Von bösen Magiern und großen Schlachten

In und um Rommilys


11. Praios 10 n. Hal




Wir verließen Perricum in Richtung Rommilys, machten uns nun auf die Verfolgung des Meuchlers Hodaki. Im ersten Weiler durch den wir kamen erfuhren wir, daß er vor sieben Praiosläufen hier durchgekommen war. Als wir fünf Praiosläufe später Rommilys erreichten, waren wir Hodaki, der es scheinbar nicht so eilig gehabt hatte, schon bedeutend nähergekommen.



17. Praios 10 n. Hal



Während Yasine im hiesigen Kontor Stoerrebrandts eine Nachricht an die Fürstin losschicken wollte, begaben wir uns zum Stadttor, durch welches die Straße gen Gareth führt. Als wir die Wachen am Tor befragten, gaben diese bereitwilligst Auskunft. Er und sein herbeigerufener Kamerad hatten jenen Mann am Praioslauf zuvor noch in der Spelunke Zum Ochsenwasser gesehen. Er sei ihnen aufgefallen, da er ein wenig vertrauenerweckender Mann gewesen sei.Dies konnten wir nur bestätigen, und als wir ihnen sagten, daß wir ihn verfolgten erzählten sie uns, daß er erst an diesem Morgen die Stadt in Richtung Gareth verlassen hatte. Nun war Eile geboten, da wir ihm nun dicht auf den Fersen waren, vielleicht konnten wir noch Schlimmeres verhindern. Schnell kehrten wir zum Kontor zurück, um Yasine abzuholen. Ohne große Worte zu verlieren zog ich die überraschte Yasine zu mir hoch auf das Pferd und gab diesem die Sporen. Während wir im Eilritt gen Gareth jagten, erzählte ich dann Yasine was wir herausgefunden hatten und warum wir sie so “überfallen“ hatten. Abends erreichten wir dann die erste Wechselstation am Wege, wo frische Pferde zum Wechseln für die Eilboten bereitgehalten werden. Wie ich erwartet hatte war auch hier ein Gasthaus der Station angeschlossen. Meine Vermutung war ja, daß ein Anschlag auf einen Botenreiter wohl an einer solchen Station stattfinden würde. Da wir recht erschöpft waren, gedachten wir hier zu rasten. Noch während wir uns stärkten, hörten wir aus Gesprächen im Gastraum von einem totem Botenreiter, der gerade erst an der nahegelegenen Fährstation gefunden worden war. Wir blickten uns an, waren wir nun doch zu spät gekommen! Da bei der Leiche des Toten nichts gefunden worden war, hatte wohl Hodaki nun die Botschaft an sich genommen. Jetzt mußten wir ihn unbedingt schnellstens erwischen, um wenigstens die Botschaft noch zu bekommen. Korgrimm hatte zuvor bei den Stallknechten schon herausgefunden , daß der Gesuchte die Station wieder in Richtung Gareth verlassen hatte. Sofort sattelten wir wieder unsere Pferde und jagten die Straße weiter dem Mörder hinterher. Kurz bevor wir den nächsten Weiler erreichten, entdeckte Samiana in der nun hereinbrechenden Dämmerung vor uns eine kleine Gruppe, die auf der Straße heftig disputierte. Wir zügelten sogleich unsere Pferde und näherten uns in gemäßigterem Tempo. Gerade als Samiana uns mitteilte, daß es sich um drei Personen handelte, einer davon der verruchte Hodaki sei, wurde dieser niedergestochen. Wir gaben unseren Pferden die Sporen und griffen an. Da Yasine und ich linker Hand ritten, hielt ich auf den linken zu und ritt ihn im gestreckten Galopp nieder. Nun bewies sich, was für ein prachtvolles Pferd Yppolita mir gegeben hatte. Yasine laut festhalten gebietend stoppte ich das Pferd, fast auf der Stelle blieb es auch stehen. Sobald ich Yasine abgesetzt hatte, schwang ich mich aus dem Sattel. Was nun folgte war eine äußerst merkwürdige, ja groteske Situation. Während ich auf die Kampfsituation zuschritt und blank zog, stellte ich fest, daß wir zwei seltsame Elfen vor uns hatten. Einerseits hatten sie einen Bösewicht getötet, schienen aber selbst von einer bösen Aura umgeben zu sein. Irgendwie seltsam sind Elfen ja immer, auch unsere Samiana, aber im Vergleich zu ihr, die doch viel umgänglicher, unschuldiger und einfach in gewissen Dingen nur unwissend ist, waren diese abweisend, arrogant, kalt und befehlend. Sprachen wir sie an, befahlen sie uns nur zu verschwinden, an Hodaki wollten sie uns aber auch nicht lassen. Auch wollten sie nicht wirklich kämpfen, griff man sie jedoch an, antworteten sie mit einem unheimlichen, mächtigen Zauber, wie Korgrimm und ich schmerzlich erfahren mußten. Sie gaben keine Informationen und verhandelten trotz mehrerer Versuche nicht. Es war eine komische Pattsituation. Wir ließen unsere Waffen sinken, fragten sie nach dem Brief, da Yasine ihn bei Hodaki, den sie mittlerweile untersucht hatte, bei diesem nicht gefunden hatte. Sie behaupteten, keinen Brief zu haben und befahlen uns erneut zu verschwinden. Das ging mir nun zu weit. Im gleichen herausfordernden Ton antwortete ich ihnen, daß ich mir von ihnen nichts befehlen lassen würde. Ich wollte nun den Platz behaupten. Als sie sich dann umwandten zu ihren Pferden, begab auch ich mich zu meinem treuen Pferd Farla. Auf einmal ergab sich eine überraschenden Wendung. Eine der Elfen drehte sich wieder um und gab, von Samiana freundlich angesprochen, doch noch Auskünfte! Samiana verfügt wahrhaftig über unglaubliche Fähigkeiten. Bevor es jedoch möglich war alles wissenswerte aus ihr herauszubekommen, wurde sie von der anderen Elfe, ich traute meinen Augen kaum, niedergeschlagen. Daraufhin floh diese zu Pferde. Ich schwang mich gleichfalls auf mein Pferd und es begann eine bei dieser Dunkelheit eine wahrhaftig halsbrecherische Verfolgungsjagd. Während ihr Vorsprung sich zunächst vergrößerte, schien meine werte Farla erst allmählich ihre ganze Schnelligkeit auszuspielen. Dann flogen wir förmlich an die Fliehende heran, in deren Rücken, wie ich erstaunt feststellte auf einmal mehrere Pfeile steckten. Konnte es sein, daß Samiana unter diesen Umständen noch so treffsicher schießen konnte? Das war unglaublich, aber wohl wahr, was für eine Bogenschützin!!
Als ich mich nun neben die Fliehende setzen konnte, gelang es mir zuerst nicht sie mit Schwertes Schneide zu treffen. Als ich jedoch mit dem Galopp meines Pferdes in vollkommenen Einklang gekommen war, landete ich einen mächtigen Schwerthieb, der sie wie ein Stein vom Pferd fallen ließ. Ich lenkte mein Pferd zurück, stieg ab und untersuchte die Tote. Schließlich fand ich den gesuchten Brief. Zusammen mit der mittlerweile eingetroffenen Samiana hob ich sie auf ihr Pferd. Während ich ihren Bogen mitsamt den Pfeilen an mich nahm, griff Samiana mit unverkennbarer Ehrfurcht ihre rapierartige Waffe. Wie sie mir erklärte handelte es sich dabei um ein Wolfsmesser, eine äußerst seltene und alte Waffe, wie sei heutzutage niemand mehr herzustellen versteht. Als wir bei den anderen anlangten, hatte Korgrimm die andere Elfe schon entwaffnet und gefesselt. Wir beschlossen die drei mitzunehmen, als Beweis für den Mord an dem armen Boten. Wir kehrten um zur Wechselstation, um zu nächtigen und dann weiter nach Rommilys zu ziehen.

