Tagebuch Teil 2: Die neue Heldengruppe wächst zusammen

Von Beilunk nach Kurkum


7. Praios 10 n. Hal




Kaum war die Praiosscheibe am Firmament erschienen, brachen wir von unserer Herberge auf. Korgrimm wollte zunächst das herzögliche Gestüt aufsuchen, um sein in Ysilia erbeutetes Pferd zu verkaufen. Er konnte trotz meiner Bemühungen immer noch nicht mal ein kleines bißchen reiten und somit nicht viel mit dem Pferd anfangen. Wenigstens würde uns das unsere Reisekasse erheblich aufbessern. Wir anderen begaben uns derweil zum Kontor, wo wir uns dann später wieder treffen wollten. Auf dem Weg dorthin besorgten wir noch die für unsere Reise notwendigen Dinge. Als Korgrimm nach erfolgreichem Verkauf wieder zurückgekehrt war, nach meinem Ermessen hatte er ein ganz passablen Preis erzielt, brachen wir umgehend auf.
Unsere Reise ging zügig vonstatten. Samiana und ich ritten voraus, wobei ich das Pferd, welches den Karren mit der gut anderthalb Schritt großen Statue zog, am Zügel nahm. Korgrimm und Yasine hatten auf dem Wagen Platz genommen, da sie beide des Reitens nicht mächtig sind.


Am Nachmittage bemerkten wir vor uns eine Rauchsäule aufsteigen. Als wir nähergekommen waren, konnten wir vier Gestalten ausmachen, die nahe des Weges lagerten. Es handelte sich dabei um drei berittene und ähnlich gekleidete, bewaffnete Männer. Nahebei lag eine gefesselte Frau am Boden, der wohl das vierte Pferd gehörte. Nach kurzer Beratung schlichen sich Yasine und Samiana an die laut feixenden Männer an. Korgrimm und ich hielten uns in Deckung, bereit im Notfall schnell eingreifen zu können. Noch während die beiden auf Kundschaft aus waren, brach plötzlich ein Oger aus dem Gehölz, den die drei Gesellen, rasch aufspringend in beeindruckender Weise wahrhaft mühelos fällten. Danach fielen sie auf die Knie, und vollzogen seltsame Rituale. Diesen Moment der Unachtsamkeit ihrer Bewacher nutzte die am Boden liegende Frau. Sie sprang blitzschnell auf, schwang sich auf eines der Pferde und galoppierte davon. Dabei zeigte sie ein Können, daß mir sogleich der Verdacht kam, daß es sich dabei um eine Amazone handeln könnte.
Nachdem unsere Gefährtinnen zurückgekehrt waren, beschlossen wir das Lager dieser derben Kriegsgesellen zunächst zu umgehen. Da diese keinerlei Anstalten machten die Entflohene zu verfolgen, wollten Samiana und ich vorauseilen, in der Hoffnung sie einzuholen. Vielleicht war sie ein Weg zu den Amazonen?
Wir konnten zwar eine Spur finden, die in die Berge führte, aber es war angesichts des Geländes nicht daran zu denken, ihr mit dem hinderlichen Wagen zu folgen.
So kehrten wir, als unsere beiden Nachzügler bei uns eingetroffen waren um. Wir gedachten, mit diesen Gesellen entweder den Lagerplatz zu teilen, oder ihnen, sollten sie feindlich gesinnt, ihnen einen rondragefälligen Kampf anzubieten.
Da sie, unserer ansichtig geworden, sich freundlich verhielten, ja uns sogleich einluden für die Nacht zu verweilen, nahmen wir dies Angebot gerne an. Wir erfuhren von den drei traditionell in rot und schwarz gewandeten Korgeweihten, daß sie von einem Händler angeheuert worden waren, zum Schutze gegen Überfälle der Amazonen. Denn seit geraumer Zeit, erzählten sie, wären jene sehr feindselig gegen jedermann und hätten auch tatsächlich den ihnen anvertrauten Zug angegriffen. Die Gefangene war eine von ihnen gewesen. Mir war das völlig fremd, hatte ich doch noch nie gehört, daß Amazonen harmlose Karawanen überfielen, nur um Beute zu machen.
Wie die drei weiter berichteten, wollten sie nun gen Beilunk ziehen, um am wohl bevorstehenden Kriegszug gegen die Oger teilzunehmen. Als wir nun unsererseits erzählten, daß wir gerade von Ysilia kamen, dort am Kampf um die Stadt teilgenommen hatten, bedauerten sie sehr, daß sie nicht schon dort hatten dabei sein können. Sie schwärmten in einer Art vom Kämpfen und Schlachten daß es mir schauderte.
Nach allerlei Reden teilten wir, Samiana und ich, unsere Wachen ein und begaben uns zur Ruhe.

