff er die Zügel meines Pferdes und brach dann endgültig zusammen. Ich konnte gerade noch seinen Arm ergreifen und so seinen schweren Sturz verhindern. Gemeinsam betteten wir ihn dann auf dem Boden und gaben ihm etwas Wasser zu trinken. Während wir zunächst mal seine übelsten Wunden behandelten, teilte er uns stockend mit, daß sie in der Nacht den Diener des Namenlosen eingeholt und sogleich zum Kampf gestellt hatten. Es war ihnen jedoch, trotz ihrer zahlenmäßigen Überlegenheit, nicht gelungen ihn zu überwinden, da er über enorme große schwarzmagische Kräfte verfügte.
Es war kaum zu glauben, wie ein einzelner Mensch sechs gestandene Ritter des Bannstrahlordens derart zurichten konnte!
Korgrimm und ich wandten uns dem nächtlichem Kampfplatz zu, um ihn genauer zu untersuchen, während Yasine und Samiana den Schwerverletzten weiter behandelten. Nach geraumer Zeit hatten wir die zwei noch fehlenden Ritter gefunden. Sie waren in kniender Haltung zu zwei Statuen erstarrt und tot. Mit einigen Gebeten bestatteten wir die drei Toten. Anschließend überlegten wir, was wir mit den anderen drei machen sollten. Hier zurücklassen oder gar alleine zurückschicken konnten wir sie nicht, denn das hätte ihren sicheren Tod bedeutet. Ohne sie wäre es vielleicht möglich den vom Kampf bestimmt auch verletzten und angeschlagenen Sephirim bald einzuholen und dann konnten wir ihn vielleicht besiegen...
Aber daran war nicht zu denken, wir konnten diese tapferen Ritter, auch wenn sie eigentlich ebenso hinter uns her waren, nicht einfach hier ihrem Schicksal überlassen. Die einzigste Rettung für sie war, sie schnellst möglich zur Tarviageweihten zu bringen. Also banden wir sie so gut es ging auf unsere zwei freien Amazonenrösser und setzten dann unseren Weg nun langsamer fort.


Im Traviatempel in der grünen Ebene


28. Rondra 10 n. Hal




Heuer schließlich erreichten wir unser Ziel. Schon von weitem konnte man das geschäftige Treiben hören und sehen. Ein Lager aus einfachen Zelten und Baracken gruppierte sich um die Baustelle eines großen Tempels. Man war schon recht weit vorangeschritten und man konnte sich schon ganz gut vorstellen wie der Traviatempel einst mal aussehen sollte.
Wir wurden sehr freundlich empfangen und sogleich zu Mutter Herdgard gebracht. Nachdem wir die Ordensritter der Obhut Mutter Herdgards Gehilfen übergeben hatten war nun die Zeit für ausführlichere Gespräche gekommen. Wie wir von Mutter Herdgard erfuhren war schon am frühen Morgen ein Händler mit einem Wagen hier gewesen. Nach kurzem Aufenthalt, der Tätigung einiger Geschäfte sei er recht bald weiter gen Norden gezogen. Nicht jedoch ohne vorher eine großzügige Geldspende und eine exotisch aussehende Harfe ebenfalls als Geschenk überreicht zu haben. Nicht zuletzt auch aufgrund seines einnehmenden und freundliche Gebarens war die sehr freundliche Geweihte sehr voreingenommen von ihm. Was wir ihr auch erzählten über diesen Diener des Namenlosen, sie schlug alle Warnungen in den Wind. Sie konnte sich einfach nicht vorstellen, daß er eine Gefahr darstellen könne. Vor allem jene Harfe kam uns seltsam vor, gerne hätte ich dieses merkwürdige Instrument weit weg gewusst. Ganz nach Travias Sitte wurde uns ein gutes Mahl zur Stärkung gereicht. Dabei erzählte uns Mutter Herdgard noch viel über die hiesigen Lebensumstände. Hier in der Wildnis war man schließlich umringt von zahlreichen Golblinstämmen. Doch dank ihrem Verhandlungsgeschick war es ihr möglich gewesen einen halbwegs stabilen Frieden zu erreichen, so daß man schon mit den Planungen der Einweihungsfeierlichkeiten beginnen konnte. Es gab denn doch eine Sache, die ihr Sorge bereite, erzählte sie. In letzter Zeit war allgemein die Verpflegung knapp geworden, zumal die Gruppen, die obschon vor längerem zur Jagd aufgebrochen, noch immer nicht zurückgekehrt waren. So bat sie uns nun, ob wir nun auf Jagd gehen könnten, zum einen um mit Wildbret die Versorgungslage zu verbessern, zum anderen könnten wir vielleicht herausfinden was aus den anderen Jägern geworden war.