18. Praios 10 n. Hal



In Rommilys begaben wir uns sogleich zur Residenz, wo wir nach einiger Zeit zur Fürstin Hildelind von Rabenmund, des hochverehrten Kaisers Base, vorgelassen wurden. Bei den Elfen handelte es sich, wie sich herausstellte um die persönliche Leibwache des Hochverräters Galotta. Die noch lebende Elfe wurde gleich in die Katakomben zum peinlichen Verhör abgeführt, während man uns für unseren großen Dienst dankte. Man bat uns bleiben, uns zu erholen und zu erquicken, da man, so wir gewillt seien, nochmals unserer Dienste bedürfe. Und zwar sollten wir nochmals ausziehen und versuchen Galottas, des üblen Verräters habhaft zu werden. Aus der Botschaft die wir ebenfalls übergeben hatte ging nämlich hervor, daß er sich ganz in der Nähe, am Ochsenwasser aufhalten würde. Nachdem wir eine grobe Zeichnung von Galottas Insel im See namens Ochsenwasser erhalten hatten zogen wir am nächsten Praioslauf los.




Auf Gallotas Insel


19. Praios 10 n. Hal



Yasine und ich begaben uns, diesmal nicht zusammen auf meiner treuen Farla, sondern nun zu Fuß in eines der größeren Fischerdörfer am See. Dort heuerten wir einen Fischer mit seinem Boot an, der uns alle auf die Insel übersetzen sollte. Da die Praiosscheibe darüber schon weit vorangeschritten war, beschlossen wir uns eine Bleibe für die Nacht zu suchen und erst am nächsten Tag zum Treffpunkt mit den anderen aufzubrechen. Währendessen zogen Samiana und Korgrimm mit den Pferden den Landweg nehmend auf die andere Seite des Sees.