8. Praios 10 n. Hal


Nachdem die drei sehr frühzeitig weitergezogen waren, erzählte Yasine uns noch einiges über diesen ja schon blutrünstigen Kult und seine befremdlichen Rituale. Es war erstaunlich und merkwürdig, wie viel sie berichten konnte. Am Praioslauf zuvor, wußte sie, als wir uns zu jenen gesellten, so schien es, genauso wenig wie wir. Yasine scheint über manch geheime, hoffentlich den Zwölfen gefällige Fähigkeiten zu besitzen.
Am frühen Abend erreichten wir sodann unser Ziel, Shamaham, wo rege Bautätigkeit zu bemerken war. Man bereitete sich auf einen Flüchtlingsstrom aus den Norden Tobriens vor. Es ist also wahr, schlechte Zeitung hat tatsächlich Flügel.
Im Ort angekommen mußte ich mit Entsetzen sehen, daß der hießige Rondratempel wohl vor kurzer Zeit erst geschändet, entweiht und zerstört worden war! Wer nur konnte einen solchen Frevel begehen? Wie wir erfuhren, wurde sogar die Rondrageweihte getötet und keiner wußte wer dies Verbrechen begangen hatte. Es solle jedoch eine Augenzeugin gegeben haben, eine Frau Eberhard, das war doch der Mann an den wir uns wenden sollten, unser Kontaktmann !
Als wir ihr Haus ausfindig gemacht hatten, betraten wir es, nachdem auf unser klopfen und rufen niemand geantwortet hatte. Wir fanden die Frau unglücklich und elend in der Küche, bemüht mit einem sehr nach Erde riechenden Brei ihr kleines Kind zu füttern. Nachdem wir ihr mit den zunächst liegenden Dingen geholfen hatten, Speis und Trank für die Beiden erzählte sie uns bei einem Becher Wein, den ich ihr angeboten hatte, daß sie seit nun mehr fünf Wochen Witwe sei. Eines Morgens wurde ihr Mann, wohl ermordet, vor der Haustüre gefunden. Kurz darauf sei die Sache mit dem Tempel geschehen, wobei sie nicht allzu viel habe sehen können. Seit dem Tod ihres Mannes ist sie nun ohne Einkommen und verarmt. Dies, obwohl ihr Mann durch den zweifelsohne einträglichen Safranhandel mit den Amazonen eigentlich wohlhabend sein müsse. Sintemal er der einzigste am Platze war, der dies Privileg besaß, was ihnen von vielen geneidet wurde. Wir, Korgrimm und Yasine, ließen ihr eine großzügige Summe Geldes, worauf sie für die Zukunft wieder zuversichtlicher wurde. Leider konnte sie uns sonst nicht viel weiterhelfen, außer daß ihr Mann stets direkt nach Süden durch den Ogerbusch gereist sei, was trotz des Namens völlig ungefährlich sei. Weiter habe er erzählt, daß wer versuche durch das Tor in die Burg zu gelangen des Todes sei.
Für die Nacht konnten wir im Haus der dankbaren Frau bleiben.