Nun war auch die Zeit gekommen zumindest die nähere Umgebung in Augenschein zu nehmen. Wir brachen auf, schlugen einen weiten Bogen um die Baustelle des Tempels. Wir ritten einmal rundherum und fanden bald die Spur des Wagens dieses verfemten Händlers. Sie führte weiter nach Norden in die schier unwegsame Wildnis. Wir folgten ihr ein Stück drehten aber bald um, da wir nicht von der rasch hereinbrechenden Abenddämmerung überrascht werden wollten.
Als wir uns dann beim einfachen, aber reichhaltigen Abendmahle gestärkt hatten, blieben wir noch etwas beim erfrischenden Trunke sitzen, um uns auch den letzten Staub unseres langen Weges hinunterzuspülen. Bea Terpenfels, eine junge Novizin der Travia sorgte emsig dafür, dass es uns an nichts mangelte. Nachdem sie unsere Becher nochmals mit gutem Biere gefüllt hatte, sprach sie uns höflich an und bat mich, der ich doch wohl schon weit herumgekommen sei von meinen Abenteuern und Reisen zu erzählen. Wenn ich ehrlich bin war mir eigentlich nicht so sehr zum Geschichtenerzählen zumute. Wie konnte ich hier müßig sitzen, die Zeit mit solchen Dingen verbringen, während mein Bruder in Beonspfort gefangen war und darauf wartete, dass ich ihn befreite?
Als ich jedoch die erwartungsvollen Gesichter sah, erzählte ich doch eine der Legenden, die mein seliger Großvater mir weiland erzählte. Von eigenen Erlebnissen, zur Unterhaltung anderer, zu sprechen, denke ich, steht mir einfach noch nicht zu. Ich erzählte also die Legende von den drei Riesinnen, die den hiesigen Gebirgen, nämlich der gelben, roten und schwarzen Sichel ihren Namen und Form gegeben hatten. Nachdem ich geendet hatte stellte ich fest, dass wir von einer stetig wachsenden Menge umringt waren, die gebannt gelauscht hatte. Natürlich verlangte man nun noch mehr Geschichten, aber da ich zunächst meine ganz trocken gewordene Kehle befeuchten wollte, bat ich Yasine doch etwas über die Sitten und das Leben des fernen Südens zu erzählen. Sogleich fiel Bea so begeistert wie unbedacht ein und wollte etwas über die Novadis hören. Damit war ihr allerdings ein gewaltiger Fauxpas unterlaufen...
Empört fuhr Yasine auf und offenbarte ein bis dato nicht gekanntes südländisches und hitziges Temperament. Nur mit Mühe gelang es uns die erregten Gemüter wieder zu beruhigen und zumindest Travias Frieden zu wahren. Dabei hatte sich auch Mutter Herdgard erhoben, doch mitten in der Rede begann sie auf einmal zu schwanken. Eilends sprangen Yasine und ich hinzu um sie zu stützen. Gemeinsam führten wir sie zu ihrem Platz und baten sie sich doch zu setzen. Während ich ihr etwas Wasser zu trinken holte kümmerte Yasine sich weiter um sie. Derweil waren auch Samiana und eine Fremde, die sich als Heilerin und Kräuterkundige bezeichnete hinzugetreten. Gemeinsam begannen sie Mutter Herdgard eingehender zu untersuchen. Rasch erholte sie sich wieder, sie meinte es wäre ihr nur aufgrund der Wärme im Raume unwohl geworden, dies konnte man nur bestätigen, es war wahrhaftig ungewöhnlich warm hier. Ich ließ meinen Blick durch den Raum wandern, aber dies schien sonst keinem aufzufallen. Dabei traf sich mein Blick mit Yasines, die mich eindringlich ansah. Unauffällig gab sie mir mit einem kurzen Blick zur Tür, von den anderen unbemerkt, zu verstehen, dass sie wohl draußen mit mir unter vier Augen zu reden wünschte. Mit einem leichten Nicken gab ich ihr zu verstehen, dass ich ihren Wink verstanden hatte. Kurz darauf erhob ich mich und verkündete, dass ich mal nach unseren Pferden schauen und unser Gepäck holen wollte. Ich bat