20. Praios 10 n. Hal



Am nächsten Morgen trafen wir sie am Ufer, nahe bei Galottas Insel. Nun stellte sich uns wieder das alte Problem, wie bekommt man einen störrischen Zwerg auf ein Boot. Da weder alkoholische Getränke, noch andere berauschende Mittel zur Hand waren und außerdem ein unzurechnungsfähiger Zwerg nicht nur hinderlich, sogar gefährlich bei unserem Vorhaben gewesen wäre, mußten wir uns etwas anderes einfallen lassen. Nachdem Korgrimm wie erwartet sich weigerte das Fischerboot zu betreten, versuchte ich gar nicht erst ihn zu überreden. Ich drückte lediglich mein Bedauern aus, daß er sich doch tatsächlich scheue, das Wagnis einzugehen mit uns Galottas Insel zu betreten. Als ich nun begann, ihm andere Aufgaben zuzuteilen und zu erläutern, die da wären, Pferde striegeln, Hufe säubern ... ergrimmte er zunehmend. Auch Samiana gab einige gute Ratschläge in Sachen Pferdepflege. Als nun Yasine auch noch anfing, daß sie jetzt den zu findenden Schatz wohl alleine würde heben müssen, da unser sonst so wackere Zwerg es vorziehe in Sicherheit bei den Pferden zu bleiben war es um seine Fassung geschehen. Er bestieg prompt als erster das Boot, legte sich in der Mitte bebend auf die Decksplanken. So nun konnte die Seereise beginnen, dachte ich, doch weit gefehlt! Während Korgrimm sich seinem Schicksal ergeben hatte, forderte Yasine das Ihre nun heraus, sie sprang lachend und recht schwungvoll auf das Boot und brachte es somit heftig zum Schaukeln. Jetzt war es um Korgrimms Selbstbeherrschung endgültig geschehen. Wutentbrannt stürzte er sich auf Yasine und begrub diese unter sich. Heftig schüttelnd würgte er sie, ich dachte schon er schickt sie nun in Borons Hallen. Nur mit Mühe gelang es uns ihn soweit zu beruhigen, daß er der armen Yasine zumindest nichts Schwerwiegendes antat. Sie nun aus seinem Griff wieder freizugeben, daran dachte er jedoch nicht. Er verlangte zuerst eine förmliche Entschuldigung von ihr. Gerade diese verweigerte sie ihm aber mit beinah schon zwergischer Sturheit. Da es den Anschein hatte, daß es einstweilen bei dieser Pattsituation bleiben sollte, gab ich dem Fischer das Zeichen abzulegen. Auf diese Weise bekam Korgrimm immerhin gar nicht mit, daß die “gefährliche“ Schiffsreise schon begonnen hatte, alles weitere, so hoffte ich, würden die Götter dann schon fügen. Dies taten diese dann auch, denn wir landeten am Ufer mit so einem heftigen Ruck, daß Korgrimm von Yasine heruntergeschleudert wurde. Diese sprang sogleich flink ans Ufer und brachte sich erst einmal in Sicherheit. Der immer noch sehr ergrimmte Zwerg stapfte sofort den schmalen Pfad hinauf, war weder zu bremsen noch zur Vorsicht zu gemahnen. Uns blieb nichts anderes übrig als ihm nachzueilen. Da stoppte ihn etwas anderes, der Angriff einer großen Giftschlange, einer Boronsotter. Nachdem sie ihn in sein festes Schuhwerk gebissen hatte, hieb er sie wütend in Stücke. Als wir den widerstrebenden Zwerg kurz auf Bisswunden untersucht hatten, stellten wir fest, daß Yasine fehlte. Umkehrend fanden wir sie bewegungsunfähig am Strand stehend vor. Sie stammelte immerzu, daß sie auf keinen Fall in dieses Gebüsch mit diesem fürchterlichen Schlangengezücht gehen könne. Als Samiana gütlich mit ihr sprach, beruhigte sie sich zumindest etwas. Aber erst als ich versprach, stets direkt hinter ihr zu gehen und sie, notfalls mit meinem Leben vor allem Ungemach zu schützen, setzt sie sich langsam in Bewegung. So zogen wir los, Korgrimm ging voraus, gefolgt von Samiana, dann kam Yasine und dichtauf folgte ich, stets das gezückte Schwert zur Hand. Als kurz darauf Korgrimm in ein Loch voller Skorpione trat, fing Yasine an, aus vollem Halse zu schreien. Schnell trat ich an sie heran, legte meinen Arm um sie und hielt ihr mit der linken Hand den Mund zu. So konnte ich zwar nur unmittelbar vor uns auftauchende Gefahren bekämpfen, aber vielleicht doch noch ein vorzeitige Entdeckung verhindern. Nachdem wir weitere Gefahren überstanden hatten, erreichten wir schließlich Galottas Turm.
Dieser war auf einem kegelförmigen Fels erbaut, um den sich spindelförmig der Weg nach oben wand. Unverzüglich begannen wir den Aufstieg.. als wir schon zur Hälfte oben waren, ertönte über uns plötzlich ein lautes Rumpeln, welches sich zunächst nur langsam näherte. Wir hatten wohl schon wieder eine Falle ausgelöst. Korgrimm, in solchen Dingen anscheinend bewandert riet sofort zur Umkehr, da sich eine riesige Steinkugel nähere, uns zu zermalmen. Wir flohen den Weg hinab, mußten aber bald erkennen, daß wir es nicht rechtzeitig schaffen würden uns aus dem Gefahrenbereich zu bringen. So bauten wir mit unserem Gepäck, verstärkt mit unseren Waffen, die Götter mögen uns unseren Frevel verzeihen, eine Art Rampe auf dem Weg. So hofften wir die Kugel aus ihrer Bahn zu werfen. Auf unser Glück vertrauend verschanzten wir uns hinter unserer armseligen Deckung. Korgrimm und ich ganz vorne, um noch zusätzlich abzustützen, hinter mir Samiana, zuletzt Yasine, die noch schnell ein Stoßgebet zu ihrem Gotte sprach. So erwarteten wir den Aufprall, der noch heftiger als erwartet kam. Ich verspürte einen mächtigen Schlag, die Kugel fiel wohl genau auf mich, bevor mir dann die Sinne schwanden. Als ich wieder zu mir kam, sah ich zuerst Samiana, die ihre Hände auf mich gelegt hatte und leise murmelte. Sie hat mich wohl Borons Hallen gerade noch entrissen, was ich ihr nie vergessen werde. Ich fühlte in mir, außer großen Schmerzen, eine starke Dankbarkeit gegenüber Yasine und ihrem Gott, hatte sie mir doch das ihr verliehene Glück geschenkt um das Schlimmste abzuwenden. Es waren meine beiden weiblichen Begleiter, die mich davor bewahrt hatten endgültig in den Blautann zu gehen.
Da wir alle sehr unter dem Aufprall der Kugel gelitten hatten, durchsuchten wir sogleich unser zum Teil zertrümmertes Gepäck nach unversehrt gebliebenen Heiltränken und stärkten uns so wieder etwas. Als wir unseren Weg nach einer kurzen Erholung fortsetzten, wurden wir auch noch von zwei Elfen angegriffen, die wir mit vereinten Kräften niederrangen.
Kurz darauf standen wir im Turm, dessen verschlossene Türe Korgrimm mit Yasines Messer schnell geöffnet hatte. Außer einem Strohlager und einer nach oben führenden Treppe war nichts zu sehen. Während ich mich zur Treppe begab, um uns gegen weitere Angriffe zu sichern, forderte ich die anderen auf, den Raum gründlich zu untersuchen. Unter dem Strohlager fand Korgrimm schließlich eine Falltüre, die eine abwärts führende Treppe verbarg. Zunächst jedoch begaben wir uns nach oben. Dort wurden wir, noch bevor wir das Dachgeschoss betreten hatten von einer männlichen Stimme begrüßt. Man hatte uns wohl schon erwartet.Der Raum, den wir betraten hatte ein kuppelförmiges Dach, welches mittels einer komplizierten, mechanischen Vorrichtung teilweise geöffnet war. In der Mitte des Raumes befanden sich alchemistische Apparaturen, irgendeine Flüssigkeit tropfte in eine brennende Pfanne. Hinter all dem befand sich ein Mann, der der Beschreibung nach eindeutig der Schwarzmagier Galotta selbst sein mußte.