Auf Burg Kurkum


9. Praios 9 n. Hal



Als wir gen Mittag die Burg Kurkum erreichten sahen wir einige Amazonen gegen eine Überzahl Oger kämpfen. Ohne zu überlegen gab ich sofort meinem Pferd die Sporen um den im aussichtslosen Kampf unterlegenen Amazonen zu Hilfe zu eilen. Noch bevor ich in den Kampf eingreifen konnte, sah ich zwei Amazonen fallen, während eine dritte die Flucht ergriff.
Mich wacker in den Kampf stürzend, hoffend wenigstens die Toten vor der Gefräßigkeit der Oger zu schützen, war ich bald selbst von mehreren Oger umringt. Meinen Gefährten ging es wohl ebenso, zumal von den Amazonen wider Erwarten keinerlei Unterstützung kam. Aus dem Kampfgetümmel heraus hörte ich mit einem mal Yasines Ruf “zu dem Loch!“ Da ich mittlerweile mehrfach getroffen worden war, heuer waren die Götter meinem Kämpf wohl nicht wohlgesonnen, zog ich mich zu unserem Wagen zurück. Dort warteten schon meine Gefährten. Yasine erzählte uns von einer versteckten Höhle oder ähnliches, in der sie eine der Kämpferinnen habe verschwinden sehen. Just da fingen die Amazonen an, von der Burgmauer aus, auf die Oger und vor allem auch auf uns zu schießen, welch undankbares Gebaren, wir konnten es nicht glauben. Nun blieb uns keine Wahl, wir mußten schnell handeln.
Den Wagen als Deckung nehmend, gelang es uns diesen zu dem hinter einem Busch liegenden Loch zu schieben. Mit schwerem Herzen gab ich mein treues Ross mit einem Klaps frei. So konnte es zusammen mit den beiden anderen Pferden fliehen, denn mit in das Loch konnten wir es nicht nehmen. Ich konnte nur noch hoffen es eines Tages wiederzufinden. Stetig in Deckung bleibend vor den feindlichen Geschossen, luden wir eilends die Statue der Herrin Rondra ab und stiegen sie mit uns nehmend hinab in die Finsternis. Wir befanden uns in einem langen finsteren Gang, der scheinbar ins Innere der Burg führte. Während Samiana, Korgrimm und mir, die wir die Statue trugen, mit einer Fackel leuchtete ging Yasine voraus. Sie konnte merkwürdigerweise auch ohne Licht gut sehen und wies uns den Weg. Nach geraumer Zeit gelangten wir an eine Abzweigung. Der eine Weg führte scheinbar in Richtung eines Gewässers, während der andere so dünkte mir in die Burg selbst führte. Bald darauf wurden wir von einem Trupp Amazonen in Empfang genommen. Immer noch darauf vertrauend, daß wir erklären konnten, in welch wohlmeinender Absicht wir gekommen waren, ließen wir uns ohne Widerstand entwaffnen und gefangen nehmen. Jedoch nach kurzer Wartezeit im Burghof, beraubte man uns unserer Ausrüstung und warf uns ins Verlies. Hierbei handelte es sich um einen aufgelassenen Brunnen, der über den uns schon bekannten Gang zu erreichen war. Groß war die Überraschung als wir eine schon von längerer Gefangenschaft arg mitgenommene aber trotzdem noch stattliche Frau vorfanden. Noch größer war meine Überraschung, als ich erfuhr, daß es sich hierbei um niemand geringeres als die Amazonenkönigin Yppolita persönlich handelte! Wie anders hatte ich mir doch meine erste Begegnung mit dieser berühmten Königin vorgestellt, ja auch erhofft. Von der ersten Überraschung erholt, erzählte sie uns die Ereignisse der letzten Wochen:
Eines Tages sei ein alter, gebeugter Mann vor dem Tore der Burg erschienen. Irgendwie ist es ihm offenbar gelungen durch einen mächtigen Zauber alle Amazonen unter seine Herrschaft zu zwingen. Seither lasse er jeden Abend das mächtige Bildnis einer goldenen Göttin während des Gottesdienstes erscheinen, welches nun alle statt der hehren Herrin Rondra anbeten. Doch damit nicht genug der Frevel, er ließ, wie wir gesehen hatten den Rondratempel entweihen, sämtliche Statuen und Bildnisse unserer Herrin Rondra zerstören. Seither schickt er die Amazonen auf Raubzüge aus und hortet die Beute zu seiner Bereicherung. Dank ihres mächtigen Schutzamulettes sei sie, Yppolita, wohl nicht unter seinen Bann gefallen und daraufhin auf seine Anweisung gefangengesetzt worden.