Yasine, ob sie mir dabei helfen wollte, was diese natürlich bereitwillig tat. Als wir uns der Tür näherten wurden unsere Schritte immer schwerer und mühevoller. Wir mussten uns schon regelrecht zwingen, die Außentür zu öffnen und hinauszutreten. Erst als wir im Freien waren, fühlten wir uns richtig erleichtert. Es war wirklich wohltuend nach der stickigen, einengenden Wärme nun die frische, kühle Nachtluft zu atmen. Wir blickten uns verwundert an, es mutete schon merkwürdig an, dass es uns beiden so schwer gefallen war den Raum zu verlassen. Wir kamen zu dem Schluss, dass hier etwas Dunkles und Bedrohliches am Werke sein musste. Doch bevor wir uns weiter darüber Gedanken machen konnten, vernahmen wir schwere Schritte, die sich uns näherten. Da bog ein Zwerg um die Ecke, der mir sogleich reichlich bekannt vorkam. Ich konnte es kaum glauben, vor mir stand Balum, Balins Sohn. Er war ein alter Weg- und Kampfgefährte von mir, mit dem ich schon so manches Abenteuer bestanden hatte. Mit ihm hatte ich hier in der fernen Wildnis bestimmt nicht gerechnet. Über diese Überraschung hatte ich zunächst ganz meine die gute alte Schule und somit Yasine und den eigentlichen Grund warum wir hier draußen standen vergessen. Als dies mir dann endlich peinlich berührt bewusst wurde, stellte ich die beiden dann einander vor. Als Balum erfuhr, dass auch Korgrimm hier weilte, kannte seine Begeisterung keine Grenzen mehr. Sogleich stürmte er los, um ein Fässchen guten Zwergenbieres zu holen, welches er sich für besondere Anlässe aufgespart hatte. Indessen ging ich mit Yasine zu den Pferden, um unser unterbrochenes Gespräch fortzuführen. Ich war ihr dankbar, dass sie mir meinen Fauxpas gleich verzogen hatte, zu groß schließlich waren unsere Sorgen. Während wir die Pferde versorgten, besprachen wir unsere momentane Lage. Wir beschlossen am nächsten Morgen, bevor wir zur Jagd aufbrachen noch mal mit Mutter Herdgard zu reden, sie noch mal eingehend zu warnen. Wir waren uns dahingehend einig, dass wir Gefährten auf jeden Fall zusammen bleiben und besonders achtsam sein sollten. Auch kamen wir zu dem Schluss, dass uns allen hier großes Ungemach drohte, es war nur noch ungewiss welcher Art es sein würde. Alsdann begaben wir uns, nur wenig beruhigt, aber doch mit dem Wissen wenigsten einen Gesinnungsgenossen an der Seite zu haben wieder ins Innere des Tempels. Dort harrten Unserer die schon munter dem Biere zusprechenden Zwerge. Fröhlich und unbekümmert waren sie und bewiesen, dass man als Zwerg gut zu feiern versteht. Gerne gesellte ich mich zu ihnen und leerte so manchen Humpen mit ihnen, gab es doch einiges zu erzählen. Als Balum erfuhr, was uns widerfahren war und was wir am nächsten Morgen vorhatten, schloss er sich uns sogleich an. Ich war dankbar dafür, denn es war gut eine weitere scharfe und wacker geführte Zwergenaxt an der Seite zu wissen. Nachdem wir unser unverhofftes Wiedersehen zünftig gefeiert hatten, begaben wir uns zur Nachtruhe. Wie mit Yasine besprochen, schlug ich vor, dass wir unser Nachtlager draußen bei den Pferden aufschlagen sollten. Bis auf die Zwerge, die die unnatürliche Wärme geradezu zu genießen schienen, waren alle einverstanden. Einen besorgten Blick mit Yasine tauschend, zuckte ich nur mit den Achseln. Ich wusste nur zu gut, wenn die Zwerge beschlossen hatten, drinnen zu bleiben, um das Fässchen vollends zu leeren, waren sie durch nichts auf Deren umzustimmen. Wieder genossen wir die erfrischende Kühle der Nacht, ich war froh mit wenigsten einem Teil meiner Gefährten draußen zu sein.