Nach unseren kurz zuvor auf Kurkum gemachten Erfahrungen mit Magiern, ließen wir uns zunächst in eine vorsichtige Plauderei mit ihm ein. Interesse für seine Gerätschaften, mit denen man am hellichten Praioslauf die Sterne beobachten konnte, heuchelnd, näherten wir uns ihm. In der Mitte seiner Apparatur, lag in einer Mulde eine schwarze Kugel, die er als Schwarzes Auge bezeichnete. Zuletzt forderte er Korgrimm sogar auf durch das Teleskop zu gucken. Als sich Korgrimm näherte, wich Galotta ein Stück zurück, einen Sicherheitsabstand wahrend. Ich folgte Korgrimm ebenfalls. Als Korgrimm Galotta recht nahe gekommen war, stolperte der Zwerg und warf dem Magier den mitgebrachten Bannstaub ins Gesicht. Dies sollte es dem mächtigen Magier unmöglich machen zu zaubern. Sogleich sprang ich, mein Schwert ziehend hinzu und hieb nach dem taumelnden Magier. Ich traf ihn mehrmals hart, bevor er vom Steg seines Turmes durch die Öffnung in die Tiefe fiel.
Als Korgrimm und ich nach unten schauten, sahen wir ihn unten offensichtlich zerschmettert liegen. Da fiel uns ein lauter werdendes Prasseln hinter uns auf, uns umdrehend sahen wir, daß sich das Feuer unkontrollierbar ausgebreitet hatte. Während der Dachstuhl schon Feuer fing, versuchten Yasine und Samiana das Schwarze Auge aus der Mulde zu heben, welches jedoch viel zu schwer für die beiden war. Korgrimm unterdessen rannte zur Treppe und brachte sich in Sicherheit. Ich hätte den beiden gerne geholfen, aber ich fürchtete, daß ich nicht die Zeit hatte, da sich das Feuer rasend schnell ausbreitete. So blieb ich an der Treppe stehen und rief den beiden zu, sich zu beeilen, da wir sonst hier verbrennen würden. Endlich kamen die beiden, erfolglos zwar, aber immerhin noch rechtzeitig. Ich folgte den beiden die Treppe hinab und aus dem Turm. Als wir den Weg hinabstiegen, hörten wir ein lautes “Transversalis“ und sahen den schon totgeglaubten Galotta verschwinden. Am Fuße des Turmfelsens trafen wir wieder auf Korgrimm.
Erschöpft ließen wir uns nieder um zu rasten. Wir sprachen über das Erlebte, und kamen überein, daß wir am nächsten Morgen nochmal hinaufsteigen würden. Auch wenn ich einen gehörigen Respekt vor diesem mächtigem, bösem, magischem Artefakt hatte, beschlossen wir danach zu suchen, es zu vernichten oder es mitzunehmen. Es durfte auf keinen Fall nochmals in falsch Hände geraten! Darüber hinaus war es auch ein Beweis, daß wir tatsächlich in dem Turm waren.