Da wir alle, je nach Größe mehr oder weniger tief im stinkenden Wasser standen, war unseres Bleibens hier nicht lange. Da die Tiefe des Brunnens vom Gang aus nur etwa drei Schritt betrug, stellte dies kein allzu großes Problem dar. Dank meiner Abenteuerspiele anno dazumal mit Farline fiel mir sogleich die von uns häufig benutzte Räuberleiter ein. Auf diese Weise stieg über meine Schulter zunächst Samiana, dann Yasine und auch Königin Yppolita hinauf. Nach mehreren Versuchen gelang es mit vereinten Kräften auch Korgrimm hinaufzubefördern. Nun stand nur noch ich im Brackwasser. Nachdem meine Gefährten mir ihre Arme weit nach unten entgegengestreckt hatten, gelang es mir diese zu erhaschen und unter Aufbringung aller Kräfte zogen sie mich schließlich hoch.
Nachdem wir alle vereint im Gang standen, bot ich Königin Yppolita nun die ihr zustehende Ehrerbietung an, sowie ich ihr auch meinen Waffendienst anbot, auf daß sie bald wieder in Amt und Würden gelangen möge. Ähnlich wie unser hochverehrter Herzog Waldemar hielt sie jedoch nicht viel von solcherlei Förmlichkeit. So konnten wir ohne weitere Umstände zur Tat schreiten. Zunächst berichtete ich ihr kurz den Zweck unseres Aufenthaltes zu Kurkum und unseren schrecklichen Erlebnissen von Ysilia.
Wie uns Königin Yppolita mitgeteilt hatte, war während des Gottesdienstes, da alle im Tempel versammelt waren die beste Zeit um zu handeln. So konnten wir noch unsere Vorgehensweise beratschlagen und entsprechende Vorbereitungen treffen wobei uns Yppolitas Ortskenntnis sehr zu gute kam.
Zunächst wollten wir versuchen zum Zeughaus zu gelangen. Dort konnten wir uns mit Waffen versorgen, oder gar unsere eigene Ausrüstung wiederfinden.
Als wir im Burghof anlangten, stellten wir fest, daß bei nur zwei Wachen auf den Wehrgängen, es ein leichtes war diesen zu überqueren. Im Zeughaus angekommen, fanden wir in einer kleinen Kammer tatsächlich unsere komplette Ausrüstung wieder, nebst anderer Waffen der Amazonen. Darunter waren auch geweihte Schwerter, die wir auf Anraten Königin Yppolitas nahmen. Denn nur diese konnten, wie sie uns mitteilte etwas gegen dämonische Wesen ausrichten. In meiner Ausrüstung fand ich sogar noch meinen Heiltrank, den ich sogleich nehmen wollte, da ich im Kampf gegen die Oger vor der Burg doch so manchen Streich hatte einstecken müssen. Da bot mir Samiana einige Heilkräuter an, die ihr ihre Mutter, eine namhafte Heilerin ihres Volkes, mitgegeben hatte. Da ich nach dem Erlebten keinen Grund mehr sah ihr zu misstrauen nahm ich diese und fühlte mich alsbald erquickt. Meinen Heiltrank steckte ich nun wieder ein, was sich später für einen meiner Gefährten als die letzte Rettung erweisen sollte. Die Götter waren wahrhaft mit uns!
Doch will ich der Reihe nach alles aufschreiben. Es bestand zunächst geteilte Meinung über unsere weitere Vorgehensweise, während die einen lieber durch die Hintertüre in den Tempel einzudringen rieten, bestand die ruhmreiche Königin der Amazonen darauf, von vorne, ganz offen den Amazonen und ihrer falschen Göttin gegenüberzutreten. Mir gefiel dieses rondragefällige Vorgehen, so daß ich mich ihr sogleich begeistert anschloss. Es war allerdings auch nicht von der Hand zu weisen, daß durch eine Blockade des Hintereinganges eine Flucht des schwarzmagischen Dämonenbeschwörers verhindert werden konnte, schließlich wollten wir gerade diesen zur Rechenschaft ziehen. Wir kamen überein, daß Yppolita, Yasine und ich den Tempel durch den Haupteingang betreten würden. Während die zweifelsohne charismatischeren Damen versuchen sollten die Amazonen zum wahren Rondraglauben zurückzubringen, sollte ich die falsche Göttin zum ehrlichem Zweikampf fordern, um so ihre begrenzte Macht zu offenbaren. Samiana und Korgrimm dagegen sollten durch den Hintereingang kommen, die Räumlichkeiten kurz untersuchen, in der Hoffnung, die von uns mitgebrachte Statue zu finden. Diese sollte dann zur Unterstützung der Überzeugungsarbeit in den Versammlungsraum gebracht werden. Nachdem wir den Tempel betreten hatten, stürmte ich durch den Mittelgang vorweg, laut