29. Rondra 10 n. Hal



Auf Mutter Herdgards Empfehlung hin bot sich uns auch jene Kräuterfrau, Ada von Weißquell, als ortskundige Führerin an. Trotz aller Befürchtungen verlief die Nacht ereignislos. Am frühen Morgen weckten wir also die Zwerge , die sich nur widerwillig zum Aufbruch bewegen ließen. Auch jetzt fiel uns wieder die unnatürliche Wärme in den Räumen des Tempels auf. Bevor wir losgingen sprachen wir, so wie Yasine und ich uns das vorgenommen hatten, noch mal mit Mutter Herdgard. Aber nach wie vor wollte sie von unseren Bedenken nichts hören, versprach jedoch aufmerksam zu sein.
Nur widerwillig ließ ich die Pferde zurück, doch meinten meine Gefährten, dass sie in dem unwegsamen Gelände nur hinderlich wären. Wir wandten uns gen Mitternacht und folgten der Wagenspur Sephirims. Nachdem wir der Spur ein gutes Stück gefolgt waren, beschrieb sie einen weiten Bogen und führte dem wilden Gebirge der Roten Sichel zur rechten Hand zu. Eine große Hilfe waren dabei die guten Kenntnisse von Ada, die mit Samiana vorausging. Dahinter folgten Yasine und ich, stets die Hand am Schwertgriff um allzeit kampfbereit zu sein. Den Abschluss, sozusagen die Nachhut, machten die zwei Zwerge. So liefen wir bis zum späten Nachmittag, die Landschaft war nun zunehmend bergiger. Die Vegetation, zunächst eher öde, mit gefährlichem Messergras wurde langsamer etwas üppiger. Wir näherten uns einigen lichten Wäldern ohne auch nur eine Spur von Wild oder gar Goblins zu erblicken.
Auf einmal hielt Samiana dann doch inne, nach einer Weile meinte sie, sie könne, wenn auch noch recht schwach einen Duft von Goblins vor uns wahrnehmen. Es war schon beeindruckend, obwohl ich mich sehr bemühte, ich konnte rein gar nichts feststellen was auch nur ansatzweise auf die Anwesenheit auch nur eines Goblin hindeutete. Uns ganz auf ihre Sinne verlassend verließen wir nun die Wagenspur, schlugen einen größeren Bogen, in der Hoffnung so die Goblins zu umgehen und weiter hinten wieder die Wagenspur zu erreichen. Stattdessen gelangten wir alsbald in einen Talkessel in den sie offensichtlich hineinführte. Durch den nun schon dichteren Wald näherten wir uns dem Kessel. Da der Gestank der Goblins immer stärker wurde, vermuteten wir nun, dass wir uns einem größerem Lager näherten. Kurz darauf vernahmen wir den eintönigen Klang von Trommeln. Samiana und Yasine schlichen noch etwas weiter, um die Lage besser überblicken zu können. Nach einer Weile kehrte Samiana zurück und berichtete uns, dass sich am Grunde des Talkessels vor uns eine Art von Ritual- und Versammlungsplatz befand. Dort hatte sich offensichtlich der ganze Stamm versammelt und auch Sephirim, der Diener des Namenlosen befand sich dort. Sie bedeutete uns ihr leise zu folgen, also schlichen auch wir näher ran. Wahrscheinlich waren wir jedoch nicht so leise und unauffällig wie es nötig gewesen wäre. Auf jeden Fall traten, kurz bevor wir bei Yasine anlangten, zwei Goblins aus dem Gebüsch. Als sie unserer ansichtig wurden, wendeten sie sich laut schreiend zur Flucht. Wir reagierten schnell, den ersten brachte ein Pfeil Samianas zum Schweigen, der andere fiel gleich darauf unter unseren Klingen. Wir verbargen uns sogleich wieder im Gebüsch und beobachteten die Goblins. Trotz des Lärms, den die beiden Wachposten veranstaltet hatten, waren wir nicht bemerkt worden. Ich bedeutete den Zwergen sich um die am Boden liegenden zu kümmern, denn es hatte nicht den Anschein, dass beide tot waren. Ich wandte meine Aufmerksamkeit nun ganz den Goblins zu. Unter uns lag ein größerer Platz auf dem sich vielleicht gut vier Dutzend Goblins versammelt hatten. Aufmerksam verfolgten sie einen lautstarken Streit zwischen ihrer Schamanin und dem, für goblinische Verhältnisse gut gerüsteten, Kriegerhäupling. Hinter den Streitenden befand sich ein kleinerer, rechteckiger Platz, der von vier sehr großen, hölzernen Statuen, die wohl irgendwelche barbarische Gottheiten darstellen sollten, eingefasst wurde. Sie sahen aus wie weibliche Goblins mit üppigen Formen, jedoch mit grotesken Wildschweinköpfen. Am Ende dieses Platzes stand der Wagen, der wie wir wussten mit vielen Armbrüsten beladen war und an diesem lehnte der ruchlose Sephirim.