Auf zur Trollpforte


21. Praios 10 n. Hal




Nach einer eher unruhigen Nacht, erfüllt mit exotischen Klängen, irgendwo mußte hier eine ganze Horde Affen sein, machten wir uns früh auf, die Trümmer des Turmes zu untersuchen. Bald hatten wir das Schwarze Auge unversehrt im Inneren des Turmes gefunden. Weiter fanden wir, außer einem Rest des Teleskoprohres mit den Linsen nichts. Auch die Treppe in den Keller endete einfach nur im Wasser.
Noch auf dem Weg zum Strand konnten wir schon das Segel eines näherkommenden Fischerbootes ausmachen. Am Strand angelangt, war es dann so nah, daß wir deutlich erkennen konnten, daß der Fischer nicht allein auf seinem Boot war. Was hatte dies zu bedeuten? Wir versteckten zuerst einmal das Schwarze Auge in einer Sandmulde. Wie sich herausstellte handelte es sich bei den Bewaffneten um Agenten der KGIA. Nach anfänglichem Misstrauen berichteten wir ihnen dann von den Ereignissen und übergaben ihnen das Schwarze Auge. Von ihnen erfuhren wir nun auch, daß sich das kaiserliche Heer in Bewegung gesetzt hatte und sich auf dem Weg zur Trollpforte befand. Als wir unsere Pferde wieder geholt hatten, machten wir uns ebenfalls auf den Weg zur Trollpforte. In einem gastlichen Haus am Fuße der Trollzacken, kurz vor Erreichen unseres Zieles bestanden unsere Damen darauf, Rast zu machen. Sie wollten erst noch ein gepflegtes Bad nehmen und sich ein bißchen rausputzen. Korgrimm und ich nutzten ebenfalls die Gelegenheit unsere standesgemäße Kriegerkleidung anzulegen, mit dem Waschen nahmen wir es allerdings nicht ganz so genau. Ich zog meinen Wappenrock in den Farben derer von Drachenfels an.

24. Praios 10 n. Hal



Am nächsten Praioslauf langten wir im Feldlager an der Trollpforte an. Das Lager befand sich in einem drei bis vier Meilen breitem Tal, hinter einer hohen Mauer, die das Tal bis auf einen schmalen Durchlass in der Mitte abriegelte. An besagter Mauer, die ihre besten Tage wohl schon hinter sich hatte, wurden noch letzte notdürftige Ausbesserungsarbeiten vorgenommen. Das Lager war in Form eines Boronrades aufgebaut. Als wir durch das ausgedehnte Lager ritten, merkten wir, daß trotz der vielen bunten Fahnen und Wipfeln eine angespannte, ja ängstliche Stimmung vorherrschte. Während wir noch auf die größeren Zelte auf dem Hügel, die wohl die Kommandozentrale darstellten, zuhielten, brandete plötzlich lauter Jubel auf. Die Ursache dafür war eine Gruppe Berittener, die gerade angekommen, sich ebenfalls einen Weg durch das Lager bahnte und auf den Feldherrenhügel zuhielt. Wie wir feststellten handelte es sich dabei um niemand geringeres als Raidri Conchobair und Fürst Cuanu Ui Bennain, zwei schon zu Lebzeiten zur Legende gewordene Helden. Als sie den Hügel erreichten, traten verschiedene hohe Herrschaften, darunter auch Graf Dexter Nemrod aus dem Zelt, sie zu begrüßen. Mittlerweile waren auch wir in die Nähe des Zeltes gekommen und zügelten unsere Pferde, zunächst etwas unschlüssig was wir nun tun sollten. Da erblickte uns Graf Dexter Nemrod und winkte uns herbei. Als wir ihn erreichten, waren die anderen schon wieder im Zelt verschwunden, wo eine Lagebesprechung stattfinden sollte. Wir berichteten kurz vom Verlauf und Erfolg unseres Unternehmens. Erfreut bat er uns an der Besprechung teilzunehmen, jedoch über die Vorfälle einstweilen noch Stillschweigen zu bewahren.
Es war für uns eine große Ehre teilnehmen zu dürfen, zumal auch mein Herzog Waldemar der Bär alsbald dazustieß. Es war für mich das erstemal, daß ich ihm direkt gegenüberstand, ich war sehr beeindruckt. Allein dies wird mir unvergessen bleiben. Er war genau so wie ich ihn aus Erzählungen kannte, ja er übertraf sie sogar!! Als er mich dann sogar fragte, ob ich Anführer eines Banners seiner Weidener Rundhelme werden wolle, war ich sprachlos, mir wurden die Knie weich. Herzog Waldemar persönlich wollte mich, einen bescheidenen, zweitgeborenen Sohn eines Ritters aus einer armen Provinz zum Bannerführer ernennen! Heftig errötend vor Stolz nahm ich diese Ehre an! Über den weiteren Verlauf der Lagebesprechung weiß ich nicht darob nicht allzu viel zu sagen, außer daß man uns bat einen kurzen Bericht vom Kampf bei der Zerstörung Ysilias zu geben. Schließlich waren wir in dieser Runde die einzigsten Augenzeugen. Korgrimm, ebenfalls ein ausgebildeter Krieger wurde zum Bannerführer eines zwergischen Sappeursbanner ernannt. Späher hatten noch berichtet, daß die anrückenden Ogerhorden anscheinend eine große Kriegsmaschine mit sich führen würden.
Nach der Besprechung begleiteten wir Raidri noch ein Stück durch das Lager. Er wurde überall freudig begrüßt und mußte immer wieder von seinem legendären Kampf gegen den Riesenoger Arzuch erzählen. Er tat dies auch bereitwillig, allein schon nur um den Kriegsleuten die Angst vor dem Unbekannten zu nehmen und ihnen Zuversicht zu geben. Die Menschen waren sehr unruhig, wohl kaum einer hatte je einen Oger gesehen, sie wussten nicht was auf sie zukommen würde. Und was letztlich auf sie zukam war viel schlimmer, als sie sich in ihren schlimmsten Alpträumen hatten vorstellen können. Lediglich ein Schelmenpärchen sorgte an einem der Lagerfeuer für ausgelassene Stimmung. Ich hatte auf unserem Gang durch das Lager immer wieder nach Amazonen und natürlich Farline Ausschau gehalten, konnte aber leider keine erblicken.
Nach einer Weile verabschiedete sich Korgrimm um mal zu seiner Einheit zu gehen, während ich mit den anderen die Meinige ansteuerte.