die Unterstützung der Herrin Rondra anrufend, um die Dämonengöttin zum Zweikampf zu fordern. Während Yppolita, unterstützt durch ein Gebet unserer Geweihten Yasine zu den Amazonen sprach, begann ich die Göttin, die meiner mehrmaligen Forderung keinerlei Reaktion zeitigte, ja den Amazonen weitere Freveltaten befahl, zu anzugreifen. Wie erstaunt war ich, als mein Schwertstreich glatt durch sie hindurchfuhr ohne geringste Wirkung zu zeigen. Lediglich ein kurzes Flackern war zu erkennen, welches jedoch auch mit dem lauten Krachen, das aus den angrenzenden Räumen ertönte, zusammenhängen konnte. Mit zunehmendem Kampfeslärm aus den angrenzenden Räumen verschwand die falsche Göttin schließlich ganz. Während ich mich noch etwas ratlos umblickte, rief mir Yasine etwas zu und deutete auf eine kleine Luke in der rückwärtigen Wand des Tempels, die sie mit gutem Auge entdeckt hatte. Noch als ich auf die Luke zustürzte, erkannte ich dahinter jemand, der scheinbar Zauberformeln murmelte. Ich versuchte ihn mit Schwertes Spitze durch die Luke zu treffen, musste aber erkennen, daß dies nicht möglich war. Also folgte ich Yasine, die gerade durch eine Türe in der Rückwand des Tempels verschwunden war. Als ich den dahinterliegenden Raum erreichte, bot sich folgendes, äußerst verwirrendes Bild:
Korgrimm war in einen fürchterlichen Kampf mit einem drei Schritt großen, tigerähnlichem, dämonischem Ungetüm verwickelt und mußte sich auch noch heftiger Angriffe der offensichtlich verzauberten Samiana erwehren. Yasine dagegen kniete, wohl auch verzaubert, auf dem Boden, umringt von blinkenden Dukaten und focht wohl innere Kämpfe aus. Auf einem Podest erblickte ich den Verursacher sämtlicher verübten Greueltaten, an der Bevölkerung und nun auch meiner Gefährten. Ein kleiner, buckliger Schwarzmagier. Der heilige Zorn unserer Herrin überkam mich. Ich stürmte das Podest hinauf, allem ein endgültiges Ende setzen wollend, darauf hoffend, daß Korgrimm noch eine kleine Weile standhalten würde. Wieder murmelte er unverständliche Worte, doch da war ich auch schon heran und schlug machtvoll zu. Ich traf ihn hart, ich traf ihn gut. Doch da geschah das Unglaubliche, er begann sich vor meinen Augen in Rauch aufzulösen. Obwohl ich ihn nochmals heftig traf, war er verschwunden, bevor ich seinem niederträchtigem Leben ein Ende setzen konnte. Als ich mich nun umwandte, sah ich Korgrimm mehrfach schwer getroffen mit einem Aufschrei zu Boden gehen. Samiana dagegen floh gerade zur Türe hinaus, heftig verfolgt von dem schrecklichen Xant. Schnell eilte ich zu meinem sterbenden Gefährten, ließ meine Waffen fallen und nestelte den schon erwähnten, mir verbliebenen Heiltrank aus der Gürteltasche und flößte ihn Korgrimm ein. Als er wieder zu sich kam, murmelte er etwas von Golgaris Schwingen, die er erblickt habe. Ich befahl ihm still liegen zu bleiben, um sich noch zu erholen. Meine Schwerter greifend sprang ich auf und stürzte dem Dämon hinterher, der gerade die Hintertüre zerschmetterte und in den Burghof trat. Als ich gleichfalls im Hof anlangte, kam er mir schon wieder entgegen, nun seinerseits auf der Flucht, da der Platz von der gesamte Amazonenarmee unter Führung ihrer Königin Yppolita umstellt war. So war es an mir, ihm den ersten Streich zu versetzen, ehe er dann den blitzenden Klingen der Amazonen rasch und endgültig erlag.
Nach diesen Kämpfen erholten wir uns zunächst etwas, während Yppolita ihre Amazonen anwies, die von uns mitgebrachte Statue im Tempel aufzustellen. Auch ließ sie die Burg nach dem verschwundenen Magier und seine Habe absuchen, was aber ohne jeglichen Erfolg blieb.