Obwohl wir der goblinischen Sprache nicht mächtig waren, konnten man den Gesten der Schamanin entnehmen, dass sie, immer wieder auf die Statuen deutend, zur Mäßigung riet. Dagegen wetterte der Krieger, von Sephirim zusätzlich aufgepeitscht, dabei deutete er immer wieder auf den Wagen mit den Waffen. Er forderte die wohl noch unentschlossene Meute auf, in den Krieg gegen die Menschen zu ziehen. Da begann auf einmal der unsägliche Sephirim ein wahrhaft unheimliches Ritual, er lief mehrfach im Kreis und hinterließ dabei ein Spur von Rauch. Danach trat er zu einer der riesigen Götterstatuen und warf diese mit übermenschlichen Kräften um. Dann fing er an auf die Goblins einzubrüllen und steigerte sich dabei in seinen uns nicht unbekannten Jähzorn. Er schmähte sämtliche Götter, die der Menschen und Goblins, behauptete, dass sie über keinerlei Macht verfügen würden. Zuletzt rief er ihnen zu, dass der Tempel am nächsten Morgen brennen werde und dies das Zeichen zum Angriff sein solle. Diese Nachricht vernahmen wir mit großem Entsetzen, denn es blieb uns nun nicht mehr viel Zeit einen furchtbaren Krieg zu verhindern. Wir beratschlagten was wir tun konnten, sollten wir oder ein Teil von uns zurückgehen um Mutter Herdgard zu warnen?
Doch da begann der Ruchlose ein weiteres, wahrhaft abscheuliches Ritual, anscheinend auf sein Rufen erschien aus dem Nichts ein finsterer Reiter. Sephirim riss sich, ohne irgendwelche Schmerzen zu zeigen, ein Auge aus und übergab es dem schwarzem Reiter, der daraufhin wieder verschwand. Ich hatte genug gesehen, ich wollte zumindest versuchen diesem götterlästerlichem Treiben schnell ein Ende setzen. Ich drängte meine Gefährten dazu jetzt gemeinsam anzugreifen, da ich der Meinung war, dass so der Krieg noch am besten zu verhindern war. Sollten die Götter mit uns sein, konnten wir anschließend noch Mutter Herdgard warnen, falls einer von uns überlebte...
Schließlich stimmten alle Gefährten zu, schnell kamen wir überein, dass wir zunächst die Goblinmeute umgehen sollten. Also gingen wir am Hang entlang, bis wir den Wagen und den kleinen Platz mit den Stauen direkt unter uns hatten. Während wir liefen hatten wir uns einen kleinen Schlachtplan zurecht gelegt:
Yasine wollte versuchen mit dem gleichen Segen wie damals im Tempel auf Kurkum die Goblins freundlich zu stimmen. Ada meinte sie könne vielleicht die Statue wieder aufrichten, wie sie das schaffen wollte war mir schleierhaft. Andererseits konnte dies der zum Frieden gemahnende Schamanin hilfreich sein. Die beiden brachen sofort auf. Samiana begleitete sie, sie sollte den Diener von der Flanke ordentlich mit ihrem Bogen unter Beschuss nehmen. Dasselbe sollten die Zwerge, den Wagen als Deckung nehmend, mit ihren Armbrüsten tun. Ich wollte Sephirim dann, von der Samiana gegenüberliegenden Seite, mit der blanken Klinge angreifen. So bestand die Hoffnung, dass er seine abscheulichen Zauber nicht wie bei den Bannstrahlern einsetzen konnte, bis ich ihn im Nahkampf stellen konnte. Ich blieb noch kurz bei Balum und Korgrimm, um den anderen Zeit zu geben ihre Positionen einzunehmen. Während wir uns leise unterhielten, kam uns der Gedanke, dass es wohl günstig wäre einfach den Wagen mit den Waffen anzuzünden. Dies würde