Die Schlacht an der Trollpforte


25. Praios 10 n. Hal



Am nächsten Morgen bezogen wir unsere Stellungen, Korgrimm im Zentrum hinter der Mauer. Samiana, typisch für eine Elfe, wollte lieber freier und ungebundener sein und als vorgezogener Botenreiter fungieren. Yasine wollte sich lieber mir anschließen und bat mich, ob sie wieder mit mir reiten dürfe. Ich hatte dies irgendwie schon erwartet und erfüllte ihr gerne diesen Wunsch. Nachdem wir nun schon so lange zusammen auf einem Pferd geritten waren, würde mir beinahe schon etwas fehlen, wenn sie nicht mit mir reiten würde. Ich freute mich, daß wenigstens einer meiner Gefährten noch bei mir war, waren wir doch nun alle über das Schlachtfeld verteilt. Hoffentlich würden wir uns bald wiedersehen.
Herzog Waldemar und seine Rundhelme, auch meine Einheit, wurden in den Süden des Schlachtfeldes beordert. Wir sollten, so dachte ich den vorrückenden Feind soweit umgehen, daß wir ihm in die Flanke oder gar in den Rücken fallen konnten. Vielleicht sogar mit dem Ziel die Kriegsmaschine zu zerstören. Für diesen Fall hieß ich einige meines Banners ein paar Reisigbündel sammeln, gut zu verschnüren und an meinem und einigen anderen Pferden festzurren. Da Yasine eine eigene Zunderbüchse besaß, gab ich ihr noch meine Flasche mit Lampenöl. Sie sollte wenn es uns gelang zur Kriegsmaschine durchzudringen, die Reisigbündel darunter legen und mit dem Lampenöl entzünden. Ich gedachte ihr dann solange Rückendeckung zu geben. Bald kam Samiana und meldete mir, daß einige vorausgelaufene Oger schon in erste Kämpfe verwickelt waren. Kurz darauf war dann das “Hauptheer“ erschienen. Eine große Menge wütender und fressgieriger Oger, die tatsächlich eine große Wurfmaschine mit sich führten. Ich schloss zu unserem Herzog Waldemar auf und gab ihm diese Meldungen weiter, dann kehrte ich wieder zu meiner Einheit zurück. Kurz darauf ertönte lauter Schlachtenlärm zu uns hinüber. Es war schrecklich anzuhören. Ich gab meinen Leuten letzte Anweisungen, denn ich dachte, daß wir uns nun ebenfalls ins Getümmel stürzen würden. Doch unser Herzog ließ mit dem Zeichen auf sich warten. Das Lärmen wurde immer lauter, während unsere Mitstreiter kämpften und starben, saßen wir hier auf unseren Pferden rum!! Ständig kamen und gingen Botenreiter und doch wir harrten weiter. Als ich es nicht mehr aushielt, ritt ich erneut zu Herzog Waldemar, der mittlerweile tobte und schäumte. Auch er wollte endlich losschlagen, war genauso ungeduldig wie ich, doch der Oberbefehlshaber Helme Haffax, Graf von Wehrheim ließ uns weiter schmoren.
Endlich kam der Befehl zum Aufbruch, doch ganz anders wie erwartet. Wie sollten umdrehen und hinter die Mauer zurückkehren. Das verhieß nichts Gutes! Das konnte nur bedeuten, daß die Ogerhorden durchgebrochen waren.