Wir hatten uns etwas zurückgezogen und beobachteten das Treiben. Ich empfand eine große Bewunderung für dieses stolze, kämpferische Volk. Ihre gute Organisation beeindruckte mich sehr und zugegebenermaßen bewunderte ich auch ihre athletischen, wohlgeformten Körper in ihren maßgeschneiderten Rüstungen. Während ich so vor mich hin schwelgte, fiel mir eine sehr junge, wohlaussehende Amazone besonders auf. Irgendwie kam sie mir bekannt vor, als ob ich sie schon gesehen hätte. Allein schon ihre anmutige Art sich zu bewegen brachte in mir eine Saite zum klingen, ja löste irgendein besonderes Gefühl in mir aus. Auf eine unerklärliche Art und Weise fühlte ich mich zur ihr hingezogen, ihr verbunden. Mir kam es so vor, daß sie gerade mich, vor allem wenn sie sich unbeobachtet wähnte, gleichfalls verstohlen musterte. In gewisser Weise taten dies zwar alle, waren wir doch schon eine merkwürdige Gruppe, aber man behandelte uns sehr zuvorkommen und beinahe schon ehrfürchtig. Wenn sich unsere Blicke hie und da unversehens trafen, schien sie verlegen zu werden und wandte sich dann hastig ab. Nachdem die Amazonen die gröbsten Aufräumarbeiten erledigt hatten, versammelten sich alle Amazonen in der großen Halle zur Abendmahlzeit. Auch wir waren selbstverständlich geladen und erhielten Ehrenplätze gegenüber der Königin. Dabei fiel mir auf, daß nämliche Amazone sich gleich neben Yppolita setzte, was mir gut gefiel, war sie doch eine gutaussehende, hübsche junge Frau, die ich so noch etwas genauer beobachten konnte. Andererseits machte mich ihre Nähe etwas nervös, da ich nicht wußte, woher diese seltsamen, zwiespältigen Gefühle kamen.
Während wir uns stärkten, hatten wir nun die Gelegenheit unsere Anliegen genauer zu erläutern. Nachdem uns Yppolita für unsere Hilfe zur rechten Zeit aufrichtigst gedankt hatte, fragte sie uns, wie sie sich uns erkenntlich zeigen könne. Nach kurzem Bedenken fragte ich sie, ob sie meinen Brief an meinen Herrn Vater überbringen lassen könne, schließlich habe ich ihm mein Wort gegeben ihn über den Verlauf meiner Suche zu informieren. Nachdem Yasine mit einigem Geschick noch für jeden einen Heiltrank erbeten hatte, waren wir es zufrieden. Scheinbar überrascht über unsere Bescheidenheit, bot uns Königin Yppolita dann vier edle, gut geschulte Amazonenrösser an, zumal wir vor der Burg unsere eigenen Pferde wohl für immer verloren hatten. Nicht zuletzt aus diesem Grund nahmen wir dies Geschenk gerne an. Darüber hinaus bot sie uns noch edle, der Herrin Rondra geweihte Waffen an, sowie die Möglichkeit unsere Waffen weihen zu lassen.
Ich wählte ein edles, gut ausgewogenes Langschwert. Gerne hätte ich auch noch mein Drachenschwert, das Schwert welches mir mein Vater gegeben hatte, weihen lassen. Ich konnte es jedoch nicht über mein Herz bringen mein Familienerbstück für ungewisse Zeit in andere, fremde Hände zu geben. Auch wenn wir uns wohl beim bevorstehenden Kampf gegen die Oger wiedersehen würden, so die Götter es uns bestimmten. Während wir so sprachen, traf sich mein Blick immer wieder mit dem jener beeindruckenden jungen Amazone, und meine Gefühle für sie wurden immer stärker. Auch war mir aufgefallen, daß sie beim Anblick meines Drachenschwertes merkwürdig reagiert hatte, sie war regelrecht erschrocken!
Einem inneren Impuls folgend, begann ich nun Yppolita vom rätselhaftem Verschwinden meiner Schwester Farline und meiner schon zuvor erwähnten Suche nach ihr zu erzählen. Ich schloss mit der Bitte, ob sie mir helfen könne, vielleicht, so meine Hoffnung wäre ihr ja was zu Ohren gekommen. Dabei zog ich Farlines Ring aus der Tasche, den Samiana gefunden hatte, um ihn Yppolita zu zeigen und auch davon zu berichten. Kaum hatte ich den Ring auf den Tisch gelegt, als ein heftiger Ruck durch jene Maid ging, sie warf dabei beinah ihren Trinkpokal um. Offensichtlich kannte sie den Ring. Yppolita, der dies natürlich nicht entgangen war, musterte sie nun eindringlich und blickte dann mich genauso an. Es war sehr rätselhaft. Nach einer Weile, begann sie, während ein versonnenes Lächeln ihre Züge umspielte, eine Geschichte zu erzählen.