zusätzlich Verwirrung stiften und ohne die vielen Armbrüste würde sich die ganze Angelegenheit für die Kriegstreiber noch mehr verschlechtern. Also steckte ich Balum meine Zunderbüchse zu, denn er als erfahrener Schmied konnte wohl am besten ein schön prasselndes Feuer entfachen. Danach verabschiedete ich mich von den Zwergen, ging den Weg ein Stück zurück. Ich näherte mich, eine der Götzenfiguren als Deckung nehmend, dem Kultplatz, als plötzlich Yasine, wie aus dem Nichts vor der versammelten Goblinschar erschien. Sie hatte mit einem Male eine Flamme in der Hand, hob segnend die Hände, die Flamme erlosch und sie verschwand wieder in der Dunkelheit. Mit Schrecken sah ich, wie zwei Goblins auf einen Wink ihres Kriegshäuptlings hin, die Verfolgung von Yasine aufnahmen. Mir blieb nur zu hoffen, dass Yasine ihre Verfolger abschütteln konnte. Von nun an überschlugen sich die Ereignisse, irgendjemand rief, ich glaube es war Ada, : “ Seht die Statue!“. Ich selbst schaute hin, tatsächlich sie stand wieder wie zuvor, ich konnte es fast nicht glauben. Ich nutzte die einsetzende Verwirrung und schlich unbemerkt hinter die gegenüberstehende Figur. Dort angekommen konnte ich schon die ersten Flammen aus dem Wagen züngeln sehen und wie die Zwerge, die Armbrust im Anschlag aus der Deckung traten und das Feuer eröffneten. Ich zog mein Drachenschwert und stürmte quer über den Platz auf Sephirim zu. Laut rief ich den versammelten Goblins zu, dass die Götter sehr wohl noch mächtig waren und es nun an der Zeit war den Gotteslästerer zu strafen. Ich hegte die Hoffnung so die Goblins zum Kampf gegen Sephirim zu bewegen oder zumindest nicht uns anzugreifen. Dieser war wie erhofft zu überrascht, dass er von allen Seiten angegriffen wurde und konnte zunächst nur gehetzt nach allen Seiten blicken. Ich sah wie er von einem weiteren Pfeil Samianas getroffen wurde und obwohl er nicht die gewohnte Wirkung zu erzielen schien, irritierte ihn dies so sehr, dass er keine Versuche unternahm einen seiner unheiligen Zauber zu wirken. Nachdem die Zwerge ihn wohl nicht getroffen hatten, warfen sie ihre Armbrüste weg, zogen ihre mächtigen Felsspalter, um gleichfalls zum Nahkampf überzugehen. Als ich die Mitte des Platzes erreicht hatte geschah etwas Merkwürdiges, mich traf ein Schauer eisiger Kälte, der mir schmerzhaft die Hände und Arme versengte. Es war ihm scheinbar trotz allem gelungen einen seiner furchtbaren, unheiligen Zaubereien auszusprechen. Ich musste unwillkürlich an die versteinerten oder wie gefrorenen wirkenden Bannstrahler in der Roten Sichel denken. Doch so wollte ich nicht enden, ich wollte ihn meines Schwertes Schärfe spüren lassen. Voller Ingrimm rannte ich weiter, in der Hoffnung ihn zu erreichen, bevor er mich mit weiteren Zaubern angreifen würde. Da bemerkte er, dass außer mir auch noch zwei, mit ihren Doppeläxten durchaus furchterregend aussehende Zwerge auf ihn zustürmten. Diese Ablenkung bewahrte mich wohl vor weiteren schwarzmagischen Angriffen. Balum, der den kürzesten Weg gehabt hatte, erreichte ihn zuerst und begann ihn sofort zu attackieren. Doch obwohl sein erster Hieb ihn voll traf, schien dieser Sephirim nur leicht verletzt zu haben. Er war wohl durch einen finsteren Zauber geschützt.