Als wir die Mauer erreichten sah ich, daß eine große Bresche in die Mauer gebrochen worden war. Das konnte nur diese Wurfmaschine, die später allgemein nur noch der Ogerlöffel genannt werden sollte, gewesen sein. Durch die Bresche waren schon zahlreiche Oger durchgedrungen und hielten hinter der Mauer grausige Ernte. Wir mußten versuchen sie aufzuhalten und sie zurück zu werfen. Wir stürzten uns im vollen Galopp in die Masse. Unser Aufprall war so heftig, daß so mancher aus dem Sattel gehoben wurde. Auch ich wurde zu Boden gerissen, Yasine versuchte zwar noch mich festzuhalten, doch das misslang, und so landeten wir beide auf dem Boden. Nach zähem Ringen aber gelang es unserer Einheit schließlich diesen Kampf für uns zu entscheiden. Da kehrte in diesem Abschnitt kurz Ruhe ein, was wir nutzten uns neu zu formieren. Als ich mein Schlachtross rief, kam das gute, treue Tier sogleich gelaufen. Yasine und ich saßen auf und blickten uns um, an einigen Stellen wurde hinter der Mauer noch gekämpft. Ansonsten sah ich noch Raidri Conchopair auf seinem Streitwagen, der bemüht war möglichst viele um sich zu sammeln. Wie man hörte war die schwere Reiterei vor der Mauer von den Oger eingekesselt worden. Die Chancen für diese wackeren Kämpfer standen mehr als schlecht. Der Beschuss durch den Ogerlöffel richtete weiterhin viel Schaden an, er drohte die gesamte Mauer in Stücke zu schießen. Dann wäre der Durchbruch der Ogerhorden nicht mehr aufzuhalten. Da deutete Yasine auf die Mauerkrone und ich sah, daß fast kein Verteidiger mehr oben stand. Wir mußten sogleich an Korgrimm denken, hier war er doch eingeteilt worden, doch man sah keine zwergische Sappeure oder sonstige Einheiten noch ihre Pflicht tun. Sind sie alle aufgerieben worden? Wir beschlossen nach unserem wackeren Zwerg zu suchen, vielleicht gab es noch Hoffnung, auch wenn die Aussichten ihn hier in dem Chaos zu finden wahrlich gering waren. Nach längerem Suchen, wir wollten schon aufgeben und uns Raidri anschließen, als wir mitten in der Bresche einige Zwerge liegen sahen. Und tatsächlich, einer von ihnen war Korgrimm, dem Tode näher als dem Leben. Er hatte zwei große Wunden am Kopf. Auf einmal war auch Samiana da, schwer gezeichnet zwar, aber sie lebte und konnte uns helfen. Gemeinsam gelang es uns ihm einen Heiltrank einzuflößen, was ihn zu sich brachte. Nach einiger Zeit konnte er wieder aufstehen. Dank eines weiteren Trankes und Samianas Heilkünsten war er bald schon wieder fast der Alte. Da kam gerade Raidri Conchopair und fragte uns, ob wir uns seinem Ausfall anschließen wollten. Er brauche noch wackere Recken, da er versuchen wolle den Ogerlöffel auszuschalten, der noch immer großen Schaden anrichte. Natürlich schlossen wir uns an. Korgrimm wollte ebenfalls mit, obwohl er noch etwas wackelig auf den Beinen war. So kam es, daß er auf dem Streitwagen Raidris mitfahren durfte. Im wilden Sturme griffen wir die Oger, die um den Ogerlöffel gruppiert waren an. Bisher waren Yasine und ich, die wir mittlerweile wie ein Mann kämpften noch recht glimpflich davon gekommen. Doch in diesem zähem Kampf, mußte ich mal zwangsläufig mit meiner Streitaxt weiterkämpfen, da ich das Schwert im Getümmel verloren hatte. Außerdem mußte ich manchen Treffer einstecken und trug sogar eine Wunde am linken Arme davon, deren Narbe mich wohl immer an diesen Kampf erinnern wird, es sei denn es gelingt Samiana eines ihrer kleinen Wunder geschehen zu lassen. Schließlich gelang es mir Yasine, dicht am Ogerlöffel abzusetzen. Gemeinsam schnürten wir die mitgebrachten Reisigbündel los. Yasine postierte diese dann unter der Maschine und zündete sie mithilfe des Lampenöls an, während ich ihr Rückendeckung gab. Es konnte schließlich jederzeit noch ein weiterer Angriff auf uns erfolgen. Doch die Schlacht war nun bald entschieden, der letzte Widerstand war gebrochen. Die eingeschlossene schwere Reiterei hatte sich dank des taktischen Geschicks ihrer Hauptleute und dem überraschenden Angriff der Amazonen doch wieder befreien können. Ja keiner hatte mehr mit den Amazonen gerechnet, sie waren auf einmal im Rücken des Feindes aufgetaucht und hatten sich todesmutig in den Kampf geworfen und viele der Ungetüme erschlagen. Aber auch sie hatten einen hohen Blutzoll entrichtet und fast die Hälfte ihrer tapferen Kämpferinnen verloren, die sie nun bargen. Umso glücklicher war ich, als ich kurz bevor die Amazonen wieder aufbrachen noch meine Schwester Farline in die Arme schließen konnte. Leider blieb uns nicht viel Zeit, so gab sie mir nur mein nun geweihtes Drachenschwert wieder, bevor sie losreiten musste. Wir versprachen uns jedoch, uns baldmöglichst wieder zusehen, wenn dann die Zeiten bessere sind.
Viele Worte kann ich nicht mehr über diesen schrecklichen Krieg schreiben. Es bleibt nur festzustellen, daß vorsichtigen Schätzungen nach wohl an die 30.000 Menschen durch den Zug der Oger den Tod gefunden hatten. Mögen die Götter ihnen gnädig sein!
In den nächsten Praiosläufen zogen wir mit dem verbliebenem Heer gen Gareth, wo uns von Kaiser Hal persönlich der Jergan-Orden verliehen wurde, diese erhielt jeder, der an den Kämpfen an der Trollpforte teilgenommen hatte.