Vor ungefähr drei Götterläufen, begann sie, es war im Rondra 6 n. Hal, habe sie einen Ritt mit einem Trupp ihrer Amazonen in den Norden Tobriens unternommen. Dabei habe sie einen höchst merkwürdigen “Fund“ gemacht. Es war am Fuße der Drachensteine gewesen, als sie eines Morgens an der Quelle des Flusses Tizam ein junges Mädchen, vielleicht 14 Götterläufe alt, entdeckte. Dieses junge Mädchen sei nur sehr spärlich in abgerissene Lumpen gekleidet gewesen. Sie war sehr verschreckt und verwirrt gewesen, als sei sie gerade aus einem tiefen Traum erwacht. Besonders auffällig sei jedoch gewesen, daß trotz der ärmlichen Kleidung sie mit einem guten Langschwerte gegürtet gewesen war. Sie habe keinerlei Erinnerung an Vorangegangenes gehabt, weder wußte sie ihren eigenen Namen, noch woher sie gekommen war, noch wie sie dorthin gelangt sei. Auch umfangreiche Nachforschungen in der näheren Umgebung hatten keinerlei Hinweise erbracht. Keiner hatte das Mädchen je gesehen, noch konnte jemand irgendwelche Hinweise über ihre Herkunft geben. Daraufhin habe sie nun dies arme Ding mitgenommen nach Kurkum und sich ihrer persönlich angenommen und dabei schnell festgestellt, daß sie ein großes Talent für den Schwertkampf vorzuweisen hatte. Im Laufe der Zeit sei sie ihr wie eine Tochter geworden und würde selten von ihrer Seite weichen. Bei diesen Worten fuhr sie der neben ihr sitzenden Amazone schon fast zärtlich über das Haar. Sie bedaure es sehr, daß sie bis auf den heutigen Praioslaufe noch nichts genaueres über ihre Herkunft habe in Erfahrung bringen können. Nun nach dem Gehörten könne sie nun nicht umhin eine gewisse Ähnlichkeit zwischen uns beiden festzustellen und vermute nun, daß sie eventuell jene gesuchte Farline sein könne. Ich konnte es nicht glauben, obwohl ich mir intuitiv nun fast sicher war, dies konnte nur, mußte meine Schwester sein!!! Doch ich wollte Gewissheit erlangen. Ich mußte an das Schwert denken, ich fragte ob es noch hier sei und ob ich es mal sehen dürfe.
Sogleich lief das Mädchen los und kehrte kurz darauf mit einem mir wohlbekannten Schwerte wieder. Ich hatte es sofort wiedererkannt, es war das Schwert mit dem meine Schwester Farline mit mir zur Drachenhatz aufgebrochen war! Vor mir stand meine vermisste, ja schon totgeglaubte, teure Schwester Farline!! Ich wollte aufspringen, sie in meine Arme schließen, allein meine Beine versagten mir ihren Dienst, es hatte mir selbst die Sprache verschlagen. So starrte ich die vor mir Stehende nur an, bis ihr gleichfalls die Beine versagten, sie sank vor mir auf die Knie und stammelte: “Beowulf, mein Bruder ?“ Endlich fand ich wieder zu mir, ich fasste ihre Hände und zog sie aufstehend in meine Arme, während wir unseren Freudentränen nun freien Lauf lassen konnten. Als wir uns wieder etwas gefasst hatten, setzten wir uns nebeneinander, ich steckte ihr ihren Ring wieder an den Finger, wie schon einmal. Dabei erinnerte ich mich auch wieder unseres alten Schwures. Ich erzählte, ihre Hand nicht loslassen wollend davon, und wir erneuerten ihn nun auf andere Weise. Da das Schicksal uns getrennt hatte, so wollten wir uns in Zukunft beistehen in jedweder Not, komme da was wolle!! Nun wurde ausgiebig gefeiert, unser Wiedersehen, ihr wiedergefundenes Ich. Ich bedauerte zutiefst, daß uns nur eine kurze Nacht blieb, wie viel gab es zu erzählen, zu tun. Wie gerne wäre ich sofort mit ihr aufgebrochen, sie gen Drachenfels zu führen, heim zu unserer Familie, mit ihr all die Plätze aufzusuchen, an der wir in unsrer Kindheit weilten in der Hoffnung, daß sie sich wieder erinnern möge!
Nun gab ich ihr mein Drachenschwert zu treuen Händen, das Schwert, das mein Vater mir unlängst gab, um es der Herrin Rondra weihen zu lassen. Interessant war, daß sie es wohl erkannt hatte, sie konnte nicht sagen woher sie es kannte, aber es erweckte in ihr ein vertrautes Gefühl. Mir dagegen war das recht klar, waren wir als Kinder , wenn zwar auch verbotenerweise, doch recht oft in der Waffenkammer auf Drachenfels gewesen. Dort wurde natürlich auch dieses Schwert neben anderen aufbewahrt. Wir vereinbarten, daß Farline mir das Schwert wieder bringen würde, da wohl anzunehmen war, daß wir, so die Götter es zulassen würden, uns bald auf dem Schlachtfeld im Kampf gegen die Oger wiedersehen würden.