Doch nun hatte auch ich ihn erreicht und schlug ohne zu Zögern zu. Auch mein Hieb saß und wie mir schien zeitigte dieser Angriff endlich die gewohnte Wirkung. Mein gutes Drachenschwert schien seinen Zauber zu durchbrechen. Obwohl wir nun ohne Unterlaß auf ihn einschlugen, gelang es ihm noch eine Beschwörungsformel zu murmeln. Kurz bevor Korgrimm ihm mit einem letzten Streich den Garaus machte, spürte ich wie sich hinter meinem Rücken etwas großes, unheimliches und bedrohliches manifestierte. Wie gebannt sah ich, wie der Diener des Namenlosen bis auf seinen Stab in einem Häufchen Asche zusammenfiel. Dann drehte ich mich um und erblickte eine abscheuliche, dämonische Kreatur, die mitten auf dem Kultplatz stand. Mein Schwert fester packend, wollte ich schon zum Angriff übergehen, als die Kreatur mit einem merkwürdigen, letzten Blick, wieder verschwand. Ich hatte mit einem Male das Gefühl, dass wir uns eines Tages wiedersehen würden. Erleichtert blickte ich mich um, bis auf die zwei Goblins, die Yasine verfolgt waren alle friedlich stehen geblieben. Als diese zwei sich nun unsere blitzenden Waffen gegenüber sahen, zogen sie es vor sich schnellstens zurückzuziehen. Allmählich versammelten sich all meine Gefährten um den elenden Überrest unseres Widersachers. Sie alle waren unversehrt, wenn auch recht erschöpft, außer mir hatte zu meiner Erleichterung also keiner irgendwelche Blessuren abgekriegt.
Wir gingen dann hinüber zu der Schamanin, um mit ihr zu verhandeln. Wir dankten ihr, dass sie den Frieden gewahrt hatte und baten sie dies auch weiterhin zu tun. Nach kurzem Zögern schließlich teilte ich ihr mit, dass wir auf dem Weg zum Lager von zwei Goblins angegriffen worden waren. Dabei war bedauerlicherweise einer ums Leben gekommen, während der andere noch gebunden oben im Gebüsch lag. Für den Gefallenen gab ein jeder von uns etwas aus seinem Hab und Gut, wie man bei uns in Weiden sagen würde, als Wergeld. Sie nahm unsere Geschenke, unter anderem ein Weinschlauch von mir, Balums Katzengoldklumpen, den er einst im Tempel von H`Rabaal gefunden hatte und Heilkräuter von Samiana und Ada, erfreut und dankbar an. Spätestens jetzt konnten wir sicher sein, dass hier der Frieden zwischen diesen Goblins und den Menschen zumindest für die nächste Zeit Bestand haben würde.
Dann brachen wir wieder auf und kehrten umgehend zum Tempel zurück.


30. Rondra 10 n. Hal



Obwohl wir die ganze Nacht marschierten erreichten wir ihn erst im Morgengrauen. Schon von Weitem konnten wir dunkle Rauchschwaden aufsteigen sehen, sollten wir doch zu spät gekommen sein?
Wir beschleunigten nochmals unsere Schritte, denn als wir näher kamen bemerkten wir, dass sich keine Menschenseele außerhalb des Tempels befand. Waren etwa alle noch im Tempel?
Warum kamen sie nicht heraus?
Als wir schließlich die großen Tore erreichten, stellten wir fest, dass sie sich nicht öffnen ließen. Sie waren durch einen bösen Zauber fest miteinander verwachsen. Wir hörten im Inneren die Eingeschlossenen schreien, während das Mauerwerk schon von der enormen Hitze zu schmelzen und zu bröckeln begann. Ich zog meine Streitaxt und hieb auf das weiche Gestein um eines der Löcher zu vergrößern. Während wir verzweifelt versuchten die Todgeweihten zu retten, vernahmen wir Pferdegetrappel hinter uns. Es war ein Trupp Bannstrahler, der nichts Besseres zu tun hatte, als uns gleich verhaften zu wollen. Sie erkannten dann aber doch noch in welcher Lage sich Mutter Herdgard und ihre Getreuen befanden und halfen uns schließlich. Nachdem die Bedauernswerten befreit waren, nahmen sie uns zur Überraschung aller doch noch fest. Alle Proteste, auch die von Mutter Herdgard halfen nichts gegen ihre abgrundtiefe Borniertheit. Sie beschlagnahmten unser Hab und Gut, steckten meine Gefährten in einen geschlossenen Wagen, um uns nach Gareth zu überführen. Einzig mir, als Adelssprössling, war es gestattet, wenn auch gebunden, aber doch hoch zu Ross zu reiten. Da ich darauf vertraute, dass sich spätestens dort in einem ordentlichen Verfahren alle Missverständnisse und letztlich haltlosen Anschuldigungen aufklären lassen würden, riet ich meinen Gefährten keinen Widerstand zu leisten.
Wie sehr sollte ich mich in ihrem Fanatismus und ihrer sogenannten Rechtschaffenheit täuschen!!



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