In den Gassen Gareths


1-4. Rondra 10 n. Hal




Am Tag nach der Ordensverleihung erreichte mich ein Bote aus meiner weidnischen Heimat. Er überbrachte mir keine erfreulichen Nachrichten, wie er mir mitteilte ginge es meinem Herrn Vater schlecht, so daß ich baldmöglichst gen Weiden aufbrechen wollte. Jetzt hatte ich nur das Problem, daß zum einen noch einiges vor der Abreise erledigt werden mußte, zum anderen waren mir von meinen Gefährten lediglich noch Yasine treu erhalten geblieben. Die anderen hatten wir während der ganzen Feierlichkeiten und auch unserem eigenem ausgelassenem Feiern wohl in den Gassen von Gareth verloren. Samiana, der das bunte, zuweilen auch recht wilde Treiben wahrscheinlich zuviel war hatte sich, wie ich vermutete in ruhigere Gefilde, vielleicht in die Wälder vor den Toren der Stadt zurückgezogen. Wo dagegen Korgrimm geblieben war, das wissen wohl nur die Götter, ihm war im Gegensatz zur Elfe keine Feier zu wild, nirgends floss das Bier in zu großen Mengen...
Nachdem ich Yasine, wie versprochen in den Phextempel begleitet hatte, suchten wir noch andere Tempel auf, um den Göttern für ihren Beistand bei den erlebten Abenteuern angemessen zu danken. Danach führte ich Yasine nochmals in eine der zahlreichen Spelunken, die ich zum Teil noch von meinem erstem Aufenthalt in Gareth kannte. Nach der doch recht trockenen Luft in den Tempeln, hatte ich das Bedürfnis meine Kehle entsprechend zu benetzen, außerdem wollten wir in Ruhe unsere weiteren Pläne beratschlagen. Ich für meinen Teil mußte noch einen fähigen Schmied aufsuchen. Für den Fall, daß auch Yasine noch andere Ziele oder Bedürfnisse hatte, bot ich mich ihr als Begleiter an, ist doch gerade Gareth, die Stolze und Prächtige, nicht nur für seine alles überstrahlende Pracht berühmt und berüchtigt. Als wir uns niedergelassen hatten und uns unseren Krügen widmeten, bemerkten wir inmitten des größten Tumultes der Spelunke eine uns wohlvertraute Gestalt. Korgrimm, natürlich dort, wo am meisten getrunken und am lautesten gefeiert wurde....
Nachdem wir uns ihm bemerkbar gemacht hatten, was nicht gerade einfach war, gesellte er sich alsbald in reichlich bierseliger Stimmung zu uns.
Als ich ihm jedoch vom schlechten Befinden meines Herrn Vater berichtet hatte, schien er schlagartig ernüchtert. Dies war auch gut, denn just tauchte, wie aus dem Nichts Samiana auf und beehrte uns gleichfalls mit ihrer Gesellschaft, als hätte sie geahnt, daß nun ihre Anwesenheit vonnöten war. Endlich wieder vereint, berichtete ich allen die jüngsten Ereignisse.
Noch während wir uns besprachen, sprach uns ein Händler höflich an. Nachdem er sich als Sephirim Isyahadan vorgestellt hatte, erzählte er uns, daß er baldmöglichst mit einem kleinem Wagenzug gen Mitternacht, ins weidnische Land zu reisen gedenke. Da die Zeiten doch recht unsicher seien, könne er im Waffenhandwerk Geübte wie wir es seien gut als Bedeckung auf der Reise gebrauchen. Schnell kamen wir überein und verabredeten uns gleich für den nächsten Morgen. Wir wollten uns dann zur phexens Stund am Nordtore treffen. Samiana, verabschiedete sich alsbald ganz elfisch mit den Worten, daß wir uns zur rechten Zeit wieder treffen würden. Froh gestimmt, bald aufzubrechen und auf der Reise nach Weiden en passant noch ein paar Silberlinge zu verdienen, verabschiedeten wir uns von dem Händler. Auch wir verließen bald darauf die Schenke, da Korgrimm und ich noch einen Waffenschmied aufsuchen wollten. Als wir drei den Markt erreichten, wo allerlei Händler und Schmiede ihre Waren feilboten, vernahmen wir sogleich lautes, wütendes Geschrei. Dem Lärm folgend, standen wir schließlich vor der Bude eines zornbebenden zwergischen Schmiedes, der sich nur mühsam beruhigen konnte. Als wir den Grund seines Zornes erfuhren, konnte ich ihn gut verstehen, ja mir erging es beinah ebenso. Mehr will ich gar nicht schreiben, da ich mich sonst wieder ereifern muss ...
Ansonsten verfügte er über einige hervorragende Äxte, Kettenhemden und Schwerter, leider war kein Bastardschwert darunter und auch kein Schild. So konnte ich meine eigentlichen Wünsche nicht erfüllen. Aber zuerst bestellten wir für uns alle je eine Portion Waffenbalsam. Auf Anraten Korgrimms probierte ich dann ein Kettenhemd an, welches mir der Schmied gab. Ich mußte zugeben, daß mein altes Kettenhemd von zahlreichen Kämpfen nun doch schon arg in Mitleidenschaft gezogen worden war. Als ich jedoch den Preis für dieses zweifellos hervorragend gearbeitete Hemd erfuhr, mußte ich doch schwer schlucken. Selbst mit meiner, für meine Verhältnisse gut gefüllten Geldkatze konnte ich es mir nicht leisten. Obwohl es mir wie angegossen passte, wie ich gerade Korgrimm mehrfach bestätigen mußte, würde ich es wohl doch wieder zurückgeben müssen. Noch während ich es ausprobierte, hatten Korgrimm und Eigor, der Schmied, sich zu Verhandlungen in eine Ecke zurückgezogen. Als ich dann dem eigentümlich grinsenden Korgrimm nochmals bestätigen mußte, daß dies Kettenhemd wie für mich gemacht schien, eröffnete er mir, daß ich es behalten durfte!
Er hatte es im Tausch für das Alte auch schon bezahlt! Ich war sprachlos ob solch einer großzügigen Gabe meines Gefährten, ich konnte ihm gar nicht genug dafür danken. Abschließend gab Korgrimm noch eine Axt bei Eigor in Auftrag, die jener fertigen und dann zu gegebener Zeit auf Drachenfels abgeben sollte.
Nachdem wir nun unsere Geschäfte solchermaßen getätigt hatten, kehrten wir frohgemut mit Yasine, die die ganze Zeit geduldig gewartet hatte, in unsere Herberge zurück.



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