Reise nach Beilunk und Perricum


10. Praios 10 n. Hal



Nach viel zu kurzer Nachtruhe brach ich schweren Herzens am frühen Morgen mit meinen Gefährten wieder auf. Königin Yppolita hatte uns noch eine ortskundige Führerin mitgegeben, die uns auf kürzeren Wegen nach Beilunk bringen sollte. Leider war Farline nicht abkömmlich uns zu begleiten, galt es doch einen Kriegszug gegen die Oger vorzubereiten.



Aufgrund dessen erreichten wir noch am selben Praioslauf gegen Abend unser Ziel.
Wir begaben uns sogleich zum Kontor Stoerrebrandts, um die Erledigung unseres Auftrages zu melden und auch den Lohn zu empfangen. Auf dem Weg durch die mit viel Kriegsvolk bevölkerten Stadt erfuhren wir, daß ein Heer gesammelt wurde, unter dem Oberbefehl der Marschalin Lutisana von Perricum. Dieses Heer sollte in wenigen Tagen auf dem Seewege nach Perricum gebracht werden, da der Landweg über die Trollpforte wegen der Oger nicht mehr sicher sei. Somit ergaben sich für uns gleich mehrere Probleme. Das erste , war mir nur zu bekannt. Wie bringt man einen lebenden Zwerg dazu, ein Schiff für eine Seereise zu betreten.? Und weiter, wie bekommen wir überhaupt ein Schiff, da alle von der Armee beschlagnahmt wurden. Nachdem wir unseren Lohn, 150 Dukaten, erhalten hatten, der Verwalter des Kontors bestand in seiner unermesslichen Großzügigkeit darauf nur Samiana, Korgrimm und mir die vereinbarten 50 Dukaten auszuzahlen. Yasine, die später dazugestoßen war sollte also leer ausgehen, da sie aber mit uns gekämpft und gelitten hatte, bestand ich darauf, den Lohn gerecht auf alle zu verteilen. Danach verlangte Yasine von dem Gehilfen noch ein persönliches Gespräch mit dem Vorsteher des Kontor.
Während wir , Korgrimm, Samiana und ich mit nun gefüllten Geldkatzen vor dem Kontor warteten, besprachen wir unser weiteres Vorgehen. Wie erwartet bekräftigte Korgrimm mehrfach, daß man ihn nie auch nur in die Nähe eines Schiffes bringen würde, solange er auf seine beiden Füssen stehen könne. Anbetracht dieser Misere überkam mich die Lust mal ordentlich einen Bären schießen zu gehen, wie man in meiner weit entfernten Heimat nun sagen würde. Schließlich hatten wir ja einiges überstanden, einige übrige Dukaten und somit einigen Grund dazu. Korgrimm war sofort begeistert, so zogen wir zwei los in die nächstbeste Spelunke. Samiana sollte später mit Yasine nachkommen. Kaum hatten wir unser erstes Bier bestellt, als sich ein grobschlächtiger Seemann näherte und Korgrimm zu einem Wettsaufen herausforderte. Da mir dabei eine zugegebener weise etwas hinterhältige Idee gekommen war, stachelte ich unseren wackeren Zwerg noch mehr dazu an. Dieser ließ sich nicht lange bitten...
Kurz darauf erschienen unsere beiden Damen. Während Samiana verwirrt des Zwergen Treiben beobachtete, teilte Yasine mir leise mit, daß sie eine Schiffspassage aufgetan hatte. Das Schiff würde noch heute Nacht in See stechen. Wir sollten nur Mitternachts am Pier sein, unbemerkt an Bord gehen und während der Fahrt unter Deck versteckt bleiben. In Perricum sollten wir dann als Packer getarnt von Bord gehen. Dies wäre wohl die einzigste, und nicht gerade billige Möglichkeit gewesen unsere Reise schnell fortzusetzen. Während ich Korgrimm nun weiter ermunterte sein löbliches Tun fortzusetzen, erläuterte ich Yasine, daß es nicht ganz einfach werden würde den Zwerg überhaupt auf das Schiff zu bekommen. Sollte er jedoch so weitermachen, wäre es vielleicht doch möglich,.. mit Hilfe von Phex, dem listenreichen... ich hatte zwar kein gutes Gefühl bei solch einer Vorgehensweise, ich nahm mir vor bei nächster Gelegenheit einen Tempel aufzusuchen, um mein Gewissen wieder zu reinigen. Interessant war auch Samianas Verhalten, so reizend und anmutig sie sonst anzuschauen sie auch ist, so unbedarft ist sie in so vielen alltäglichen Dingen. So mußte ich ihr doch tatsächlich erklären was Bier ist, und daß Korgrimm, bei dem sich nun entsprechende Wirkung zeigte mitnichten an einer Vergiftung litt.

Über das weitere mag ich nicht viel Worte verlieren, es gelang uns Korgrimm aus der Spelunke auf das Schiff zu locken. Mit einem Beruhigungstrunk, den Samiana zubereitete gelang es ihn während der zwei Praiosläufe dauernden Reise ruhig zu halten. Dank Yasines Redegewandtheit schafften wir ihn ohne größere Zwischenfälle von Bord. Ehe er richtig begriffen hatte wie ihm geschehen war, waren wir schon aus der Stadt geritten. Dann aber war sein Zorn groß, aber es gelang uns ihm klarzumachen, daß wir ihn nicht betrogen hatten. Wir hatten ihm nur nicht immer alle Details mitgeteilt. Schlussendlich mußte er eingestehen, daß wir auf diese Weise unserem Ziel schnell und bequem ein großes Stück näher gekommen waren.



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